Kunsthalle Baden-Baden Bilder zu "Psyche als Schauplatz des Politischen"

Kunsthalle Baden-Baden Bilder zu "Psyche als Schauplatz des Politischen"

Psyche in der Kunsthalle Baden-Baden (Foto: SWR, SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel)
Was ist das denn? Mitten im Ausstellungsraum liegt auf einem weißen Kissen ein Fleischberg - aus Kunststoff. Obenauf gibt es eine Vertiefung, die aussieht wie ein Bauchnabel und an der Seite Faltungen, die an Mund und Zunge erinnern. Dan Finsel hat mit dieser Arbeit die Beziehung zu seinem Therapeuten verarbeitet. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
Der Künstler lebt in Los Angeles, wo es zum guten Ton gehört, lebenslang einen Therapeuten zu haben, erklärt der Direktor der Kunsthalle Baden-Baden, Johan Holten: „Dan Finsel macht eine Arbeit, bei der es gar nicht klar ist, ob erst die Therapie mit seinem Therapeuten da war – oder seine Kunst.“ SWR - Marie-Dominique Wetzel
Von einer ganz anderen Dringlichkeit sind die Werke der chinesischen Künstlerin Chen Zhe. Ihre Fotoserien zeigen Teile ihres eigenen Körpers: abrasierte Haare oder auch einen von tiefen Schnittspuren gezeichneten Unterarm. Fotos, die sie eigentlich nie veröffentlichen wollte. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
Während ihres Kunststudiums in Los Angeles grub die Künstlerin sie aus und ihr Dozent bestärkte sie darin, das Thema „Autoaggression“ offensiv anzugehen. Chen Zhe: „Es ist natürlich immer eine Gratwanderung und ein Risiko, wenn man eigene, starke Gefühle versucht in Bilder zu fassen. Einerseits wollte ich ja den Schmerz auf eine Art sichtbar machen, andererseits nicht ästhetisieren oder ausstellen.“ Auf dem Bild: Chen Zhe, The Bearable: Body/Wound #104, 2008. Ink-Jetdruck, 29 x 43 cm. Courtesy: die Künstlerin. Pressestelle Staatliche Kunsthalle Baden-Baden - Foto: Chen Zhe
Auf der gegenüberliegenden Wand ist eine weitere Foto-Serie von Chen Zhe zu sehen, die andere Menschen zeigt, die ihre Körper selbst verletzen. In China darf sie solche Bilder nicht zeigen, sagt die Künstlerin. Dort sei das Verständnis von Körper und von psychischen Erkrankungen ein völlig anderes. Doch was ist krank? Und was macht uns krank? SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
Die Kunsthalle Baden-Baden zeigt in der aktuellen Ausstellung auch große Installationen von Samara Golden sowie eine Videoarbeit der US-amerikanischen Künstlerin Liz Magic Laser. Fünf Menschen werden von einer Therapeutin aufgefordert, ihre Gefühle zum Beispiel gegenüber Donald Trump oder dem Brexit zu äußern. Aus sachlich vorgetragenen Argumenten werden bald wütende und verzweifelte Gefühlsausbrüche.Auf dem Bild: Installation von Samara Golden. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
Die täglichen Nachrichten und Bilderfluten überfordern uns oft, meint Kunsthallendirektor Johan Holten. Sie bedrängen uns körperlich und unser Empfinden für Privates und Öffentliches verändert sich. Deswegen hat er der Ausstellung den Titel „Psyche aus Schauplatz des Politischen“ gegeben. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
Anstatt nur über die zunehmend komplexer werdende Welt und die Bilderflut zu jammern, sollten wir gemeinsam über die neuen Herausforderungen sprechen, meint Johan Holten: „So erhält Kunst eine wichtige Rolle – nicht als Wahrheitsfinder, aber als ein Modul für Gespräche über ein Thema, das sich auf andere Weise nicht ausdrücken lässt.“Auf dem Bild: Samara Golden, The Meat Grinder's Iron Clothes, 2017. 4 x 10 m, Installationsansicht Whitney Museum of American Art, New York, 2017. Pressestelle Staatliche Kunsthalle Baden-Baden - Foto: Samara Golden
Doch wie über etwas sprechen, womit jeder anders umgeht? Was verstehen wir überhaupt unter Psyche oder Seele? Ab wann glauben wir, dass sie verletzt oder gar krank ist? Und wie können wir sie wieder heilen?Auf dem Bild: Heidi Bucher, Fliegender Hautraum (das Audienzzimmer des Doktor Binswanger, Bellevue Kreuzlingen) 1988. Installationsansicht im Studio Heidi Bucher, Schleife Winterthur, ca. 1988. Courtesy: Lehmann Maupin, New York. Pressestelle Staatliche Kunsthalle Baden-Baden - Foto: Estate Heidi Bucher
Der französisch-algerische Künstler Kadir Attia hat Experten aus verschiedenen Kulturen interviewt: Heiler, Schamanen, Psychologen und Ethnologen. Und sie entlarven unsere euro-zentrierte Sichtweise als eine sehr eingeschränkt und einseitig.Auf dem Bild: Kader Attia, Reason's Oxymorons, 2015. 18 Filme auf 18 Monitoren, Videostill. The Hood Museum of Art, Dartmouth College. Courtesy der Künstler, Lehann Maupin und Galerie Nagel Draxler. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2019 -
Die Ausstellung zeigt auf verstörende, stellenweise auch humorvolle Weise, dass viele Künstler in der ganzen Welt ein feines Gespür dafür haben, was die neuen gesellschaftspolitischen Herausforderungen für uns als Menschen bedeuten und wie wichtig es ist, darauf zu achten, was sie mit uns machen.Auf dem Bild: Jorinde Voigt, Synchronicity III, 2015. Federn, Tusche, Ölkreide, Pastell, Bleistift auf Karton, 182,5 x 252 cm. Courtesy die Künstlerin und KÖNIG GALERIE, Berlin/ London. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2019 - Foto: Roman März
So sieht man nach dem Rundgang die von der Decke baumelnden „dream objects“ von Jim Shaw – alptraumhaft versehrte Körperteile – mit ganz anderen Augen. SWR - Foto: Marie-Dominique Wetzel
STAND