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Ihr Name wird wohl nur wenigen was sagen. Zu Unrecht, denn Margarethe von Savoyen, Tochter des späteren Gegenpapstes Felix V., war eine der bemerkenswertesten und auch begehrtesten Frauen ihrer Zeit. Anlässlich ihres 600. Geburtstages widmet das Staatsarchiv Stuttgart dieser starken Frau des Mittelalters eine Sonderausstellung.

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Wer Papst ist, zeugt auch Kinder

Wer Papst ist, zeugt keine Kinder, denkt man zumindest. Dass das Zölibat im Mittelalter manchmal mehr Vorschlag als Dekret war, bezeugen eine ganze Reihe von Nachkommen aus der Blutlinie von Kirchenvätern.

Eine davon: Margarete von Savoyen, die als Tochter des späteren Gegenpapstes Felix V. 1420 in Morges am Genfer See zur Welt kommt. Die Ausstellung illustriert das bewegte Leben einer Frau, die im Laufe ihres Lebens mit den Oberhäuptern dreier verschiedener Herrscherfamilien verheiratet war.

Gebildet und belesen

Ungewöhnlich für eine Frau dieser Zeit ist vor allem, dass bis heute noch so vieles von Margarete von Savoyen bekannt ist. Das liege vor allem daran, dass sie als hochgebildete Frau ihren Lebensweg schriftlich festgehalten habe, sagt Peter Rückert, Kurator der Ausstellung. „In 150 Briefen im Hauptstaatsarchiv allein können wir uns ihr wirklich persönlich annähern.“

„Die Tochter des Papstes“ im Staatsarchiv Stuttgart (Foto: Staatsarchiv Stuttgart)
Das Stuttgarter Staatsarchiv stellt 150 Briefstücke und Zeitdokumente über Margarete von Savoyen aus. Sie zeigen die Reichweite ihrer Korrespondenz und ihre Bildung. Auf dem Bild: Pontus und Sidonia, eine Abbildung aus einem höfischen Roman des späten Mittelalters. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Das Missale, das Messbuch des Papstes Felix V., Margaretes Vater, eines der berühmtesten und kostbarsten Bücher dieser Zeit. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Ein Brief, mit dem Margarate von Savoyen an ihren zweiten Ehemann, Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz, Geschenke übereignet. Sie ist da gerade erst 19 Jahre alt. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Mit 33 Jahren sollte die nun zweifach verwitwete Margarethe ihren letzten Ehemann kennenlernen: Herzog Ulrich V. von Württemberg. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Die Wappenscheibe Graf Ulrichs V. von Württemberg und seiner drei Gemahlinnen, Straßburg, um 1480/90 im Schloss Altshausen. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Ein sogenannter Wärmeapfel von Margarethe, eine tragbare Hohlkugel mit einer Wärmequelle im Innern, die damals zum Anwärmen der Hände in kalten Räumen verwendet wurde. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Der Wärmeapfel, geschlossen. Staatsarchiv Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen

Viel zu erzählen hatte sie. Schon mit 11 Jahren wurde sie mit dem Titularkönig von Sizilien und Neapel verheiratet. Diesen sollte sie jedoch nie kennen lernen, da er bereits kurze Zeit später verstarb.

Eine begehrte Heiratspartie

1439 wurde ihr Vater auf dem Konzil von Basel zum Papst gewählt, was sie als Königswitwe mit nur 19 Jahren zu einem der begehrtesten Menschen des europäischen Heiratsmarktes machte. Das große Los zog Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz.

Diese Ehe war jedoch ebenfalls nur von kurzer Dauer. Mit 33 Jahren sollte die nun zweifach verwitwete Margarethe ihren letzten Ehemann kennen lernen: Herzog Ulrich V. von Württemberg. Für diesen zog sie dann auch an ihren finalen Wohnort: Stuttgart. Ein Leben verstreut durch halb Europa.

Das Leben einer Adeligen

Doch trotz der vielen unterschiedlichen Wohnorte und Sprachen wissen wir, das Margarethe ihren Interessen meist literarischer Natur stets treu blieb.

„Wir wissen, was sie am liebsten gelesen hat: Ritterromane, Abenteuerromane. Wir wissen, dass sie sehr fromm war, dass sie Pilgerreisen gemacht hat, bis nach Santiago de Compostela und dass sie gerne Badereisen gemacht hat, wo sie sich Literaten herbeirief, die ihr vorlesen sollten. Dadurch können wir wirklich Einblick nehmen in das herausragende adelige Leben dieser Zeit“, sagt Peter Rückert.

Kostbare Exponate

Die ausgestellten Schmuckstücke, Bücher und meterlangen Pergamentrollen erzählen nicht nur die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau, sondern platzieren sie auch im Kontext ihrer Zeit. Zeugnis davon gibt auch eines der wertvollsten Schriftstücke der Ausstellung: Das Missale, das Messbuch des Papstes Felix V., Margaretes Vater.

„Eines der berühmtesten und kostbarsten Bücher seiner Zeit in der Hand halten zu dürfen, ist etwas ganz besonderes“, sagt Peter Rückert. Man spüre die Aura von Margarethe selbst in diesem.

Das Buch ist eine Leihgabe aus Turin, andere Exponate stammen vom Genfersee. Die langjährige internationale Kooperation, ohne die die Ausstallung nicht möglich gewesen wäre, stand in den letzten Monaten im Zeichen der Corona-Pandemie.

Geplagt von der Pest in Europa

Darin findet sich aber auch eine Parallele zu Margarethe von Savoyen, die selbst während einer europaweiten Epidemie lebte. „Wir haben hier viele Pestzeugnisse, schon vor ihrer Geburt, wo die Stadt Morges abgeschlossen wird, um nicht ihre Mutter zu gefährden, die schwanger ist“, erläutert Rückert.

Margarete von Savoyen stirbt im Alter von 59 Jahren in Stuttgart. Begraben ist sie in der Stiftskirche. Die Ausstellung im Staatsarchiv erinnert an eine Frau, die zu Lebzeiten hoch begehrt und nach ihrem Tod zu Unrecht in Vergessenheit geriet.

Die Ausstellung „Die Tochter des Papstes. Margarethe von Savoyen“ läuft noch bis zum 15. Januar im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.

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