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Experiment auf Zeit: Die Kunstgalerie „Gutleut“ im ehemaligen Karstadt in Mainz

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Moderne Kunst im ehemaligen Konsumtempel – dieses Konzept haben drei kunstaffine Barbetreiber aus Mainz entwickelt. Im Untergeschoss des leerstehenden Karstadt-Gebäudes wollen sie auf 1.300 Quadratmetern eine Schau eröffnen, die sich als Hybrid zwischen Verkaufsausstellung und Kunsthalle versteht.

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Ein neues Konzept für Mainz im einstigen Konsumtempel

Das Lackiergerät läuft auf Hochtouren — letzte Renovierungsarbeiten im Untergeschoss des ehemaligen Karstadt: Galeriebetreiber Victor Anta Muñoz präsentiert stolz die neuen Räumlichkeiten. Da, wo man Jahrzehnte lang Feinkost und andere Leckereien einkaufen konnte, zeigen er und seine beiden Partner jetzt zeitgenössische Kunst.

Malerei, Fotografie und Installationen im ausgedienten Konsumtempel — für Mainz ein völlig neues Konzept. Das Herz der Galerie Gutleut ist die frühere Lebensmittelabteilung. Davon zeugen noch die stark abgenutzten, melierten Bodenfliesen.

Rund 500 Kunstwerke aus dem Bereich Urban Art werden ausgestellt

Kassen, Regale, Fleisch- und Wursttheke sind verschwunden — stattdessen ein großer Raum, komplett in Schwarz. Einzelne Spots setzen die teils poppig-bunten Bilder in Szene, dazwischen skurrile Kleinplastiken: Dinos, Superhelden und andere Wesen, aus deren Gesichtern riesige Zungen herauswachsen.

Unter dem Label „Urban Art“ stellt Victor Anta Muñoz rund 500 Kunstwerke aus. Darunter psychedelische Öl-Gemälde des Illustrators Nebil Abdulgadir, der als Dozent in der Gaming-Branche arbeitet — oder eine blaue Installation mit Flimmer-Effekt von Tomislav Topic.

Galerie Gutleut Mainz (Foto: SWR, Hannegret Kullmann)
Markus Grzonka alias Nachtgang Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Leo Namislov Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Tomislav Topic Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Christian Dammert Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Christian Dammert Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Simon Hegenberg Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Lucas Dascher alias Stab and Devour Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Dink Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Timo Erhardt Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Stefan Golz Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen
Hera von Herakut Hannegret Kullmann Bild in Detailansicht öffnen

Die Kunstgalerie ist zeitlich begrenzt, denn 2023 soll das Gebäude umgebaut werden

Die Galerie Gutleut versteht sich als Hybrid zwischen Verkaufsausstellung und Kunsthalle. Der Eintritt kostet sechs Euro pro Schau und erlaubt das kostenlose Wiederkommen. Sobald die Corona-Regeln es erlauben, will Victor Anta Muñoz eröffnen.

Die erste Ausstellung soll drei Monate dauern, danach möchte er alle zwei Monate eine neue Schau präsentieren. Die Kunst im abgewrackten Warenhaus ist allerdings auf zwei Jahre begrenzt, 2023 sollen die Umbauarbeiten beginnen.

Die befristete Zwischennutzung ist für Victor Anta Muñoz kein Problem, sondern eine Chance. Nur so kann er ohne großes Risiko etwas Neues ausprobieren: „Das ist doch schön, dann können wir uns etablieren und dann schauen wir mal, wie die Reise weitergeht. Dem Wandel liegt ja auch ein Zauber inne. Wir können das, was wir hier machen, nur machen, weil es abgerissen wird. Wir schöpfen daraus Motivation und eine gewisse kreative Freiheit.“

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