Kunsthalle Mannheim Bilder zur Ausstellung "Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter"

Kunsthalle Mannheim Bilder zur Ausstellung "Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter"

Beschlagnahmt! Rückkehr der Meisterblätter (Foto: Pressestelle, Albertina, Wien -)
Was für herrliche Blätter. Zeichnungen, Holzschnitte, Aquarelle und andere Arbeiten auf Papier, die einst der Sammlung des Hauses angehörten und nun lediglich als „Gäste“ für kurze Zeit in die Kunsthalle Mannheim zurückgekehrt sind.Auf dem Bild: Christian Rohlfs, Geöffneter Mohn, 1920 - Aquarell, 77,7 x 56,2 cm. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Pressestelle Albertina, Wien -
Ulrike Lorenz, Direktorin der Mannheimer Kunsthalle: „Neben Berlin und Breslau war unser Haus das am meisten unter den Nationalsozialisten geschädigte Museum, betroffen von diesen riesigen Enteignungswellen sogenannter „entarteter Kunst“. Paradoxerweise ist der Hintergrund, dass die beiden ersten, großartigen Direktoren des Hauses mit einem unglaublichen Blick für Qualität und Weitsicht für kunsthistorische Bedeutung in der Zukunft gesammelt haben, insbesondere graphische Arbeiten.“Auf dem Bild: Franz Marc, Ruhende Pferde, 1911 - 1912 Holzschnitt, 16,8 x 23 cm. Dauerleihgabe der Österreichischen Ludwig-Stiftung für Kunst und Wissenschaft. Pressestelle Albertina, Wien -
Große Namen sind darunter: die Expressionisten Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Franz Marc, Emil Nolde, Vertreter der Neuen Sachlichkeit wie Wilhelm Schnarrenberger und George Grosz, abstrakte Tendenzen, etwa von Alexej Jawlensky oder aus dem Umkreis des Bauhaus Oskar Schlemmer, Lyonel Feininger und Paul Klee.Auf dem Bild: Alexej von Jawlensky, Variation: Strenger Winter, 1916. Öl auf Karton, 36 x 27 cm. Pressestelle Kunstmuseum Basel - Foto: Martin P. Bühler
Sie alle galten den Nazis als „entartet“ und wurden aus der Kunsthalle konfisziert. Die Kunsthalle Mannheim, gegründet 1909, musste als junges Museum erst langsam eine eigene Sammlung aufbauen. Die ersten Direktoren Fritz Wichert und Gustav Friedrich Hartlaub setzten auf zeitgenössische Kunst. Die war meist erschwinglicher und durch die großen traditionsreichen Museen in der Umgebung wie Frankfurt und Karlsruhe noch nicht so abgedeckt.Auf dem Bild: Emil Nolde, Junges Paar, 1913. Farblithographie, 62 x 50,5 cm. Pressestelle Sprengel Museum Hannover - Foto: Nolde Stiftung Seebüll
Die Graphik hatte damals unter den Künstlern auch einen hohen Stellenwert, erklärt der heutige Leiter der Graphischen Sammlung, Thomas Köllhofer: „Gerade für die Expressionisten war die Druckgraphik eines der wichtigsten Ausdrucksmittel. Für die Kuratoren und Direktoren war es leichter, Graphik anzukaufen. Und es war ein Medium, mit dem man Künstler abdecken konnte, die sonst nicht in die Sammlung gekommen wären.“Auf dem Bild: Willi Baumeister, Figur und Kreissegment, 1925, Lithographie, 39,7 x 23,1 cm Pressestelle Kulturhistorisches Museum Rostock - Foto: Brigitte Reichel
In der Zeit entstanden viele Werkmappen. Auch die Kunsthalle kaufte solche Konvolute an, zum Beispiel von Schmidt-Rottluff. Auf wundersame Weise sind diese Mappen der Beschlagnahmung 1937 entgangen, obwohl sie auf den Listen standen.Auf dem Bild: Alexej von Jawlensky, Variation: Nacht, 1916. Aquarell auf Karton, 35,5 x 27 cm. Pressestelle Kunstmuseum Basel - Foto: Martin P. Bühler
471 graphische Blätter aus der Kunsthalle Mannheim wurden allerdings abtransportiert, erläutert der Provenienzforscher der Kunsthalle Mannheim, Mathias Listl: „Einige Werke sind 1939 zu einer Auktion nach Luzern gegangen. Die Nationalsozialisten wollten mit der „entarteten Kunst“ durchaus Devisen ins Land bekommen. 1940 haben dann einzelne Kunsthändler Zugriff auf diese Werke gehabt. Hier sind vor allem Gurlitt und Böhmer zu nennen. Sie haben einen großen Teil der Mannheimer Blätter abgegriffen.“Auf dem Bild: László Moholy-Nagy, Komposition, 1923. Farblithographie, 36,5 x 24 cm. Pressestelle Kulturhistorisches Museum Rostock - Foto: Brigitte Reichel
In der Privatwohnung von Cornelius Gurlitt, dem Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, fand man tatsächlich noch fünf Blätter aus dem ehemaligen Besitz der Kunsthalle Mannheim. Darunter der wunderschöne Farbholzschnitt „Frau in der Nacht“ von Kirchner, der nun vom neuen Besitzer, dem Kunstmuseum Bern, für die Ausstellung zurück nach Mannheim ausgeliehen wurde.Auf dem Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Frau in der Nacht, 1919. Farbholzschnitt, 58 x 34,4 cm. Legat Cornelius Gurlitt 2014 des Kunstmuseums Bern. Pressestelle Kunstmuseum Bern, Legat Cornelius Gurlitt 2014 - Foto: Kunstmuseum Bern
Der Provenienzforscher Mathias Listl hat sechs Jahre lang nach den verlorenen Kunstschätzen der Kunsthalle Mannheim geforscht. Beendet, sagt er, sei diese Arbeit noch lange nicht: „Es kann sich immer wieder was ergeben. Vielleicht lässt sich Stück für Stück in den nächsten Jahren noch mehr über die verlorene Mannheimer moderne Sammlung der Graphik erfahren.“Auf dem Bild: Carl Grossberg: Eckhaus, 1927 - Lithographie, 41 x 34 cm Pressestelle Kulturhistorisches Museum Rostock - Foto: Brigitte Reichel
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