Biennale für aktuelle Fotografie 2022

„Bodies in (e)Motion“ — Ambitionierte Fotoausstellung im Kunstverein Ludwigshafen zeigt Körper, Krisen, Kunst

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Der menschliche Körper als Medium politischer Konflikten ist das Thema der Fotoausstellung „Bodies in (e)motion“ im Kunstverein Ludwigshafen. Die Präsentation internationaler Beiträge arbeitet sich an hochkomplexen Themen ab, teilweise auf Kosten der Verständlichkeit. Vielschichtigkeit ist aber auch ein Gewinn, meint die Kuratorin Iris Sikking: „Wir zeigen schockierende Fotos kolonialer Ausbeutung, aber im Zusammenhang mit anderen Bildern kann man sie neu lesen.“

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Schockierendes trifft auf Street-Style

Die Mode-, Straßen- und Still-Life-Aufnahmen der spanischen Fotografin Gloria Oyarzabal sind Teil der Ausstellung: Den Titel ihrer Serie hat sie einem Songtext des nigerianischen Megastars Fela Kuti entnommen, übersetzt bedeutet er: „Frauen müssen nicht zustimmen“.

Bodies in (e)Motion (Foto: Pressestelle, Felipe Romero Beltrán)
Felipe Romero Beltrán, aus der Serie Dialect, 2020–fortlaufend Pressestelle Felipe Romero Beltrán Bild in Detailansicht öffnen
Mashid Mohadjerin, 1934, aus der Serie Freedom is Not Free, 2021 | Courtesy FOMU Antwerp Pressestelle Mashid Mohadjerin Bild in Detailansicht öffnen
Mashid Mohadjerin, 2019, aus der Serie Freedom is Not Free, 2021 | Courtesy FOMU Antwerp Pressestelle Mashid Mohadjerin Bild in Detailansicht öffnen
Rafał Milach, Archive of Public Protests Pressestelle Rafał Milach Bild in Detailansicht öffnen
Rafał Milach, Archive of Public Protests Pressestelle Rafał Milach Bild in Detailansicht öffnen
Michał Iwanowski: aus der Serie Go Home Polish, 2018 Pressestelle Michał Iwanowski Bild in Detailansicht öffnen
Michał Iwanowski, aus der Serie Go Home Polish, 2018 Pressestelle Michał Iwanowski Bild in Detailansicht öffnen

Leider fehlt Kontext für die Betrachter*innen

Gloria Oyarzabal kombiniert ihre aktuellen Afrika-Ansichten mit historischem Fotomaterial, um über Geschlechterrollen in Afrika seit und nach der Kolonisierung nachzudenken. Dieses immense Themenfeld ist zwar reichhaltig bebildert, aber kein einziges Exponat wird in der Ausstellung oder im Katalog näher erklärt.

Ähnlich verhält es sich bei der benachbarten Serie der britisch-südafrikanischen Fotografin Giya Makondo-Wills. Ihr geht es um die Beziehung traditioneller und christlicher Religion im Süden Afrikas; ein höchst komplexes Thema – und wieder fehlt fast jede Erklärung, was die einzelnen Fotografien zeigen.

Einfühlsames Porträt der Lage von Asylsuchenden in Spanien

Andere Ausstellungsbeiträge suchen ihr Heil nicht in uferloser Vielschichtigkeit, sondern überzeugen durch einen klaren Fokus: „Dialect“ von Felipe Romero Beltrán, der sich ein Jahr lang mit einer kleinen Gruppe nordafrikanischer Flüchtlinge zusammengetan, die in Spanien auf den Ausgang ihrer Asylverfahren warten.

Bodies in (e)Motion (Foto: Pressestelle, Felipe Romero Beltrán)
Felipe Romero Beltrán, aus der Serie Dialect, 2020–fortlaufend Pressestelle Felipe Romero Beltrán

Beltrán näherte sich den Flüchtlingen behutsam, teilte ihren Alltag, ihre Hoffnungen, ihr bescheidenes Quartier. Den Zustand endlosen Wartens hat der Künstler zu einem Video verarbeitet, in dem drei der jungen Nordafrikaner in gebrochenem Spanisch die Einwanderungsgesetzte ihres Zufluchtslandes vorlesen.

Abbilder als Therapie und Erinnerung

Neben der juristischen Sprachverwirrung hat der Fotograf mit seinen Protagonisten auch eine Art therapeutisches Theater inszeniert. Er bat sie, Momente und Erlebnisse der Flucht nachzustellen, und fotografierte diese Konstellationen.

So lehren uns die halbnackten, verletzlichen Körper derjenigen, die ihre Haut zu Markte tragen müssen, eine simple Wahrheit: Wir, die Kunsthallenbesucher und Betrachter solcher Bilder, leben allen Schwierigkeiten zum Trotz immer noch in der Komfortzone dieser Welt.

Mannheim / Ludwigshafen

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