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Antisemitismus dokumentieren: Das Deutsche Historische Museum erwirbt die Sammlung Wolfgang Haney

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„Auch der Blick auf Gegenstände des Alltags hat Haney als Sammler ausgezeichnet“, erklärt Fritz Backhaus, Sammlungsleiter des Deutschen Historischen Museums. Das Museum hat nun die Sammlung des Holocaust-Zeitzeugen Wolfgang Haney erworben. Sie umfasst 15.000 Objekte, die Haney in 30 Jahren bis zu seinem Tod 2017 gesammelt hat und die die Geschichte des Antisemitismus und der Judenverfolgung bezeugen.

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Schoa ist Teil der Familiengeschichte

Postkarten, Plakate, Fotografien, Filme, Reste von Thora-Rollen oder auch eine Auswahl an verschiedenen Formen des „Judensterns“, den Jüdinnen und Juden in mehreren europäischen Ländern während der Nazi-Herrschaft tragen mussten — all das umfasst Haneys Sammlung. Er selbst wuchs als Sohn einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters im Dritten Reich auf. Seine Mutter überlebte den Holocaust im Versteck.

Als passionierter Münzsammler sei Haney, so Fritz Backhaus bei Verkäufen und Händlern immer wieder auf Postkarten und Münzen mit antisemitischem Inhalt gestoßen und habe es sich von da an zu Aufgabe gemacht, diese zu sammeln und Museen zur Aufklärung zur Verfügung zu stellen.

„Alltäglichen“ Judenhass sichtbar machen

Neben den Alltagsgegenständen, die einen sehr wichtigen Teil der Sammlung ausmachen, erklärt Backhaus, seien auch offizielle Dokumente der Verfolgung darin enthalten, sowie ein Teil der ausschließlich aus Zeugnissen des Antisemitismus und Rechtsradikalismus nach 1945 bestehe.

„Diese Blick auf Gegenstände des Alltags ist etwas, das Haney ausgezeichnet hat und auf das früher Museen nicht unbedingt geachtet haben“, sagt Backhaus, deswegen seien sie sehr dankbar, nun auf die Sammlung zurückgreifen zu können.

Berliner Spottmedaille mit Satiremotiv zum zeitgenössischen Antisemitismus (Vorderseite)1881 © Deutsches Historisches Museum (Foto: Pressestelle, © Deutsches Historisches Museum)
Berliner Spottmedaille mit Satiremotiv zum zeitgenössischen Antisemitismus, Berlin 1881 Pressestelle © Deutsches Historisches Museum

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