STAND
AUTOR/IN

Je nach Bundesstaat sind in den USA unterschiedliche Quarantäne-Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie verabschiedet worden, im demokratisch regierten Kalifornien besonders strenge. Das Thema beschäftigt dort auch die allgegenwärtigen Straßenkünstler*innen.

Audio herunterladen (3,2 MB | MP3)

Eine große Straße in Santa Monica, eine Stadt, die normalerweise vor Lebensfreude nur so strotzt. Surfer*innen, Reiche und Schöne laufen hier auf den Gehwegen entlang, im Hintergrund blitzblauer Himmel und Palmen. Jetzt sind weniger Autos als sonst unterwegs.

Bunte Farben gegen Corona-Frust

Viele Geschäfte sind dunkel, teilweise mit Holzlatten verschlossen. Trostlos wirkt das alles. Doch ein kleines Highlight zeigt sich in einer Nebenstraße: ein Wandbild in leuchtend bunten Farben: „Love“, Liebe, steht dort dutzende Male und darüber: „Liebe bedeutet, zwei Meter Abstand zu halten“. Und: „Zusammen schaffen wir das.“

Buntes Wandbild von Ruben Rojas (Foto: Foto: Katharina Wilhelm)
Die Wandbilder von Ruben Rojas beschwören die Kraft der Liebe und des Zusammenhaltens im Kampf gegen die Pandemie. Foto: Katharina Wilhelm Bild in Detailansicht öffnen
„Abstand halten“ gilt auch in den USA. Katharina Wilhelm Bild in Detailansicht öffnen
Eine romantische Variante der Mund-Nasen-Bedeckung hat sich Künstlerin Ponywave ausgedacht. Foto: Katharina Wilhelm / Anna Leier Bild in Detailansicht öffnen
Ruben Rojas' „You can't quarantine love“ handelt nicht nur von romantischer Liebe, sondern vielmehr von Liebe zu den Mitmenschen im Allgemeinen. Katharina Wilhelm Bild in Detailansicht öffnen

Die Straßenkunst stammt von Ruben Rojas, der schon vor der Krise seine Kunstwerke vor allem im strandnahen Santa Monica an diverse Wände gepinselt hat.

„Ich benutze Typografie und Farbe für meine Kunst. Farbe macht uns glücklich. Mir geht es dabei immer um das Positive, die Kraft der Liebe.“

Ruben Rojas, Straßenkünstler

Er hoffe in diesen Zeiten vermitteln zu können, dass wir uns von der Liebe, nicht von der Angst leiten lassen sollten. Und vielleicht könne man so schneller eine Lösung für das Problem finden.

Rojas findet, dass sich Los Angeles in der Pandemie erschreckend verändert hat. Genau deswegen wolle er eine gute Botschaft in die Welt tragen.

„Man sieht seine Lieblingsbar oder den Kaffeeladen verrammelt – wie in der Zombieserie „The Walking Dead“. Deswegen wollte ich den Läden etwas Gutes tun und habe dort meine Straßenkunst angemalt.“

Ruben Rojas

Street Art als Werbeaktion und Wandzeitung

Alles legal versteht sich — viele Geschäfte holen sich die Künstler*innen, auch um Aufmerksamkeit zu generieren. Egal, wo man in Los Angeles entlang fährt – die Straßenkunst ist allgegenwärtig. Und die Künstler*innen sind schnell, immer am Puls der Zeit. Nur einen Tag, nachdem der Basketballstar Kobe Bryant sowie dessen Tochter bei einem Hubschrauberabsturz tragisch ums Leben kamen, fanden sich bereits riesige Wandbilder mit den beiden in vielen Ecken der Stadt.

Die Corona-Pandemie hat nicht nur für leere Straßen in der sonst notorisch von Stau verstopften Stadt gesorgt. Immer wieder sieht man das Thema Corona auch im öffentlichen Raum. Sei es an der Strandpromenade in Venice Beach, wo sich zwei Menschen mit Mundschutz küssen, gemalt von Künstlerin Ponywave.

Stay Safe🙏🏻 📸 @max__kote .#ponywave #mural #streetart #venicebeach #venice #staysafe

Kritische Kunstwerke und Durchhalteparolen

Manche Nachrichten sind simpel: „Stay Home. Life is Beautiful“ – bleib zu Hause, das Leben ist schön — in weißer Schrift auf knallrotem Grund ist ebenso eines der meist fotografiertesten Wandbilder derzeit.

„@cypresshill This Walls are telling the truth👊 https://t.co/JcbJRe1MkM“

In West Hollywood hat der Künstler „Hijack“ zwei Soldaten an eine Wand gemalt, bewaffnet mit Desinfektionsmittel und Toilettenpapier. Das Bild wirkt düster und dystopisch. Nicht alle Graffiti und Street-Art Künstler wollen positive Nachrichten verbreiten – sondern auch zum Nachdenken anregen, kritisch sein.

„According to the International Labor Organization, More than one-third of the globe’s workers are unemployed due to the Covid-19 pandemic. This, combined with chronic hunger and poverty, is driving demand for food bank service to unprecedented levels.“

Kunst als praktische Hilfe: Spendensammeln mit Street Art

Kalifornien hat bisher fast Glück gehabt in der Corona-Krise. Der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA verzeichnet wenig Tote verglichen beispielsweise mit New York. Etwas über 2.000 sind es hier bei rund 40 Millionen Einwohner*innen, iIm Bundesstaat New York dagegen fast 20.000 Tote bei fast 20 Millionen Einwohner*innen. In Kalifornien hat man schnell mit härteren Maßnahmen der Verbreitung entgegengewirkt, das scheint geholfen zu haben.

Trotzdem: Die Auswirkungen sind für die Wirtschaft immens. Und vor allem die Ärmsten leiden: Obdachlose und illegale Migrant*innen, die allesamt einen schlechten Zugang zu Medizin haben.

Auch Streetart-Künstler Ruben Rojas will mehr, als nur ein paar Leute zum Lächeln bringen. Er hat seine Corona-Streetart nun auf T-Shirts drucken lassen – der Erlös gehe an einen guten Zweck, sagt er. Die ersten paar hundert Shirts habe er schon verkauft, sagt er — der Scheck sei demnächst unterwegs.

Kunst Diese Museen haben in Baden-Württemberg wieder geöffnet

Nach wochenlanger Zwangspause dürfen auch Museen und Galerien unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen. Die Frankfurter Schirn will bereits am 5. Mai wieder Publikum zulassen, die Museen in Rheinland-Pfalz wollen ab dem 11.Mai nachziehen und auch in Baden-Württemberg stehen viele Häuser in den Startlöchern.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Literaturpreis Pulitzerpreis an Colson Whitehead für "Die Nickel Boys"

Colson Whitehead hat zum zweiten Mal den Pulitzer Preis gewonnen. Nach „Underground Railroad“ 2017 erhält er den renommierten amerikanischen Literaturpreis in diesem Jahr für seinen Roman "The Nickel Boys".  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

STAND
AUTOR/IN