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Der Fotograf der Fotografen: Hermann Landshoff in der Städtischen Galerie Karlsruhe

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Hermann Landshoff ist eine der großen Wiederentdeckungen in der jüngeren Geschichte der Fotografie. Berühmt wurde er vor allem durch seine Modefotos erst in Paris und dann in New York. Doch noch viel mehr als an der Modefotografie war Hermann Landshoff an Porträts interessiert. Eine Ausstellung in Karlsruhe zeigt nun über 200 seiner Aufnahmen, unter anderem von Albert Einstein, Lauren Bacall, Irving Penn und Max Ernst.

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Künstler und Autodidakt an der Kamera

Der gebürtige Münchner Hermann Landshoff sei ein Autodidakt an der Kamera gewesen, erklärt Ulrich Pohlmann, der die Sammlung Fotografie am Münchner Stadtmuseum leitet und den Nachlass von Hermann Landshoff aufgearbeitet hat. Nach dem Studium an der Kunstgewerbeschule München versuchte Landshoff sich zunächst als Karikaturist und Typograf — doch dann wurde die Fotografie seine große Leidenschaft.

Es war die Zeit der neuen Illustrierten, die gerne Fotostrecken abdruckten – Hermann Landshoff bewies dafür Talent. Aber dann kamen die Nationalsozialisten an die Macht und Hermann Landshoff musste als Jude um sein Leben fürchten. Er floh 1933 nach Paris – in die Stadt der Mode.

Hermann Landshoff: Abendkleider, Modelle Rone Compton und Lili Carlson, New York 1946 - Ausstellung Hermann Landshoff: Porträt, Mode, Architektur, Fotografien 1930–1970 in der Städtischen Galerie Karlsruhe (Foto: © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff)
Hermann Landshoff: Abendkleider, Modelle Rone Compton und Lili Carlson, New York 1946 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Mode in Bewegung, Modell Ruth Seller, 1960 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: The Sleepwalker, Modell Francis Boekler, Paris 1934-38 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Tennisbälle, Modelle Wanda Delafield und Peggy Lloyd, New York um 1946 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Auf der Dachterrasse von Saks Fifth Avenue, New York 1942-46 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Confetti, Modelle Beth Wilson, Rone Compton und Judith Underwood, Jones Beach, New York 1946 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Dorfkinder, Spanien 1957 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Max Ernst im Haus von Peggy Guggenheim, New York Herbst 1942 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Eva Hesse mit der Skulptur Untitled or Not Yet in ihrem Atelier, New York 1969 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Die Schauspielerin Lauren Bacall, New York 1945 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Albert Einstein, Princeton um 1945 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen
Hermann Landshoff: Selbstporträt, New York 1942 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff Bild in Detailansicht öffnen

Erste Erfolge als Modefotograf

Landshoff fotografiert unter anderem für die „Vogue“, macht eine Fotostrecke 1936 im Pariser Zoo. Das Model steht eher wie eine Nebenfigur am linken unteren Bildrand im blütenweißen Sommerkleid, während zwei Giraffen den Großteil des Bildes einnehmen und neugierig zu der Frau hinunterschauen. Auf einem anderen Foto ist ganz klar der Elefant der Star, der das Model in weitem Hosenanzug schier aus dem Bild zu schieben scheint.

Dann ist Hermann Landshoff auch in Frankreich nicht mehr vor den Nazis sicher und er muss erneut fliehen. Durch einen Umweg über die Fremdenlegion gelingt ihm 1941 die Ausreise nach New York. Wieder ist ein Neuanfang nötig.

Neuanfang mit US-amerikanischem Lebensgefühl

Doch Hermann Landshoff hat inzwischen schon einen Namen in der Modebranche und bekommt Aufträge von „Harper’s Bazaar“ und anderen avantgardistischen Zeitschriften. Voller Neugierde fängt er das so ganz andere amerikanische Lebensgefühl ein: Er fotografiert Models beim Fahrradfahren und Rollschuhlaufen – in Kleidung, die dafür zumindest einigermaßen geeignet ist.

Hermann Landshoff: Modell Beth Wilson an der Rip Van Winkle Ausstellung Hermann Landshoff: Porträt, Mode, Architektur, Fotografien 1930–1970 in der Städtischen Galerie Karlsruhe (Foto: © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff)
Hermann Landshoff: Modell Beth Wilson an der Rip Van Winkle Bridge am Hudson, New York 1946 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff

Großartiger Porträtfotograf

Noch viel mehr als an der Modefotografie war Hermann Landshoff an Portraits interessiert. Von 1942 an fotografiert er nicht die in New York gestrandeten Exilkünstler aus ganz Europa, ganz besonders die Surrealisten von Max Ernst bis Marcel Duchamp, aber auch solche, die in Vergessenheit geraten sind. Und dann gibt es da noch eine ganz besondere Portraitserie zu entdecken: Hermann Landshoff fotografierte seine Kolleginnen und Kollegen, allesamt berühmte Fotografen.

Hermann Landshoff: Irving Penn, New York 1948 Ausstellung Hermann Landshoff: Porträt, Mode, Architektur, Fotografien 1930–1970 in der Städtischen Galerie Karlsruhe (Foto: © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff)
Hermann Landshoff: Irving Penn, New York 1948 © Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie, Archiv Landshoff

Als Hermann Landshoff 1986 in New York starb, wurde sein Nachlass auf verschiedene Orte verteilt. Erst 2012 kamen 3.600 Originalabzüge zur wissenschaftlichen Erschließung ans Stadtmuseum München – aus der sich diese Ausstellung speist.

Die Ausstellung „Hermann Landshoff. Porträt, Mode, Architektur. Fotografien 1930–1970“ in der Städtischen Galerie Karlsruhe läuft noch bis 30. Januar 2022.

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