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Ausstellung "Bienenreich" | Jeanette Zippel in Heidenheim Im Kunstreich der Bienen

Am 10.7.2018 von Anita Schlesak

In Zeiten des Bienensterbens zeigt das Heidenheimer Kunstmuseum eine Ausstellung über Bienenkunst mit Gemälden, Wachsskulpturen und Installationen zum Klingen. So schafft die Künstlerin und Imkerin Jeanette Zippel ein "Bienenreich", das zu verstehen wichtiger scheint als je zuvor.

Überdimensionale Waben und singende Bienenkästen

Es duftet nach Bienenwachs. Jeanette Zippel schafft daraus Skulpturen in Serie, aus hängenden Wachsscheiben und überdimensionalen Waben. 2.444 in Wachs getauchte Honiggläser, aufgestellt in Reih und Glied, bedecken den Boden.

Bienen können quaken

Aus dem Obergeschoss des Kunstmuseums dringen überraschende Klänge. Drei verwitterte Bienenkästen dienen der imkernden Künstlerin als akustische Objekte. Dafür hat Jeanette Zippel im Tonstudio ihre ausgebildete Gesangsstimme eingesetzt.

So ergänzt sie die königlichen Gesängen der Bienen, die die Künstlerin auch erklärt: "Zum Beispiel das sogenannte Quaken aus den Zellen: Da sucht die frisch geschlüpfte Königin die anderen Königinnen in den Zellen, denn das sind ja ihre Konkurrentinnen. Wenn sie noch in den Zellen sitzen, kann sie sie dort abstechen."

Schwänzeltanz in Tusche und Acryl

In diesem "Bienenreich", so der Titel der Retrospektive, kennt sich die Heidenheimer Künstlerin bestens aus. Immerhin war sie zwanzig Jahre lang parallel auch Imkerin. Praktische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse inspirieren ihre Bienenkunst. Sie malt den Schwänzeltanz in Tusche und Acryl, bildet Bienenpflanzen in 390 Papierröhren ab und ahmt die Bienenoptik nach.

Bienen-Optik, gedruckt mit Kartoffelstempeln

Von Hand druckt sie wochenlang mit winzigen Kartoffelstempeln. Am Ende wirkt das monumentale Bild der Apfelblüte wie ein verpixeltes Makrofoto, ähnlich wie es Bienen womöglich mit ihren Facettenaugen wahrnehmen. "Es entsteht eine ganz eigene Lebendigkeit durch dieses Drucken. Ich habe es auch schon mit Computer und Ausdrucken probiert, aber man hängt es auf, und nach fünf Minuten ist es stocklangweilig."

Jeanette Zippel: Flockenblume Bienoptik

Jeanette Zippel: Flockenblume Bienoptik

Vor 30 Jahren "in den Honigtopf gefallen"

Bei Jeanette Zippel ist von Langeweile keine Spur. Das Thema scheint seit 30 Jahren unerschöpflich, denn die Künstlerin entwickelt immer wieder neue Motive und Techniken. Angefangen bei der ersten zufälligen Bienenzeichnung 1988, als sie von den Insekten noch nicht viel wusste: "Ich bin höchstens mal in eine hineingetreten. Und dann bin ich in die Bücherei gegangen und habe angefangen zu recherchieren. Da bin ich eigentlich in den Honigtopf hineingefallen. Denn es war so spannend."

Insektensterben gefährdet Landwirtschaft

Damit war Jeanette Zippel ihrer Zeit weit voraus, denn das Interesse an Bienen ist mit ihrer Bedrohung inzwischen deutlich gewachsen, so Museumsleiter René Hirner: "Wir sind an einem Punkt, wo mit dem Insektensterben die natürlichen Grundlagen auch der Landwirtschaft gefährdet sind. Ich glaube, das ist die richtige Ausstellung zur richtigen Zeit.

Jeanette Zippel: fliegen 13

Jeanette Zippel: fliegen 13

Hinterleib der Biene wie ein weiblicher Körper

Freilich denkt Jeanette Zippel nicht erst seit dem Bienensterben an die befruchtenden Insekten. Schon 1993 hat sie ihre ersten Bienengärten konzipiert, etwa in Stuttgart, Freiburg oder im Heidenheimer Brenzpark.

Mit ihren im wörtlichen Sinne "belebten Skulpturen", die von einer antiken Darstellung der Fruchtbarkeitsgöttin Artemis inspiriert sind. "Das war eine ganz harmonische Mensch-Tier-Gestalt. Der Hinterleib der Biene sah aus wie ein weiblicher Körper."


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