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Das Deutsche Romantik Museum in Frankfurt wird erst 2021 öffnen, später als geplant. Doch hinter den Kulissen wird schon lange auf die Eröffnung hingearbeitet. Von besonderer Bedeutung ist das Patenschaftsprojekt: Seit 2014 können Romantikfans die prominentesten Objekte des Archivs adoptieren und so die Vermittlungsarbeit des Museums mitfinanzieren. Zehntausende Handschriften, historische Bücher, Grafiken, Gemälde und andere Objekte lagern hier.

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Freies Deutsches Hochstift  Frankfurter Goethe-Museum (Foto: Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum)
Bettine von Arnims Schreibnecessaire. Messingschale auf Marmorsockel; 18 x 28,5; undatiert Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Patenschaft für viele Romantik-Exponate

Am Frankfurter Hirschgraben, in der Nachbarschaft vom früheren Weinkeller der Familie Goethe, befinden sich auf zwei Geschossen die Tiefenmagazine des zukünftigen Romantik Museums. In dieser Schatzkammer brummen Klimageräte, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit für den wertvollen Inhalt in den tausend säurefreien Boxen stabil zu halten. Hier lagern zehntausende Handschriften, historische Bücher, Grafiken, Gemälde und andere Objekte, Ergebnisse einer 100-jährigen Sammlungsgeschichte.

Seit 2014 können die prominentesten Objekte des Archivs quasi adoptiert werden. Finanzkräftige Romantikliebhaber und -liebhaberinnen können sich dabei ein Exponat ihrer Wahl aussuchen. Eine vier- bis fünfstellige Summe müssen sie für diese exklusive Patenschaft aufwenden. 12 Highlights sind bereits vermittelt worden, doch etliche sind noch zu vergeben, darunter ein doppelseitiges Blatt, auf dem die Dichterfreunde Brentano und von Arnim sich zu Caspar David Friedrich spektakulärem Gemälde „Mönch am Meer“ äußern.

Freies Deutsches Hochstift  Frankfurter Goethe-Museum (Foto: Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum)
Clemens Brentano und Achim von Arnim: Verschiedene Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft, worauf der Kapuziner, auf der diesjährigen Kunstausstellung, S. 2 und 3 (1810) Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Wie Clemens Brentano die Loreley erfunden hat

Für Paten und Patinnen bieten Prof. Wolfgang Bunzel, Leiter der Brentano-Abteilung, und seine Kollegen auf Wunsch Namensmarkierungen in der Ausstellung an. Dazu kommen Einführungen und Sondersichtungen auch von fragilen Objekten, die Durchschnittsbesucher nur selten zu Gesicht bekommen, darunter das berühmte Gedicht, in dem die Loreley erstmals vorkommt.

Wolfgang Bunzel: „Das hat ursprünglich keinen Titel, sondern beginnt nur mit diesen schönen Zeilen ,Zu Bacharach am Rheine wohnt eine Zauberin‘. Das ist sozusagen der Ursprungsort der Loreley-Figur. Denn die Loreley ist keine Sagenfigur, sondern Clemens Brentano hat sie erfunden.“

Deutsches Romantikmuseum Frankfurt (Foto: Deutsches Romantikmuseum Frankfurt)
Gedicht von Clemens Brentano über die Loreley im Original: Zu Bacharach am Rheine. Zweite Fassung, nach Mai 1802. Deutsches Romantikmuseum Frankfurt

Bettine von Arnims Aufklapphandtasche: Laptop des 19. Jahrhunderts

Wer sich für die großen Frauen der Romantik interessiert, kann etwa bei einem Brief Karoline von Günderrode an ihren Liebhaber fündig werden oder auch bei einer maßgefertigten Handtasche Bettine von Arnims. Wolfgang Bunzel: „Das ist gewissermaßen eine Aufklapphandtasche, die man so nutzen kann, wie wir heute einen Laptop nutzen: auf den Schenkeln aufgeklappt. Man konnte dort Briefe schreiben oder zeichnen. Und man sieht, dass Bettine von Arnim schon damals, im frühen 19. Jahrhundert, eine vielbeschäftigte Frau gewesen ist.“

Freies Deutsches Hochstift  Frankfurter Goethe-Museum (Foto: Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum)
Bettine von Arnims Handtasche. Grünes, geprägtes Leder mit Holzboden und Messingschloss 26,9 x 30,5 x 9,8 cm; undatiert Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum

Die Patenschaftsidee: ein originelles Sponsorenprojekt mit Erfolgsbilanz. Allein 280.000 Euro sind dadurch bislang eingenommen worden. Gelder, die der medialen und pädagogischen Vermittlung zugute kommen – und somit allen Besuchern des zukünftigen Romantikmuseums.

Informationen zum zukünftigen Deutschen Romantik Museum in Frankfurt a.M.

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