Ausstellung

„Von Kraftwerk bis Techno“ — Auf den Spuren der elektronischen Musik im Kunstpalast Düsseldorf

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AUTOR/IN
Peter Backof

Während die Clubs in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Corona-bedingt immer wieder zwischen Schließung und offen mit begrenzter Kapazität navigieren müssen, blickt die Ausstellung „Electro. Von Kraftwerk bis Techno“ im Düsseldorfer Kunstpalast bis 15. Mai 2022 auf die große Geschichte hinter der elektronischen Musik.

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Weltweites Kultur-Phänomen

Diese Ausstellung war in den letzten Jahren – mit anderen Schwerpunkten — bereits in den Musikmetropolen Paris und London zu sehen: Da ging es einmal um „Daft Punk“ und French House, und um den „Second Summer of Love“, Ende der 1980er in Großbritannien, der das einläutete, was wir wohl heute noch unter Rave- und Clubkultur verstehen.

Im Kunstpalast in Düsseldorf liegt der Fokus natürlich auf der Band „Kraftwerk“, die mit ihrem 1970 in Düsseldorf gegründeten Kling-Klang-Studio einen ganz wichtigen Part in der Geschichte der elektronischen Musik haben, wie Kurator Alain Bieber erläutert.

Kraftwerk — „Trans Europa Express“:

„Wir sind die Roboter“

Ralf Hütter von Kraftwerk hat den Ausstellungsparcours mitgestaltet, der aussieht wie eine Fusion aus Bazar, Wunderkammer und schummrigem Club, tief in der Nacht. 500 Bilder, Objekte, Designs sind zu sehen. Erstmals überhaupt: Robotische Skulpturen der Kraftwerk-Bandmitglieder, sie sind mit Elektromotoren von innen animiert. Und das war die historische Leistung von Kraftwerk, meint Alain Bieber — autonome elektronische Musik zu produzieren, die auch Pop-Appeal hatte.

Kunstsammlung NRW Peter Boettcher (Foto: Pressestelle, Kunstsammlung NRW /Peter Boettcher)
Die deutschen Pioniere der elektronischen Musik: Kraftwerk Pressestelle Kunstsammlung NRW /Peter Boettcher

Zeitreise zu zimmergroßen Synthesizern

Am Eingang zur Ausstellung startet die Zeitreise mit einer riesigen, mit Instrumenten und Verstärkern bestückten Zeitleiste. Denn bevor überhaupt Musik produziert werden kann, müssen die Instrumente gebaut werden. Damals zimmergroße Apparaturen, auf denen Karlheinz Stockhausen damals den „Gesang der Jünglinge“ produzierte — Sampling mit Schere und Klebstoff!

Karlheinz Stockhausen — „Gesang der Jünglinge“:

Die monströsen Keyboard-Türme von Jean-Michel Jarre passen heute alles in ein Handy, machen dort nur nicht „so viel her“, wie etwa die Stroboskopische Lichtorgel des Elektro-Pioniers, der im Juni 2021 in die französische Ehrenlegion aufgenommen wurde.

„Electro. Von Kraftwerk bis Techno“ im Kunstpalast Düsseldorf (Foto: Pressestelle, Jean Michel Jarre's virtuelles studio. Photo credit - Gil Lefauconnier)
Jean Michel Jarres virtuelles Studio Pressestelle Jean Michel Jarre's virtuelles studio. Photo credit - Gil Lefauconnier

Jean-Michel Jarre — „Oxygène Part 2“

Clubkultur als kulturelles Gruppen-Erlebnis

Der Fokus der Ausstellung liegt dann aber schon auf Clubkultur — dem Erlebnis, Tanzen gehen als gäb's kein Morgen! Detailliert wird mit Plattendesigns, Flyern und Party-Selfies sichtbar, was daran „kulturell“ ist.

„Electro. Von Kraftwerk bis Techno“ im Kunstpalast Düsseldorf (Foto: Pressestelle, VG Bild-Kunst Bonn 2021 Courtesy Sprüth Magers)
Andreas Gursky dokumentierte die schwitzende, ekstatische Menge auf dem Rave-Festival May Day 1998 Pressestelle VG Bild-Kunst Bonn 2021 Courtesy Sprüth Magers

Auf der Techno-Party werden alle gleich: einfach sein in der Menge — das ist körperlich, das ist auch philosophisch – demokratisch? Zu unrecht werde elektronische Musik als unpolitisch verschrien, sagt der Ausstellungskurator: „Das war ja auch immer wieder eine politische Bewegung — für LGBTIQ-Rechte zum Beispiel.“

SOPHIE — „It's Okay To Cry“:

Lebendig wird elektronische Musik auf der Tanzfläche

Das Phänomen „Loveparade“ wird nur gestreift mit Fotos von Starkünstler Andreas Gursky, der „Techno“ in all seiner Doppeldeutigkeit zeigt: Da sind Spaß und Engagement, da sind aber auch Kommerz und Verflachung.

Heute wirkt Corona als Game Changer. Aber das ist noch nicht das Ende von Clubkultur, meint – oder hofft, Kurator Alain Bieber: „Die Zeit der großen Raves ist vorbei! Wichtig ist, dass die kleinen Clubs weiter bestehen, dass weiter experimentiert wird und Sounds produziert werden.“

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