Universal Museum of Art Kunst für alle - im Online-Museum

Von Kathrin Hondl

Es ist ein Museum der Zukunft. Man braucht nicht mehr hinzugehen, denn die Kunstschätze stehen alle online zur Verfügung. Man kann sie sich anschauen am Computer, mit dem Smartphone oder einer Virtual-Reality-Brille. Seit ziemlich genau einem Jahr ist in Paris das virtuelle „Universal Museum of Art“ (UMA) online – mit ambitionierten Ausstellungen und dem idealistischen Credo „Kunst für alle“.

Am Computer sitzen und das Museum besuchen

100.000 Besucherinnen und Besucher haben im vergangenen Jahr das Universal Museum of Art im Netz besucht, so Museumschef Jean Vergès. Via Smartphone, Computer oder mit Virtual Reality-Brille.

Die ursprüngliche Idee hatte der französische Schriftsteller und spätere Kulturminister André Malraux: ein „imaginäres Museum“ mit Fotografien und Reproduktionen aller denkbaren Kulturen und Epochen. Ein Pariser Start-up-Unternehmen hat diesen Traum in die Tat umgesetzt.

xxxVirtuelle Räume, von Street Art bis zur Renaissance

Es geht in aufwändig inszenierte Ausstellungen, zum Beispiel über die Gründungsmythen der Menschheit oder Street Art in aller Welt, über Katzen in der Kunstgeschichte oder die italienische Renaissance.

Das Museumsprogramm erarbeitet Jean Vergès zusammen mit einem Team von Kunst- und Computernerds. Alle sind um die 30. In einem Altbau im 11. Arrondissement von Paris teilt sich das Start up-Unternehmen die Büroräume mit einer Kunstgalerie und anderen jungen Kreativen.

Online-Paläste für verschiedene Kunstepochen

Für die Street Art-Schau schufen die Webdesigner eine Welt, die an das New York der 80er Jahre erinnert. Für die Renaissance-Ausstellung rekonstruierten sie italienische Kirchen und Paläste.

Anderswo als im Netz wären solche Ausstellungen natürlich nicht zu realisieren. Nur hier ist es möglich, eine von Banksy gestaltete palästinensische Mauer und ein Obama-Graffiti in Washington im selben Raum zu erleben.

Universal Museum of Art (UMA) (Foto: Pressestelle, Universal Museum of Art (UMA) - Ernest Pignon)
Die virtuelle Welt der Street-Art: Dafür schufen die Webdesigner einen Ausstellungsraum, der an das New York der 80er Jahre erinnert. Pressestelle Universal Museum of Art (UMA) - Ernest Pignon

Dem „art project“ von Google Konkurrenz machen

Finanziert wird das UMA unter anderem durch Crowdfunding oder Partnerschaften mit Museen wie dem Pariser Grand Palais. So trotzt das virtuelle Museum mit viel Idealismus der Konkurrenz im Netz. Allen voran dem Internetriesen google mit seinem „art project“.

„Wir spüren die Konkurrenz und positionieren uns anders“, sagt Jean Vergès. „Das google art project ist sehr schön. Viele Museen machen mit. So entstand eine der größten verfügbaren Bilddatenbanken.“

Keine Bilderflut, sondern durchdachte Online-Ausstellungen

Bei google jedoch gehe es vor allem um Quantität, so der Museumsleiter. Sein Haus dagegen schaffe eigene Virtual-Reality-Räume. „Wir beauftragen Kuratoren, die anerkannte Experten sind, Texte schreiben und Kunstwerke auswählen. So entstehen wirklich museale Ausstellungen.“

Ein Besuch in diesem Online-Museum erinnert ein bisschen an das Computerspiel Minecraft. Die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher durchstreifen virtuelle Räume, in denen die Kunst effektvoll präsentiert wird.

Universal Museum of Art (UMA) (Foto: Pressestelle, Universal Museum of Art (UMA) -)
Der neue „Salle des martyrs“ für die Raubkunst integriert sogar die Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals. Pressestelle Universal Museum of Art (UMA) -

Neuer Ausstellungsraum über NS-Raubkunst

Das jüngste Projekt, eine Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Holocaust Art Restitution Project, beschäftigt sich mit NS-Raubkunst.

„Wir zeigen eine Auswahl von 80 Meisterwerken, die von den Nazis während des Zweiten Weltkriegs gestohlen wurden“, erläutert Vergès. „Viele dieser Werke sind verschwunden. Es gibt nur Schwarzweiss-Fotografien. Einige konnten wir kolorieren und ausstellen.“

Am beeindruckendsten: die 3D-Rekonstruktion der sogenannten „Salle des martyrs“. Ein Raum im Pariser Jeu de Paume-Museum, in dem die Nazis von 1940 bis 45 sogenannte „entartete Kunst“ lagerten. Auch heute sind noch längst nicht alle Bilder der „salle des martyrs“ identifiziert geschweige denn restitutiert.

Kunst spielerisch und seriös näher bringen

Vielleicht haben die Pariser Nerds tatsächlich eine Art ideales Museum geschaffen. Eines, das auch Leuten, die weit weg von den Museen der Städte leben, Kunst näher bringt. Spielerisch und seriös.

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