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Die Kunsthalle Basel zeigt die ironische Annäherung des 35-jährige Bildhauer Camille Blatrix aus Paris an die Ikonen der kapitalistischen Massenkultur.

Ausstellung Grumpy Cat und der Kapitalismus: Camille Blatrix in der Kunsthalle Basel

Camille Blatrix in der Kunsthalle Basel (Foto: Philipp Hänger / Kunsthalle Basel)
Ein riesiger Raum, in der Mitte steht ein kleiner Tisch mit Kinderspielzeug. Ein Readymade, der Künstler hat dieses Objekt nicht selbst geschaffen, er hat es zum Kunstwerk erklärt. Fast genauso niedrig, auf Kinderaugenhöhe, finden sich die anderen wenigen Exponate an den Wänden oder auf dem Boden. Kein Zufall, die Ideen zur Basler Ausstellung entstanden im Kinderzimmer der Familie Blatrix. Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Claudio Vogt von der Kunsthalle Basel: „Er ist ziemlich jung Vater geworden. Das Kind ist jetzt ein Jahr alt. Er hat uns erzählt: Als er im Sommer mit dem Kind alleine zuhause war, hat er angefangen, sich mit der Ausstellung zu beschäftigen.“ Mit dem Blick eines Kindes sollte man auch die Ausstellung besuchen, neugierig die Objekte betrachten und rätseln, wozu sie gut sind. Die Fantasie spielen lassen. - Auf dem Bild: Blick auf „Weather Stork Point”, 2020 (Detail). Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Dafür ist Camille Blatrix bekannt: seine Faszination für moderne Technologien. Er findet das alles offenbar schön: die Ladestation aus Edelstahl und Holz, ein langes Brett, das von der Wand in den Raum ragt, mit eigenartigen Anschlüssen. Es wirkt elegant. - Auf dem Bild: Blick auf Standby Mice Station (Winter), 2020 (vorne) und Mouse, 2020 (hinten). Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Oder die große Scheibe am Boden, weiß, mit Leuchtdioden, die wie Sterne funkeln, ästhetisch anziehend und total rätselhaft: „Weather stork point“ heißt diese Mischung aus einem zu groß geratenen Staubsaugerroboter und einem Salontisch. Woher der seltsame Titel? „Weil es Federn vom Storch gibt, als wäre ein Storch dagewesen, der davon geflogen ist. Und weil da Wetter steht. Man kann sich vorstellen, dass sich das Objekt nach den Himmelsrichtungen ausrichtet, es könnte eine Wetterstation sein.“ Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Das Kind in mir kommt an seine Grenzen. Immerhin: intensive Recherche vor dem Ausstellungsbesuch ergaben: Camille Blatrix beschäftigt der Klimawandel. Wetter wie früher, Frühling, Sommer, Herbst und Winter wird es in der Zukunft nicht mehr geben. Davon ist der Künstler überzeugt. Passend dazu, als eine Art Abgesang: die vier Jahreszeiten als Holzintarsienarbeiten an den Wänden. - Auf dem Bild: Blick auf Standby Mice Station (Autumn Box), 2020 (Detail). Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Grumpy cat, die mürrische Katze aus dem Internet, ist der Sommer. Warum? Sie ist letzten Sommer gestorben. Aha..! Philipp Hänger/Kunsthalle Basel
Diese Ambivalenz, die Hassliebe zu den kapitalistischen Symbolen unserer modernen Welt schimmert auch durch beim sogenannten „Selbstbild“ des Künstlers: Eine Schürze von Starbucks, Inbegriff einer globalisierten Kaffeeunkultur, liegt zerknautscht auf dem Boden, darauf ein Tennisball mit traurigem Gesicht. Camille Blatrix, der französische Bildhauer als Kleiderhaufen in der Ecke? Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
Man denkt sofort an Beuys Fettecke von 1986. Die hatte der Hausmeister entsorgt. Könnte sich in Basel dieser Kunstfrevel wiederholen? Auf keinen Fall, meint Claudio Vogt und lacht: „Unsere Putzfrau, die ehrliche Maria, arbeitet schon so lange hier, dass sie sehr gut geschult ist, die Kunst als Kunst erkennt und nie etwas wegräumen würde, wovon sie nicht weiß, was es ist!“ - Auf dem Bild: Blick auf Standby Mice Station (Winter), 2020 (Detail). Philipp Hänger / Kunsthalle Basel
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