Ausstellung

Der Bär auf dem Sofa – Fotos von Walter Schels im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

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AUTOR/IN
Ludger Fittkau

Angela Merkel, Leonard Bernstein oder der Dalai Lama: Die Liste der Prominenten, die Walter Schels in mehr als 50 Jahren Porträtfotografie vor der Kamera hatte, ist lang. Doch er porträtierte auch Tiere und sogar Pflanzen und nahm sie dabei genau so ernst wie seine menschlichen Motive. Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt nun in einer großen Ausstellung Werke von Walter Schels, die nicht nur Fotofans faszinieren werden.

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Respekt vor allen Tieren

Bei der Eröffnung der Ausstellung mit seinen Fotos im Darmstädter Landesmuseum erzählt der 86 Jahre alte Fotograf Walter Schels, wie er in seinem Atelier einen Bären auf einem Sofa fotografierte und das Sofa unter dem Gewicht des Tieres zusammenbrach. Er habe große Angst gehabt, dass der Braunbär sich erschreckt und ihn anfällt, erinnert sich Schels. Als er einmal einen Panda-Bär fotografierte, hatte dieser ihm einen Finger abgebissen und dazu Arme und Beine zerbissen. Vor allen Tieren hat Schels seither Respekt.

Mit diesem Respekt sind Walter Schels beeindruckende Tierporträts gelungen, die großformatig den Einstieg in die umfangreiche Ausstellung in Darmstadt bieten.

 Porträtserien zu Andy Warhol und Joseph Beuys

Es folgen Porträtserien zu Joseph Beuys und Andy Warhol. Von beiden Künstlern gibt es Werke oder persönliche Verbindungen zum Museum, deshalb gab es diese Bildauswahl aus dem umfangreichen Werk von Walter Schels und der Verzicht auf andere berühmte Bildserien des Fotografen.

In einem weiteren Raum werden Werke gezeigt, in denen Walter Schels vertrocknete Tulpen zum Tanzen bringt und mittels altem Fotopapier oder antiquiertem Filmmaterial die Arbeiten auch farblich so verfremdet, dass sie eher wie Gemälde wirken.

Walter Schels reizt gerade bei diesen Arbeiten das Zufallsprinzip, bei dem etwas passiert, was nicht kontrollierbar sei: „Ich nehme alles willkommen an, wie es kommt. Und das ist selten normal. Es entstehen dann solche Dinge - entweder weil der Film zu alt ist oder weil der Film zu warm entwickelt wurde.“

„Trans“ - Langzeitserie mit Jugendlichen, die ihr Geschlecht wechseln 

Ganz andere Geschichten erzählt Walter Schels im letzten Ausstellungsraum, der mit „Trans“ überschrieben ist. Es geht tatsächlich um eine Langzeitbeobachtung von Jugendlichen, die mittels Hormongaben und Brustamputationen ihr Geschlecht wechseln. Mit diesen Arbeiten hat Schels bereits seit mehr als einem Jahrzehnt begonnen, als Geschlechtsumwandlung noch kein allzu großes Thema war. Im Gegenteil, so Schels: „Ein absolutes Tabuthema.“ Den persönlichen Wandel der Jugendlichen zeigt Schels mit perfekten Schwarz-Weiß-Nahaufnahmen.

Walter Schels - Fotografien (Foto: Walter Schels, Hessisches Landesmuseum Darmstadt)
Walter Schels: Fynn, 2014 Walter Schels, Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Die Darmstädter Ausstellung ist die bisher größte nach der in den Hamburger Deichtorhallen 2019. Fotobegeisterte sollten sich die Menschenportraits, Pflanzen und Tierbilder von Walter Schels nicht entgehen lassen.

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Ludger Fittkau