Eröffnung des Thomas-Mann-Hauses in Los Angeles Eine geistige Brücke nach Amerika schlagen

Interview am 18.6.2018 mit Berthold Leibinger

Das Haus am San Remo Drive in Pacific Palisades, Los Angeles, ist die berühmte Exiladresse von Thomas Mann. 2016 hat die Bundesregierung die geschichtsträchtige Villa erworben. Nach der Eröffnung durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier soll das originalgetreu renovierte „Thomas Mann House“ ein Ort für den Kulturaustausch und ein Domizil für Stipendiaten werden. Der Unternehmer Berthold Leibinger hat das Projekt finanziell unterstützt und sieht darin einen wichtigen Brückenschlag zur Verständigung mit den USA.

Thomas Mann in seinem Garten (Foto: Thomas Mann Archiv, ETH Bibliothek Zürich - Fotograf: Unbekannt)
Thomas Mann im Garten des Hauses am San Remo Drive. Zeitgenossen waren überrascht, dass der Schriftsteller dem modernen Gebäude beim Einzug 1944 etwas abgewinnen konnte. Vermutlich ist das dem Einsatz von Lion und Marta Feuchtwanger zu verdanken. Sie renovierten die 1928 errichtete Villa mit einfachen Mitteln. Thomas Mann sprach bald anerkennend vom "kleinen Schloss am Meer". Thomas Mann Archiv, ETH Bibliothek Zürich - Fotograf: Unbekannt

Thomas Mann: Vom San Remo Drive an die "deutschen Hörer"

Am San Remo Drive im Stadtteil Pacific Palisades formulierte Thomas Mann unter anderem seine Aufrufe an die Deutschen während des Krieges, die unter dem Titel „Deutsche Hörer!“ von der BBC ausgestrahlt wurden. Und er verfasste dort seinen berühmten Roman „Doktor Faustus“.

Wichtige Begegnungsstätte zwischen Deutschland und USA

Die Renovierung der alten Bauhaus-Villa wurde auch von der Berthold Leibinger-Stiftung in Ditzingen bei Stuttgart gefördert. Der Unternehmer und Gründer der Stiftung Berthold Leibinger, Jahrgang 1930, hat Thomas Mann bereits als Schüler 1949 kennengelernt und bezeichnet sich als Bewunderer des Schriftstellers von Jugend an.

Das Vorhaben, im künftigen „Thomas Mann House“ Schriftsteller, Historiker und Medienschaffende jeweils für ein paar Monate unterzubringen, sei ein wichtiger Beitrag zur deutsch-amerikanischen Verständigung, so Leibinger. Letztere sei nötiger als je. Man wolle eine geistige Brücke in den Westen Amerikas schlagen, so der Unternehmer und Mäzen.

STAND