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Ausstellung der Lehrenden der Europäischen Kunstakademie in Trier Trierer Spiegel der internationalen Kunstszene

Von Thomas Rath

Die „Europäische Kunstakademie Trier“ begann 1977 als Garagenprojekt. Aus den Sommerkursen für Amateure ist mittlerweile ein professioneller Diplomstudiengang geworden. Heute lockt die Akademie Dozenten aus ganz Europa und darüber hinaus an. Ihre neue Werkschau zeigt spannende Positionen zum Thema „Menschen und Stadt“.

Highlight der Ausstellung: Zeichentrickfilm von Klaus Hoefs

Der Zeichner und Filmemacher Klaus Hoefs, der mit seinen Studenten in Trier spartenübergreifende Projekte realisiert, hat das Highlight der Ausstellung geschaffen: Einen zehnminütigen Film, mit Bleistift und gelegentlich etwas Farbe gezeichnet.

Menschen tauchen verwackelt auf und verschwinden. Das Ganze wirkt wie ein unfertiger Zeichentrickfilm. Klaus Hoefs aber hat ein bedrückendes Drama über die Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingselend geschaffen.

"Downtown" als Stadt der Geschwindigkeit und der Gefahren

Bodo Korsig geht anders vor: Er hat aus einem drei mal vier Meter großen schwarzen Gewebe so viel Fläche herausgeschnitten, dass fast nur Linien übrig bleiben. Sie wirken wie Nervenbahnen, bis zum Zerreißen gespannt.

Hier herrscht Geschwindigkeit, Wettbewerb und Gefahr. "Downtown" - die Spannweite dieses Begriffs war einer der Beweggründe, ihn in diesem Jahr zum Motto der Dozentenausstellung zu machen, erläutert Akademieleiterin Gabriele Lohberg: "Es gibt auch Uptown. Das ist die vornehme Stadt - und Downtown ist die nicht so vornehme Stadt."

Ausstellungsbild Europäische Akademie Trier. Schwarzes Gewebe von Bodo Korsig, Nervenbahnen nicht unähnlich. Im Bild außerdem Keramik von Jehan Abuaffar aus Jordanie und ein Bild von Heiko Jäckstein.

Schwarzes Gewebe von Bodo Korsig, Nervenbahnen nicht unähnlich. Im Bild außerdem Keramik von Jehan Abuaffar aus Jordanien und ein Bild von Heiko Jäckstein.


Stilistisch deckt die Ausstellung das ganze Spektrum dessen ab, was derzeit zur Bildenden Kunst gerechnet wird. Skulptur, Plastik, Objekt, Fotographie, Film, Zeichnung und natürlich: Malerei. Wild und eruptiv, graphisch intellektuell oder figürlich.

Wie Edith Oellers. Sie arbeitet im Stil der Leipziger Schule. Zwei Menschen im Gespräch. Farbig. Dahinter klassizistische Häuserfronten, sehr blass. Links ein gelbes Feld mit fliehenden Figuren. Drei Welten, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Dozenten der Europäischen Akademie kommen aus aller Welt

Unter den 31 Positionen fallen besonders jene auf, deren Schöpfer von weither kommen. Tatsächlich ist die Trierer Akademie ihrem Attribut "Europäisch" längst entwachsen. Kursteilnehmer, vor allem aber die Dozenten, kommen aus aller Welt.

Litographien der chinesischen Künstlerin Gu Ying in einer Ausstellung der Europäischen Akademie Trier.

Litographien der chinesischen Künstlerin Gu Ying in der Ausstellung der Europäischen Akademie Trier.

Das Europäische ins Internationale erweitert

"Ich habe Europa immer so verstanden, dass es sehr weltoffen ist", erläutert die Leiterin der Akademie, Gabriele Lohberg. "Von daher ist es nur folgerichtig, dass wir mittlerweile Dozenten aus Afrika, aus Japan, aus Korea, aus China haben und das Europäische sich ins Internationale erweitert hat."

Ein Beispiel. Ying Gu stammt aus China. In Trier lehrt sie Holzschnitt. Mit ihren Arbeiten in der Ausstellung definiert sie eine andere alte europäische Drucktechnik ganz neu, die Lithographie.

Visionär oder naturalistisch?

Zu sehen sind chinesische Trinkgefäße, auf große Blätter gedruckt. Altmeisterlich bemalt mit surrealen futuristischen Landschaften. Naturgetreue Abbildung oder visionärer Blick? Ein uraltes Thema - und ein schöner Beleg dafür, wie nah am Puls der Zeit in der Europäischen Akademie derzeit gedacht und gearbeitet wird.


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