Pfalzgalerie Kaiserslautern

Briefe eines Malers – Wie sich Hans Purrmann nach 1945 für die Pfälzer Kunstszene engagierte

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AUTOR/IN
Maja Hattesen

Die Wiederbelebung der Pfälzer Kunstszene nach dem Zweiten Weltkrieg war dem Maler Hans Purrmann auch im Exil ein großes Anliegen. Das zeigen seine Briefe, die nun mit einigen Bildern im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern in der Ausstellung „Hans Purrmann – Mit der Pfalz verbunden“ zu sehen sind. Sein Briefpartner und Förderer war der fast vergessene Widerstandskämpfer Willibald Gänger.

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Ein Neuanfang ist nötig

Es sind flüchtig hingeworfene, wie unter Stress und Zeitnot geschriebene Briefe – die Korrespondenz zwischen dem in den fünfziger Jahren im Exil in der Schweiz lebenden Maler Hans Purrmann und dem SPD-Abgeordneten und Kunstförderer Willibald Gänger.

Der Speyrer Hans Purrmann war hin- und hergerissen: Er war als von den Nationalsozialisten verfemter Künstler einerseits entschlossen, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Andererseits, und das wird aus dem Briefwechsel ersichtlich, engagierte er sich sehr für ein Wiederaufblühen der Kunstlandschaft in der Pfalz – die ja in den Jahren 1933-45 gänzlich von den aktuellen und internationalen Strömungen der Welt abgeschnitten worden war.

Genauso wie Willibald Gänger, der in vielen Briefen den damals international geschätzten Maler mit sanftem Druck zur Teilnahme an Ausstellungen in der Pfalz drängte. Sören Fischer hat die Briefe gefunden und nun in einem gedruckten Band kommentiert herausgegeben.

„Was wir hier an den Briefen sehen, ist, dass man sich bewusst war, dass man einen Neuanfang braucht, und dass man die Pfalz wieder an die Moderne anbinden muss.“

 Kulturarbeit durch Briefwechsel

Kurz und prägnant führten die beiden über zehn Jahre lang eine kollegiale Freundschaft. Persönliche Enttäuschungen, Verletzungen, die das Exil oder die Verfolgung mit sich brachte, blendeten sie dabei aus. Willibald Gänger war selbst unter den Nationalsozialisten engagierter Widerstandskämpfer gewesen, kämpfte an der Ostfront und geriet in Gefangenschaft. 

Aber beide arbeiteten in den Briefen vehement daran, auf dem vertrockneten Acker der pfälzischen Kunstwelt wieder zarte Pflänzchen anzusiedeln. Hans Purrmann war nicht mehr der Jüngste – und Gänger nicht nur Politiker, sondern seit 1951 Geschäftsführer der Pfälzischen Sezession, dem ersten deutschen Künstlerverein nach 1945. In dieser Rolle setzte er sich dafür ein, dass Hans Purrmann immer wieder auch aus dem Exil als Vorbild für andere pfälzische Künstler wirken solle.

„Was man an den Briefen schön sieht, ist, dass sich Willibald Gänger als Geschäftsführer der Pfälzischen Sezession sehr um Purrmann bemüht hat, ihn versucht hat, ihn für die Kunst und die Kultur der Pfalz zu begeistern hat damals über die Distanz, das Medium des Briefes, sehr engagiert für die Pfalz, nach dem zweiten Weltkrieg und nach den Verheerungen hier“, sagt Sören Fischer.

Hans Purrmann (Foto: Pressestelle, VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Erbengemeinschaft nach Dr. Robert Purrmann)
Ein Brief von Hans Purrmann an Willibald Gänger vom 19. Dezember 1953. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Erbengemeinschaft nach Dr. Robert Purrmann

Neue Facetten von Hans Purrmann und eine Wiederentdeckung von Willibald Gänger

Die Ausstellung zeigt neben den Briefen auch einige wenige Bilder anderer pfälzischer Künstler – wie Rolf Müller-Landau oder Emy Roeder, die eine Bronzebüste von Hans Purrmann im Exil angefertigt hatte. Zwar zeigen die Briefe neue Facetten von Hans Purrmann, aber ebenso spannend ist für Sören Fischer die Wiederentdeckung von Willibald Gänger.

Auf einem Gruppenfoto sitzt er bescheiden neben dem großen Maler Purrmann wie ein kleiner Schuljunge und lächelt freundlich in die Kamera.

„Wenn es jetzt mit der Briefedition gelingt, ihn ins Bewusstsein zu rücken, dann ist schon viel getan. Es sind nicht immer nur die berühmten Personen, die Großes geleistet haben, Wir zeigen, dass es oft die Menschen in der zweiten Reihe sind, in den kleineren Städten.“

Hans Purrmann (Foto: Pressestelle, Pfalzgalerie Kaiserslautern, Hans Purrmann)
Hans Purrmann: Bodenseelandschaft mit badenden Jungen. Pressestelle Pfalzgalerie Kaiserslautern, Hans Purrmann

Zeitwort 9.5.1938: Hans Purrmann wird in Schutzhaft genommen

Hans Purrmann zählte schon in jungen Jahren zu den wichtigsten deutschen Malern, die Nazis bezeichneten ihn als „entartet“. 1938 wurde er in Florenz in Schutzhaft genommen.

SWR2 Zeitwort SWR2

Zeitwort 15.7.1955: Lehmbrucks Skulptur "Die Kniende" wird gefeiert

Für die Nazis war die berühmte Frauen-Figur von 1911 „entartet“. Aber auf der documenta 1 in Kassel wurde das Werk Wilhelm Lehmbrucks rehabilitiert.

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Widerstand Zivilcourage im Nationalsozialismus

Sophie und Hans Scholl – diese Namen kennt jeder. Doch 75 Jahre später beginnen Historiker sich auch mit kleineren Formen des Widerstands im Nationalsozialismus zu beschäftigen: Ein verweigerter Hitler-Gruß, ein übermaltes Propaganda-Plakat - Was zeichnet den Widerstand aus und wie groß war er? Von Birgit Bernard und Michael Kuhlmann. (SWR 2021) | Ihr wollt SWR2 Wissen live erleben? Kommt zum SWR Podcast-Festival vom 12. bis 14. Januar 2023 in Mannheim. Mehr Infos, Line-Up und Tickets gibt es hier: http://swr.li/swr-podcastfestival | Manuskript und mehr zur Sendung: http://swr.li/zivilcourage-nationalsozialismus | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen |

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