Opelvillen Rüsselsheim Antanas Sutkus - ein Humanist der Fotografie

Von Sina Weinhold

Antanas Sutkus ist Litauens bekanntester Fotograf. Viele seiner Straßen- und Alltagsszenen aus der Zeit der sowjetischen Besatzung bis 1990 haben ikonische Bedeutung erlangt. Dass er außerhalb Litauens häufig noch als fotografische Neuentdeckung gilt, ist das Ergebnis der Zensur während der Sowjetzeit. Viele seiner Aufnahmen konnte der heute fast 80jährige erst nach der Wende veröffentlichen. Die Opelvillen Rüsselsheim zeigen jetzt diesen großen Humanisten der Fotokunst.

Opelvillen Rüsselsheim Von Sartre zu Lenin: Ikonische Fotos von Antanas Sutkus

Der Philosoph Jean-Paul Sartre an der Kurischen Nehrung 1965, Foto von Antanas Sutkus. (Foto: Pressestelle, Opelsvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus)
Jean-Paul Sartre, gegen den Wind gestemmt, in den Dünen der Kurischen Nehrung. Selbst die berühmte Sartre-Statue vor der Nationalbibliothek in Paris geht auf dieses Foto von Antanas Sutkus zurück, der den französischen Philosophen fünf Tage mit der Kamera begleitete, während seiner Litauenreise 1965.In der Rüsselsheimer Ausstellung erinnert sich der Fotograf an diese Begegnung. "Wir haben viel über Literatur geredet. Die Kurische Nehrung hat Sartre sehr gut gefallen. Er meinte es sei so unglaublich schön hier, das sei bestimmt nicht nur eine Schöpfung Gottes, sondern auch des Teufels." Pressestelle Opelsvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus Bild in Detailansicht öffnen
Mit solchen Bildern hat Antanas Sutkus Fotografiegeschichte geschrieben. Ein Zufall, denn eigentlich fotografierte er, was er kannte und was ihn prägte: Litauen und seine Leute. Wie zum Beispiel diesen Junge, der in die Kamera schaut, während er mit dem Fahrrad und seinen Freunden in Vilnius unterwegs ist.Village Street. With Father’s Bicycle. Dzukija, 1969. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Oder eine Frau, die mit geschlossenen Augen auf einer Parkbank sitzt, das Gesicht der Sonne entgegen. Oder ein kleines Mädchen in inniger Pose mit ihrem Hund, eine Frau, die weit vorgebeugt aus dem Fenster schaut. "Es ist nicht wichtig, wo man ist", sagt Antanas Sutkus über solche Bilder. "Man ist auf der Straße, findet einen guten Draht zu einem Menschen, dann zu einem zweiten und dritten. Man spaziert mit ihnen, unterhält sich - und dabei entstehen Fotos."Marathon on Universitetas Street. Vilnius, 1959. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst Bonn, 2019. Bild in Detailansicht öffnen
So beschreibt Antanas Sutkus den Kern seiner fotografischen Arbeit. Ein Augenblick in einer langen Geschichte. Momentaufnahmen in Schwarzweiß, die ein ganzes Leben erzählen. Etwa das der Arbeiter in einem Torfabbau-Kombinat, in dem auch seine Mutter tätig war. Gerade 20 Jahre alt war der Fotograf damals, als er beschloss, das harte, mühselige Leben seiner Landsleute zu thematisieren - in dem es natürlich auch fröhliche Szenen gab.First Bikers. Klaipeda, 1974. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Antanas Sutkus studierte Journalismus in Vilnius, entschloss sich ganz zur Fotografie und war einer der Gründer sowie langjähriger Leiter der Litauischen Photographischen Gesellschaft. „Pionier“ heißt die 1964 entstandene Aufnahme eines jungen Kommunisten, der auch ein KZ-Flüchtling sein könnte, ein zutiefst trauriges, erschöpftes Jungengesicht unter einem kahlrasierten Kopf. Fast wäre der Fotograf für dieses Bild angeklagt worden.Pioneer. Ignalina, 1964. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst Bonn, 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Stattdessen versteckte der Litauer regimekritische Bilder in seinem privaten Archiv. Bis heute ist es sein größter Schatz.Toys. Vilnius, 1964. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Dass Antanas Sutkus sie jetzt veröffentlicht, ist auch ein Dank an die Menschen, die ihm und seiner Kamera nie als Spitzel begegneten, sondern als mitfühlendem Freund.Village Street. Dzukija, 1969, Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Auch das Ende der sowjetischen Besatzung Litauens hat Sutkus dokumentiert – auch hier mit einem ikonischen Bild: ein demontiertes Lenin-Denkmal, das am Haken eines Krans in der Luft schwebt. „Auf Wiedersehen, Parteikameraden“, so der Titel dieses Fotos von 1991. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Die von Beate Kemfert und Norbert Bunge kuratierte Ausstellung ist konsequent schlicht gehalten: Weiße Wände und die einzeln oder in Serien schwarzgerahmten Fotografien. Mehr braucht es auch nicht. „Antanas Sutkus. Fotografien“, so heißt die Ausstellung. Der Titel passt.Matriculation at Vilnius University. Vilnius, 1973. Courtesy: Galerie argus fotokunst. Opelvillen Rüsselsheim - Foto: Antanas Sutkus / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
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