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Beruhigende Kunst statt beunruhigender Nachrichten: Unter dem Hashtag #MuseumMomentofZen teilen internationale Museen auf Twitter und Instagram Kunstwerke, denen sie stresslindernde Kraft zuschreiben. Atempausen im Flow der Coronakrisen-News.

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Sternengeflitter live vom Museum The Broad in Los Angeles

Der Sound war nicht besonders entspannend am Abend des 16. März um Punkt 19 Uhr bei Instagram. Dabei hatte The Broad – das schicke private Museum in Los Angeles – einen #MuseumMomentofZen angekündigt: Ein paar Minuten Live-Übertragung aus der Installation „The Souls of Millions of Light Years Away“ von Yayoi Kusama. Ein Infinity Mirrored room – also einer jener Spiegelsäle, die seit den 60ern ein Markenzeichen der japanischen Künstlerin sind. Space-Atmosphäre mit unendlich vielen sich unendlich spiegelnden Lichtlein und Punkten.

#MuseumMomentofZen von The Broad

Im Museum darf immer nur eine Person den Raum betreten und sich 45 Sekunden lang einhüllen lassen vom psychedelischen Weltall-Sternengeflitter. Der Live-Stream auf Instagram am 16. März sollte nun zeigen, wie es ist, den unendlichen Spiegelraum länger zu erleben. Aber natürlich ist es nicht dasselbe, den immersiven Sternenregen auf dem Bildschirm zu sehen oder selbst drin zu stehen. Zumal auf Instagram ständig eingeblendet wird, wer gerade alles noch dabei ist in diesem musealen „Zen-Moment“.

„Museen bringen ein bisschen Frieden in die Timeline“

Nichtsdestotrotz: Es waren ein paar Minuten Pause vom permanenten Flow der beunruhigenden Coronavirus-Nachrichten. Und genau darum geht es beim Hashtag #MuseumMomentofZen: Mal kurz aufatmen oder sogar tief Luft holen im Coronastress und – Kunst gucken. Oder, wie das New Yorker online-Kunstmagazin Hyperallergic schrieb: „Museen bringen ein bisschen Frieden in die Timeline mit beruhigenden Kunstwerken.“

An die hundert Museen, vor allem aus den USA, aber auch anderswo in der Welt, haben sich schon an der Aktion beteiligt. Auf Twitter und Instagram teilen sie museale Zen-Momente – Bilder von Kunstwerken, denen sie stresslindernde Kraft zuschreiben:

Schwimmende Schildkröten in einem Aquarium machten den Anfang

Den Anfang machte wohl – soweit ist die museale Infektionskette noch nachzuvollziehen – das Museum of the City of New York mit einem Tweet am 11. März – in dem es hieß:

„Wir wissen, da sind eine ganze Menge stressiger Nachrichten in Ihrer Timeline, deshalb hier ein #MuseumMomentofZen“: ein Aquarell des Amerikaners Herbert Bolivar Tschudy aus dem Jahr 1920: „The turtle tank“

Menschen, die schwimmende Schildkröten in einem Aquarium betrachten – kein „Meisterwerk“, aber ein schönes Bild, das Filme im Kopf auslöst. Wie erleben wohl die Tiere im Zoo diese Pandemie? Wenn plötzliche keine Leute mehr kommen und in Käfige und Aquarien starren?

Das Moma liefert den perfekten Zen-Sound für beunruhigende Zeiten

Das vielleicht interessanteste Angebot aber findet sich auf der Website des New Yorker MoMA: A portable embrace – also eine „Umarmung zum Mitnehmen“. So heißt das Musikstück des Komponisten Conor Bourgal – ein Soundtrack, der, so sagt Bourgal, „uns Gesellschaft leistet, ob wir allein vor einem Gemälde sind – oder allein in der Stadt“. Der perfekte Sound für die virtuellen Zen-Momente in beunruhigenden Zeiten.

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