Leben

„Demokratie ist kein Naturzustand“ – Rosgartenmuseum Konstanz zeigt neue Dauerausstellung zum Nationalsozialismus

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AUTOR/IN
Barbara Paul

Vor knapp einem Jahr wandte sich das Konstanzer Museum an die Bürgerinnen und Bürger der Stadt mit dem Aufruf, man suche Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus. So fanden nun viele Alltagsgegenstände aus dieser Zeit von Konstanzer Dachböden und Kellern den Weg ins Museum.

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Oft haben sich dabei die Enkel der längst verstorbenen Großeltern erstmals die Frage gestellt: welche Rolle spielte unsere Familie in der NS-Zeit? Tobias Engelsing, Direktor der städtischen Museen Konstanz, will mit der Ausstellung genau diese Auseinandersetzung anregen und zeigen, wie schnell aus einer Demokratie eine Diktatur werden kann.

Konstanz im Nationalsozialismus (Foto: Pressestelle, Privatbesitz)
Rekrutenvereidigung des Infanterieregiments im Herbst 1938 auf dem Stephansplatz Pressestelle Privatbesitz Bild in Detailansicht öffnen
Gewaltsamer Abtransport der jüdischen Bevölkerung von Gailingen zur Deportation, Oktober 1940. Die Nachbarn sehen zu. Pressestelle © Jüdisches Museum Gailingen Bild in Detailansicht öffnen
Panzersperren gegen die Deutschen: Die Schweizer Grenzsicherung am Emmishofer Zoll, aufgenommen im Frühjahr 1945. Pressestelle © Rosgartenmuseum Konstanz Bild in Detailansicht öffnen
Erinnerungsfoto am Konstanzer Hafen - Trachtenmädchen mit SA-Männern im Konstanzer Hafen, um 1935. Pressestelle © Rosgartenmuseum Konstanz Bild in Detailansicht öffnen
Blick in die neue Dauerausstellung „Konstanz im Nationalsozialismus. 1933 bis 1945“ Pressestelle © Rosgartenmuseum Konstanz Bild in Detailansicht öffnen

Gespräch #LastSeen: Suche nach privaten Bildern von NS-Deportationen

Viele Bilder von NS-Deportationen seien aus der Täterperspektive geschossen worden: Von Polizisten und Gestapo-Fotografen. Ein „Leistungsnachweis“ seien diese Bilder gewesen, sagt Dr. Alina Bothe, Leiterin der Initiative #LastSeen. Dieses Projekt der Arolsen Archives sucht bundesweit nach privaten Foto- und Filmaufnahmen von NS-Deportationen, um den Menschen vor und hinter der Kamera näherzukommen. Viele Bilder aus dieser Zeit haben bisher unbemerkte Protagonisten: Passanten oder Kinder am Straßenrand. „Sie sind für uns auch von großem Interesse“, sagt Bothe, denn „sie könnten noch am Leben sein“ und diese Frage beantworten: „Wie erinnern sie sich heute an die Deportationen?“. Das Forschungsprojekt tourt in einem historischen Lastwagen durch Deutschland. Von 13.06 bis 24.06 machen sie Halt im Innenhof des Stadtarchivs Stuttgart.  mehr...

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Gesellschaft Zum Holocaustgedenktag: Forschungsarchiv sammelt Biografien verfolgter Fußballspieler

In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten hat sich im deutschen Profifußball ein Netzwerk der Erinnerungsarbeit etabliert. Fangruppen besuchen Gedenkstätten, verlegen Stolpersteine oder erinnern in Stadion-Choreografien an jüdische Mitglieder. Dabei können sie künftig auf eine Broschüre der Arolsen-Archive zurückgreifen. Darin porträtieren Forscher zwölf Fußballer, die in ihren Nationalteams zu den Besten zählten – und die dann von den Nazis verfolgt und ermordet wurden.  mehr...

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