Gespräch

Eröffnung Romantik-Museum Frankfurt: Mit Eichendorff beim Candle-Light-Dinner

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„Was heißt das eigentlich — Romantik?“ — diese Frage stehe gleich am Anfang im nun eröffneten Romantik-Museum in Frankfurt am Main, erklärt Anne Bohnenkamp-Renken vom Freien Deutschen Hochstift, auf dessen Intiative die Museumsgründung zurückgeht. Man mache sich in den Ausstellungen auf die Suche herauszufinden, wie unser heutiges Verständnis von „Romantischem“ mit der kulturgeschichtlichen Epoche vom späten 18. Jahrhundert bis weit ins 19. Jahrhundert zusammenhänge.

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Kerzenschein und Perspektivenwechsel

Bei der Eröffnung des Hauses am Montag, 13. September 2021, sagte die hessische Kulturministerin Angela Dorn (Grüne), dort werde „der Zauber der Romantik zum Leben erweckt“ . Allerdings dürften viele bei „Zauber der Romantik“ weniger an Novalis und eher an einen Restaurantbesuch bei Kerzenschein denken – Mit-Gründerin Anne Bohnenkamp-Renken erklärt aber, dass sich das neue Museum gezielt an beide Gruppen richte.

So habe das ästhetische Programm der historischen Romantik darauf abgezielt, die Welt neu zu beleuchten, das Wunderbare „zu entdecken, das man im Alltag womöglich übersieht“. Eine andere Perspektive — etwa durch eine andere Beleuchtung, einen Sonnenuntergang oder Kerzenschein könnten dazu gehören: „Es gibt einen ganz großen Assoziationsraum, der mit dem Begriff Romantik verbunden ist“.

Reportage aus dem Romantik-Museum:

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Blick auf Alltags- und Hochkultur

Das Frankfurter Museum ist das weltweit erste Museum, das sich umfassend mit der Musik, Literatur, Alltagskultur und Kunst dieser kulturhistorischen Epoche befasst — die einzigartige Sammlung von Werken aus der deutschen Romantik stammt vom Freien Deutschen Hochstift. Im Romantik-Museum werden zum Beispiel Handschriften von Clemens und Bettina Brentano sowie Gemälde von Caspar David Friedrich gezeigt.

Durch die gezeigten Manuskripte aus der Sammlung, etwa von Eichendorff, sagt Anne Bohnenkamp-Renken, könne man „den Dichtern beim Arbeiten zuschauen“. Dabei werde deutlich, dass ihnen die Gedichte auch nicht „im Schlaf eingefallen“ seien, sondern auf Papier erarbeitet wurden. Ein besonderer Blick wird im Romantik-Museum auf das Verhältnis von Johann Wolfgang von Goethe zu den Romantikern geworfen.

Goethe: Vom Romantik-Hasser zum Romantiker?

Während in der germanistischen Tradition immer die Opposition zwischen der Klassik und der Romantik betont werde, erklärt die Germanistin Bohnenkamp-Renken, sei man im Museum einen Schritt zurückgetreten: „Die Phasen der Opposition sind nur ein Teil der Geschichte!“ Zwar hätte sich der deutsche Nationaldichter vor allem anfangs sehr abfällig über die jungen Romantiker geäußert, doch aus einer europäischen Perspektive beginne die Epoche des „romanticism“ in Europa oftmals bereits mit dem jungen Goethe. „Zahlreiche Charakterzüge des jungen Goethe finden sich in der Romantik wieder“, fasst Bohnenkamp-Renken zusammen. Goethes Spätwerk „Faust 2“ sei außerdem als eine Versöhnung der Klassik mit der Romantik gedacht.

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