Kunst

Blut, Krieg, Heimat: Monumentale Ausstellung von Anselm Kiefer im Grand Palais in Paris

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Am 16. Dezember ist im Grand Palais in Paris eine große Ausstellung des Künstlers Anselm Kiefer eröffnet worden, gewidmet ist sie dem Dichter Paul Celan. In seinen monumentalen Werken beschäftigt sich Kiefer tiefgründig mit dem Erbe Europas, den Schrecken der Nationalsozialisten. Kiefers Ausstellung steht auch im Zeichen von Frankreichs EU-Ratspräsidentschaft ab Januar, denn die Franzosen verehren den in Donaueschingen geborenen deutschen Künstler, der Frankreich zu seiner Wahlheimat erklärt hat.

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Anselm Kiefers Werke - Leinwände so hoch wie Einfamilienhäuser

Der 76-jährige Künstler Anselm Kiefer denkt und malt – groß. In der riesigen schwarzblauen Halle des Übergangs-Grand-Palais – das eigentliche Museum wird derzeit renoviert - stehen Leinwände so hoch wie Einfamilienhäuser und sogar ein mit Blei überzogenes Flugzeug. Es herrscht Dunkelheit, nur die 23 Kunstwerke leuchten. Der Anblick verschlägt einem fast die Sprache.

„Stille vorher ist immer gut. Das ist sogar die Voraussetzung“, sagt Anselm Kiefer. Beim Hören oder Lesen eines Gedichts könne man auch nicht gleich anfangen „zu plappern“: „Da muss erstmal eine Stille sein, dass das hinunterreicht, hinuntersickert.“

Paul Celan - unendliche Quelle der Inspiration

So wie bei den bildgewaltigen Wortneuschöpfungen des deutschsprachigen jüdischen Dichters und Holocaust-Überlebenden Paul Celan. Seit Anselm Kiefer Paul Celans „Todesfuge“ in der Schule gelesen hat, lässt ihn der Dichter nicht mehr los. Ab 1981 versieht er seine Kunstwerke, in denen er sich oft mit der deutschen Nachkriegsidentität auseinandersetzt, mit Gedicht-Zitaten. Celan als unendliche Quelle der Inspiration.

Anselm Kiefer ist der erste bildende Künstler, der das über 10.000 Quadratmeter große Übergangs-Grand-Palais am Marsfeld zwischen Eiffelturm und Militär-Schule bespielen darf. Es sei keine Museumssituation, erklärt der Künstler, der Zuschauer könne zwischen den Bildern herumgehen: „Es gibt keinen vorgeschriebenen Rundgang“.

In dem Hangar stehen die Gemälde also auf Rollen – und im hinteren Bereich, vor der Fensterfront mit Blick auf den Eiffelturm – sind tatsächlich riesige Regale aufgestellt, in denen gesammelte Objekte für Kiefers Kunst lagern – getrocknete oder galvanisierte Farne, Strohhalme und Mohnblumen, Glasscherben, Asche oder andere Fundstücke.

Eindrücke der Anselm-Kiefer-Ausstellung in Paris im Youtube-Video:

Passende Ausstellung für die französische EU-Ratspräsidentschaft ab Januar

Auf Kiefers monumentalen Gemälden fügen sie sich dann in ein Ganzes zusammen. In der Ausstellung setzt Anselm Kiefer seine Arbeit über das kollektive Gedächtnis Europas fort, in dem Deutschland und Frankreich Hauptakteure sind. Passend also für den kulturellen Auftakt von Frankreichs EU-Ratspräsidentschaft ab 1. Januar.

Mit Blick auf die jüngsten, teils geschichtsverklärenden Aussagen über den zweiten Weltkrieg in beiden Ländern sei das Thema auch aktueller denn je, sagt der Belgier und Kurator Chris Dercon. Er beobachte eine Art von  Historikerstreik, von Revisionismus im politischen Sinne, erklärt Dercon. „Und deswegen dachten wir, es ist jetzt wichtig, dass wir mit Kiefer eine Ausstellung machen – für Paul Celan. Für mich ist Kiefer ein Zeuge, der für den Zeugen spricht.“

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Mit dieser monumentalen  Ausstellung endet eine Reihe von herausragenden deutschen Kunstschaffenden in Paris – erst übertraf Anne Imhof ab September alle Erwartungen im Palais de Tokyo, dann trumpfte das Centre Pompidou mit einer großen Baselitz-Retrospektive auf und nun Anselm Kiefer.

Die Ausstellung „Pour Paul Celan“ von Anselm Kiefer ist noch bis zum 11. Januar 2022 in Paris zu sehen.

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