Kunst

Der polarisierende Künstler Gottfried Helnwein im Porträt: Das Wichtigste für mich ist Freiheit

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Meister des Schreckens

Mit knapp über 70 Jahren sieht Gottfried Helnwein aus, wie eh und je. Ein Stirnband mit Camouflage-Muster weit ins Gesicht gezogen, darunter eine getönte Sonnenbrille, Totenkopfringe an den Fingern und schwarze Kleidung.

Dem Meister des Schreckens - wie er gerne genannt wird - in die Augen zu schauen, ist schwierig. Schon als Kind setzte er sich mit Gruselphantasien auseinander.

Ein Künstler, geprägt von der Nachkriegszeit

An seine frühe Kindheit habe er schreckliche Erinnerungen, sagt Gottfried Helnwein: „Alles war dunkel und depressiv. Da ich nicht wusste, dass meine Elterngeneration gerade den größten Genozid verursacht hatte, war es für mich unverständlich, warum alles so dunkel und depressiv war.“

Bilder aus der Helnwein-Ausstellung „Schlaf der Vernunft“ in Koblenz

Gottfried Helnwein (Foto: SWR, Natali Kurth)
Ein fast elfenhaft, unschuldig wirkendes Mädchen inszeniert Gottfried Helnwein mit Augenbinde und weißem Kleid. Der Künstler klagt mit seiner Ästhetik Gewalt an Kindern an. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Der Künstler Gottfried Helnwein im Selbstporträt Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Selbstpoträts von Gottfried Helnwein neben seinem „Eismeer" - das Werk zitiert den romantischen Maler Caspar David Friedrich. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
The Disasters of War 75, 2020 Natali Kurth, Gottfried Helnwein Bild in Detailansicht öffnen
The Disasters of War 3, 2020 Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Gewalt an Kindern ist Helnweins Lebensthema. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen
Gottfried Helnwein arbeitet mit medialen Motiven, zeigt Zerstörung und Verwüstung. Hier steht im Mittelpunkt eine japanische Manga-Figur. Natali Kurth Bild in Detailansicht öffnen

Tiefe Faszination für Donald Duck, Mickey Mouse und Co.

Aufgewachsen im Wien der Nachkriegszeit war Gottfried Helnwein einer der ersten, der in den Genuss eines Donald Duck Heftchens kam. Die Amerikaner wollten ein wenig Kultur in die Hauptstadt Österreichs bringen.

Und auch heute noch ist Donald sein Held. Und Retter, wenn man ihn auf seine Verbindungen zu Scientology anspricht. Ein Vorwurf, gegen den Helnwein gerichtlich geklagt und gewonnen hat: „Ich bin ein tiefgläubiger Donaldist. Donald ist mein Herr und Erlöser und sonst glaube ich an nichts.“

Verletzte Kinder stehen im Fokus von Helnweins Kunst

Die Schule hat Gottfried Helnwein gehasst und auch von der Akademie der Bildenden Künste in Wien ist er geflogen. Ausgiebige Recherchen zum Holocaust und zum Nationalsozialismus führten ihn zu seinem Lebensthema: Er malt seit Jahrzehnten bandagierte, verletzte und misshandelte Kinder.

Seine Modelle hätten sich freiwillig zur Verfügung gestellt, betont er. Eigentlich male er sein Leben lang nur zwei Mädchen, auf deren einst ungewöhnliche elfenartige Aura er immer wieder zurückgreift.

Was ich nicht verstanden habe, warum Menschen Gewalt gegen Kinder ausüben. Das wollte ich begreifen, das sind Abgründe, die schwer auszuhalten sind.

Gottfried Helnwein (Foto: SWR, Natali Kurth, Gottfried Helnwein)
The Disasters of War 75, 2020 Natali Kurth, Gottfried Helnwein

Die Geschmäcker streiten sich

Im Grunde sei er Romantiker, sagt Gottfried Helnwein. Francisco de Goya und Caspar David Friedrich sind seine Vorbilder. Gottfried Helnweins Bilder polarisieren. Die einen können sie nur schwer aushalten, auf die anderen wirken sie ästhetisch reizvoll.

Als Künstler und Mensch zählt für den Künstler aber nur eines: „Das Wichtigste im Leben ist Freiheit. Freiheit kann man nur leben und erleben.“

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