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In Mannheim wurde eine Stelle geschaffen, um die umfangreichen Afrikasammlungen zu digitalisieren und international sichtbar zu machen. Besetzt wurde die Stelle mit einem Wissenschaftler aus Togo, mit dem man einen gemeinsamen Blick auf die koloniale Vergangenheit werfen will.

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Oussounou Abdel-Aziz Sandja wird nach neusten Standards digitalisieren

20.000 Objekte umfasst die ethnologische Sammlung der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Seit deren Umstrukturierung vor rund 20 Jahren schlummert alles in den Depots.

Nun soll ein Teil davon nach neusten Standards digitalisiert werden - mit Hilfe von Oussounou Abdel-Aziz Sandja, einem 25jährigen Germanisten und Kulturwissenschaftler aus Togo.

„Ich war schon im Depot der Reiss-Engelhorn-Museen. Ich hab da viele Sachen gesehen, die ich noch nie gesehen habe, die aus meinem Land, also meiner Gesellschaft herkommen. Speere, Schilder und auch Alltagsgegenstände.“

Digitalisierungsprojekt  (Foto: Pressestelle, Reiss-Engelhorn-Museen)
Oussounou Abdel-Aziz Sandja, ein 25jähriger Germanisten und Kulturwissenschaftler aus Togo, hilft bei der Digitalisierung. Pressestelle Reiss-Engelhorn-Museen Bild in Detailansicht öffnen
Fotografie "Deutsch-Ostafrika" aus der Sammlung Bumiller Pressestelle Reiss-Engelhorn-Museenr8 Bild in Detailansicht öffnen
Stoßzahn aus der Sammlung Bumiller Pressestelle Reiss-Engelhorn-Museen Bild in Detailansicht öffnen
Helmmaske aus der Sammlung Thorbecke Pressestelle Thorbecke/Reiss-Engelhorn-Museenr8 Bild in Detailansicht öffnen

Der Fokus liegt auf den Sammlungen Bumiller und Thorbecke

In den nächsten zwei Jahren wird er Zeit haben, viele von ihnen genauer in Augenschein zu nehmen. Und für diese Aufgabe bringt er einige Erfahrungen und Kenntnisse mit.

Oussounou Abdel-Aziz Sandjas Fokus wird auf zwei umfangreichen Afrika-Sammlungen liegen, die von zwei kolonialbegeisterten Mannheimern Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragen wurden.

Auf der Sammlung Bumiller, die rund 460 Objekte umfasst, und auf der Sammlung Thorbecke mit mehr als 2.000 Objekten. Diese mit Bildern und den bereits vorhandenen Informationen in eine Datenbank einzupflegen, ist die Grundlage für jede weitere Auseinandersetzung, so Wilfried Rosendahl, der Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen.

Der Gemeinsame Blick auf die Sammlungen ist das Ziel

Er verspricht sich einiges davon, dass sein Haus die neue Stelle mit einem afrikanischen Wissenschaftler besetzen konnte: Seine Sichtweise auf die Objekte, der Diskurs mit ihm, die Gespräche über mögliche Ergebnisse, Dinge, die er entdeckt.

Dass der gemeinsame Blick auf die Sammlungen das große Ziel ist, findet auch die Afrikahistorikerin Stefanie Michels. Sie arbeitet seit Jahren mit Wissenschaftlern aus Kamerun zusammen und ihr ist es zu verdanken, dass die Stellenausschreibung der Reiss-Engelhorn-Museen international wahrgenommen wurde.

Frühere Förderanträge wurden abgelehnt

In Mannheim hat man schon einige Förderanträge zur Aufarbeitung der Sammlungsgeschichte gestellt, die wegen leerer Töpfe allerdings bisher abgelehnt wurden.

Aber immerhin, mit den nun bewilligten Geldern für die neue Stelle seitens des Landes Baden-Württemberg und der Stadt Mannheim ist ein Anfang gemacht. Der wissenschaftliche Volontär Oussounou Abdel-Aziz Sandja ist gespannt auf das, was vor ihm liegt – nicht nur persönlich.

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