"Lake Verea: Paparazza Moderna" im Vitra Design Museum Vergebliche Fotojagd nach Bauhaus-Architekten

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Von Astrid Tauch

Zwei Künstlerinnen aus Mexiko begeben sich auf die Spuren großer Bauhaus-Architekten. Das Duo „Lake Veréa“ besucht die stilbildenden modernen Häuser von Walter Gropius, Mies van der Rohe und Marcel Breuer aus den 20er und 30er Jahren in den USA. Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein zeigt 24 Werke, Fotografien und Videos. Im Paparazzo-Stil versuchen „Lake Veréa“ die Beziehungsgeheimnisse der Architekten auszukundschaften. Der Erkenntniswert hält sich in Grenzen.

Walter Gropius und sein Protégé Marcel Breuer in Massachusetts

Die mexikanischen Künstlerinnen Francisca Rivero-Lake und Carla Veréa begeben sich auf die Spuren von Walter Gropius und seinem Protégé, dem Möbeldesigner Marcel Breuer. 1937 baute Gropius für sich und seine Familie ein Haus auf einem Hügel in Massachusetts. Breuers Junggesellenbude liegt in nur wenigen hundert Metern Abstand direkt darunter.

Dauer

Im Paparazzo-Stil, mit schwarzen Hosen und Shirts, jede eine analoge Kamera in der Hand, schleichen sich „Lake Veréa“ an diese Häuser heran. Kuratorin Viviane Stappmanns: „Sie steigen aus dem Auto und schießen drauflos. Genau wie Paparazzi aus den Klatschmedien versuchen sie das einzufangen, was auf einem inszenierten Bild nicht sichtbar ist.“

asdfWas Häuser über den Streit von Architekten verraten

Welches Verhältnis hatten die beiden Architekten zueinander? Was brachte Gropius und Breuer auseinander? Immerhin bauten beide gemeinsam noch ein Haus, das 1941 zur Sensation wurde: das Chamberlain Cottage, 50 Quadratmeter klein, für das 2016 in Verkaufsportalen 2,3 Millionen Dollar geboten werden. Die Fotos von Lake Veréa zeigen die Landschaft rund um das vergessene Haus, der Wald, der sich wieder breit macht und das Gebäude fast verschluckt.

Viel Stoff für Fotos und Spekulationen

Die Künstlerinnen fertigen Kompositionen aus bis zu acht Bildern, die als Ensembles an der Wand hängen und die Beziehungen von Haus und Hauserbauern zueinander verbildlichen sollen.

Stoff für Spekulationen bietet die Beziehung der Wiener Architekten Rudolf Schindler und Richard Neutra. In Schindlers Haus in Los Angeles beginnt eine Phase des Co-Livings. Man teilt alles miteinander, sogar die Ehefrauen, behaupten böse Zungen. Aber nach fünf Jahren ist es aus mit Freundschaft und Gemeinschaft. Was ist passiert?

Zum Voyeur werden - und dennoch ratlos zurückbleiben

Auch das dritte Architektenpaar, Ludwig Mies Van der Rohe und der Amerikaner Philip Johnson, verbindet ein spannungsreiches Verhältnis zwischen Freundschaft und Konkurrenz. Johnsons Glass House in Connecticut hat auffallend viel Ähnlichkeit mit Mies van der Rohes Design. Eine Verbeugung oder einfach Ideenklau?

Lake Veréa können das nicht beantworten. Wollen sie vielleicht auch nicht. Sie sind Voyeure und lassen uns zu Voyeuren werden. In Weil gelingt das allerdings nur mit intensiver Lektüre der Ausstellungstexte. Die Fotos selbst lassen einen eher ratlos zurück.

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