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Ausstellung „Ändert es, aber hört auf zu reden“: „Super!“ in der Kunsthalle Darmstadt

Ausstellung „Super!“ in der Kunsthalle Darmstadt (Foto: Kunsthalle Darmstadt / Ivana de Vivanco)
Fünf junge Malerinnen wollen in dieser Ausstellung dem Trend zur Erzeugung künstlicher, digitaler Wirklichkeiten bewusst eine physisch-sinnliche Präsenz der Malerei entgegensetzen. - Auf dem Bild: Ivana de Vivanco, The Real Long Necked Virgin, an Ancient Story in Three Acts, Öl auf Leinwand, 430 x 250 cm. Kunsthalle Darmstadt / Ivana de Vivanco
Fünf junge Malerinnen wollen in dieser Ausstellung dem Trend zur Erzeugung künstlicher, digitaler Wirklichkeiten bewusst eine physisch-sinnliche Präsenz der Malerei entgegensetzen. - Auf dem Bild: Franca Franz, Elternhaus, 2015, Öl auf Leinwand, 60 x 60 cm. Kunsthalle Darmstadt / Franca Franz
Zugleich jedoch wirken die Bilder groß, bunt und fröhlich. Das positive Grundgefühl der 90er: „alles super“. Zumindest auf den ersten Blick. - Auf dem Bild: Ivana de Vivanco, Venus and Adonis, 2017, Öl auf Leinwand, 260 x 240 cm. Kunsthalle Darmstadt / Ivana de Vivanco
Auch wenn die Dinge bunt oder leicht wirkt, so die Künstlerin Ellen Akimoto, gebe es da etwas Verstecktes – oder aber nicht Verstecktes. Ein ironischer Unterton, der bei allen Arbeiten mitschwingt. - Auf dem Bild: Franca Franz, Old dog, 2019, Öl auf Leinwand, 55 x 55 cm. Kunsthalle Darmstadt / Franca Franz
Mona Broschár arbeitet ihr merkwürdig anziehendes Motiv mit Farbe wie eine Skulptur aus der Leinwand heraus. Ein sehr plastisches, wulstartiges Gebilde, das an Leber- und Blutwürste, Softeis oder einen Blinddarm kurz vorm Zerplatzen erinnert. - Auf dem Bild: Mona Broschár, The Starter, 2019, Öl auf Leinwand, 20 x 24 cm. Kunsthalle Darmstadt / Mona Broschár
„Quality-Time“ heißt ein Bild, in dem die Masse sich wie Sahne auf zwei Porzellantassen stapelt. Mona Broschár: „Ich halte so einen Moment fest, der sehr statisch wirkt, aber jeden Moment kippen kann. Es ist also alles andere als eine Zeit für Qualität.“ - Hier auf dem Bild: Mona Broschár, Solanum 2019, Acryl und Öl auf Leinwand, 170 x 150 cm. Kunsthalle Darmstadt / Mona Broschár
Ohnehin sei der Begriff „Qualität“ überladen. Das Wort „Quality-Time“ könne sie nicht mehr hören, so Künstlerin, ähnlich wie „Achtsamkeit“: „Ändert was an eurem Leben, aber hört auf, darüber zu reden.“ - Auf dem Bild: Mona Broschár, Beauty, 2019, Acryl und Öl auf Leinwand, 70 x 90 cm. Kunsthalle Darmstadt / Mona Broschár
Doppeldeutig ist auch ein Bild von Franca Franz: Eine Figur, die sich in viele Figuren auflöst. Ein Mann im Anzug, wild gestikulierend. Er scheint eine Rede zu halten. Auf einer Eisscholle, ohne Zuhörer. - Auf dem Bild: Franca Franz, Speechies 2019, Öl auf Leinwand, 200 x 180 cm. Kunsthalle Darmstadt / Franca Franz
Diese „neue Malerei“ funktioniert durch ihre physische Kraft. Und ist damit ein Gegenentwurf zur Flüchtigkeit der digitalen Welt. Léon Krempel, der Direktor der Kunsthalle: „Man muss in diese Ausstellung kommen. Das sind Dinge, die sich nicht übersetzen lassen auf Computerbildschirmen.“ - Auf dem Bild: Ellen Akimoto, Bathtime, 2015, Öl auf Leinwand, 150 × 200 cm. Kunsthalle Darmstadt / Ellen Akimoto
Letztlich sei diese Malerei extrem verbindlich, Mona Broschár: „Weil sie den Moment transportiert. Man kann nichts mehr rückgängig machen, wenn man es einmal vollendet hat.“ - Auf dem Bild: Ellen Akimoto, 2016 into 2017, 2017, Öl und Collage auf Leinwand, 180 × 150 cm. Kunsthalle Darmstadt / Ellen Akimoto
Natürlich, so die Künstlerin, könne man ein Bild zerstören, wegstellen, nicht zeigen. Sobald man sich jedoch dafür entschieden habe, so Mona Broschár, sei man auch „darauf angewiesen, die Dinge loszulassen und zu sagen: Hier, das ist es jetzt!“ - Auf dem Bild: Ellen Akimoto, Nighttime, 2019, Acryl und Öl auf Leinwand, 220 × 180 cm. Kunsthalle Darmstadt / Ellen Akimoto
Insgesamt zeigt die Darmstädter Ausstellung rund 40 Werke auf Leinwand und Papier, darunter mehrteilige Serien und auch einige Skulpturen. - Auf dem Bild: Ivana de Vivanco, Triple Drama, aus der Serie „Instable Columns“, 2020, Stahl, Gips, Gießharz, Pigmente, 50 x 65 x 134 cm. Ivana de Vivanco, Kunsthalle Darmstadt, Dominik Schmitt
Die Darmstädter Schau ist v.a. ein Plädoyer für die Malerei. Die Bandbreite der Ausstellung ist groß, stilistisch ähneln sich die fünf Künstlerinnen nicht. - Auf dem Bild: Stefanie Pojar, 29. Januar 2019, Acryl und Buntstift auf Papier, 78 x 102 cm. Kunsthalle Darmstadt / Stefanie Pojar
Das gemeinsame Motto „Super!“ schimmert als Haltung zwar durch, muss aber erst entdeckt werden. - Auf dem Bild: Stefanie Pojar, Fragment #98, aus der Serie „Fragmente“, 2018, 100 Zeichnungen, Bleistift auf Papier, je 29,7 × 21 cm. Kunsthalle Darmstadt / Stefanie Pojar
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