Kunst

Carrie Mae Weems mit „The Evidence of things not seen“ im württembergischen Kunstverein Stuttgart - Rasse, Fragen, Kämpfe, Kunst

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AUTOR/IN
Andreas Langen

Der württembergische Kunstverein in Stuttgart zeigt das brandaktuelle Lebenswerk der großartigen Afro-Amerikanischen Künstlerin Carrie Mae Weems. Es geht um Rassismus, den sie in Form von Fotografie, Video und Rauminstallation untersucht. Trotz des harten Themas sind Weems Werke ästhetische Erlebnisse von großem Reiz. „Ich tue alles Erdenkliche, um Schönheit zu schaffen“, sagt die Künstlerin, „denn der Schönheit folgt man – um dann zu erkennen, das dahinter noch mehr ist.“

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Was bedeutet es, schwarz zu sein?

Die weite Halle des Württembergischen Kunstvereins ist der perfekte White Cube. Was schwarz zu sein bedeutet, das fragt hier die US-amerikanische Konzept-Künstlerin und Fotografin Carrie Mae Weems.

Im Zentrum ihrer Ausstellung führen symmetrische Stellwände auf eine monumentale, dunkelrote Glasfläche zu. Fast feierlich mutet es an, diesen Weg zu gehen, hinter der roten Scheibe öffnet sich ein nachtschwarzer Theaterraum.

Der ewige Blues, der Sound der Versklavten und Unterdrückten, begleitet ein magisches Varieté. Tänzer, Clowns und andere Figuren, allesamt dunkelhäutig, performen als halb transparente Geister vor einem knallroten Theatervorhang. Die Projektionstechnik und das Erscheinungsbild stammen aus den Freakshows der vorletzten Jahrhundertwende.

Weems arbeitet beeindruckend vielfältig

Schon immer wurde dort auch vorgeführt, wer Außenseiter ist und wer Leitkultur-Inhaber, wer über wen herrscht und mit welchen Mitteln. Das sind universelle Fragen, sagt Carrie Mae Weems: „Das geht über Nationen hinaus. Wir müssen uns alle fragen, wie wir mit universellen Fragen des Menschseins umgehen.“

Weems' Arbeiten sind in beeindruckend vielfältiger Weise. Carie Mae Weems reproduziert und verfremdet historische Fotos, zeigt Still-Leben von Objekten, die man braucht, um Revolutionen anzuzetteln; untersucht afrikanische Lehmarchitektur, feiert die Schönheit kreolischer Kultur; lässt Stoffdrucke im Raum schweben, und immer wieder ist sie selbst in ihren Inszenierungen zu sehen, jedoch nicht als Selbstporträt.

Im hintersten Winkel der Ausstellung laufen Videos über die Black-Lives-Matter-Bewegung. Erst sind das Aufnahmen trauernder Demonstranten, doch dann blendet Weems Sequenzen ein, die nackte Gewalt dokumentieren. Eine Frau sitzt unter Schock in einem Auto, umringt von Polizisten, die gerade den Mann auf dem Beifahrersitz neben ihr erschossen haben.

Die Bilder strahlen Anziehungskraft aus

Nach diesem Realitätsschock fällt es verdammt schwer, zurückzufinden in die Gefilde der schönen Künste. Aber es gelingt in dieser Ausstellung dann doch, und zwar genau wegen der Schönheit und der Anziehungskraft sorgfältig hergestellter Bilder.

„Ich gebe mir jede erdenkliche Mühe, um Schönes zu erschaffen. Denn Schönheit ist der Schlüssel. Du folgst ihr, und dann erkennst du, dass dahinter noch mehr ist.“

Besonders die deutsche Kultur hat es Carrie Mae Weems angetan. Sie schwärmt, dass Richard Wagners Werk in zeitloser Weise die Welt erschließe. Also, come on, ihr Deutschen, sagt die große amerikanische Künstlerin, ihr müsstet doch als Erste verstehen, was Kunst ist.

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