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DDR-Nostalgie vom Kapitalismus gerettet: Das Minsk Kunsthaus in Potsdam öffnet

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AUTOR/IN
Simone Reber

Das Minsk ist ein Ort voller Widersprüche. Jetzt hat der westliche Kapitalismus, der einst dafür bekannt war, im Osten die Abrissbirne zu schwingen, das ehemalige Terrassencafé in Potsdam wieder hergestellt. Dahinter steht SAP-Gründer Hasso Plattner mit seiner Stiftung Hasso Plattner Foundation.

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Aus Kult-Café wird Kunstmuseum

„Ich fand die Architektur hervorragend, das Pendant ist dazu im Westen der Egon Eiermann“, sagt Plattner bei SWR2 zu seiner Motivation, das Gebäude zu sanieren und als Ausstellungsort für seine Sammlung mit DDR-Kunst der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

„Es ist für mich immer unbegreiflich gewesen, wenn vor 30 Jahren die Wessis kamen und alles nieder geredet haben. Also ich fand das ständige Niederreißen, obwohl ich kein DDRler bin, nicht gut. Und nachdem ich mich informiert hatte über das Minsk, fand ich, das ist ein erhaltenswürdiges Gebäude.“

2019 hatte Plattner das Gebäude gekauft und sanieren lassen. In der DDR war das Minsk legendär – ein Ort für Hochzeiten und Jugendweihen. Das neue Minsk ist nun ein Ort, an dem verschiedene Zeiten parallel bestehen.

Das ehemalige Café Minsk in Potsdam, das nun ein Kunstmuseum wurde (Foto: IMAGO, IMAGO / Martin Müller)
Früher wurden hier Jugendweihen und Hochzeiten gefeiert, heute zollt das Minsk der Ostmoderne Respekt. IMAGO / Martin Müller

Werke der Ostmoderne zu sehen

Von der ursprünglichen Bausubstanz konnten nur zwei Säulen und das Dach gerettet werden. An der Außentreppe wurde ein Wandbild von Ruth Wolf-Rehfeld realisiert, das ursprünglich für einen Kindergarten geplant war und den Titel „Käfigwesen“ trägt. Die braunschwarze Fliesenwand in der Eingangshalle stammt von den Hedwig Bollhagen Werkstätten.

Für die aktuelle Ausstellung hat Gründungsdirektorin Paola Malavassi das Motiv der politischen Landschaft gewählt: Da wandelt bei Wolfgang Mattheuer ein winziger Mensch durch aufgebaggerte Hügel unter einem Himmel von Caspar David Friedrich. Die Klage: „Oh Caspar David“ stammt aus dem Jahr 1975.

Übermacht des westlichen Kapitalismus

Im Obergeschoss hängen Fotos des kanadischen Künstlers Stan Douglas, der in den 1990er Jahren Potsdamer Schrebergärten besuchte.

Wenn er heute auf die Bilder schaut, fühlt er sich in seiner Analyse bestätigt: „Im Grunde habe ich die Begehrlichkeiten des westlichen Kapitalismus gesehen, der versucht, die Spuren von Ost-Deutschland auszulöschen. Es geht um Unterdrückung, es geht um zwei Zeiten, die im gleichen Raum stattfinden und darum, wie man Geschichte versteht oder ausradiert“, erklärt Douglas.   

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