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Wie Alkohol die Gesellschaft prägt: „Berauschend. 10.000 Jahre Bier und Wein“ – Große Ausstellung in Stuttgart

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AUTOR/IN
Silke Arning

Schon in der Steinzeit konnten sich die Menschen am Bier erfreuen. Keltische Trinkhörner und mittelalterliche Weinbrunnen zeugen von Rang und Macht. Die Ausstellung im Alten Schloss in Stuttgart beleuchtet Trinkgewohnheiten und Trinkspiele, widmet sich aber ebenso dem Missbrauch von Alkohol heute. Eine gefährliche Droge mit dramatischen Auswirkungen auf den Einzelnen wie auch auf die gesamte Gesellschaft.

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Berauschend: 1000Jahre Bier und Wein (Foto: Pressestelle, Marcos Alberti, Sao Paulo)
Fotoserie "The Wine Project" des brasilianischen Künster Marcos Alberti, Sao Paulo / Brasilien, 2016 Pressestelle Marcos Alberti, Sao Paulo Bild in Detailansicht öffnen
Playmobil-Spielzeugset „Bauarbeiter Baustelle“ von 1974 – die Bierkästen gehörten zur Ausstattung. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Trinkgeschirr in Form eines Segelschiffs, Esaias zur Linden (nachweisbar 1609–1632), Nürnberg, 1630/32, Silber, vergoldet Pressestelle Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Willkommpokal in Form eines Löwen, dem Wappentier der Stadt Vaihingen, Balthasar Lerff, 1610 - Der Kopf konnte abgenommen und der Körper mit Flüssigkeit gefüllt werden. Leihgabe der Gesellschaft zur Förderung des Landesmuseums Württemberg e.V. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Das beeindruckende Schwergewicht fasst 5,5 Liter Flüssigkeit: Eisernes Trinkhorn mit Goldblechzier aus dem „Fürstengrab“ von Eberdingen-Hochdorf, um 530 v. Chr. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Kopf des Dionysos – In der grieschen Mythologie Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase. Marmor, 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Kylix (Trinkschale) mit Symposionszenen (Symposion, Kottabos, Musik), um 480 v. Chr., Leihgabe des Badischen Landesmuseums, Karlsruhe Pressestelle Thomas Goldschmidt Bild in Detailansicht öffnen
Jungneolithische Trinkgefäße zwischen 4.300 und 3.900 v. Chr., Fundorte - Becher v. l.: Schwieberdingen; Goldburghausen; Stuttgart-Untertürkheim; Riedschachen (Krug) Pressestelle Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen

Bier erschnüffeln, Trinkhorn stemmen, Rausch simulieren

Von den ältesten Bierfunden vor 10.000 Jahren in der Osttürkei bis zum Umgang mit Alkohol heute spannt sich der Bogen dieser Ausstellung. Man kann verschiedene Inhaltsstoffe des Biers erschnüffeln, versuchen, das Trinkhorn des Keltenfürsten zu stemmen oder schlicht eine Tür aufzuschließen. Doch durch eine Art Guckkasten wird die Sicht so vernebelt, dass es schwierig wird, den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Simulation eines Rauschzustandes.

Man muss es sich leisten können: Riesentrinkhörner und Trinkspielzeuge als Zeichen der Macht

Berauschend: 1000Jahre Bier und Wein (Foto: Pressestelle, Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch)
Eisernes Trinkhorn mit Goldblechzier aus dem „Fürstengrab“ von Eberdingen-Hochdorf, um 530 v. Chr. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, P. Frankenstein / H. Zwietasch

Keltische Trinkhörner und mittelalterliche Weinbrunnen zeugten nicht zuletzt auch immer von Rang und Macht. Das zeigt das eiserne und mit Goldblech verzierte Trinkhorn, das fünfeinhalb Liter fasst. Gefunden wurde das stolze Exemplar in der Grabkammer des „Keltenfürsten“ von Hochdorf – eine klare Machtdemonstration. Der Mann hatte was zu bieten. Das war 500 vor Christus nicht anders als Jahrhunderte später am württembergischen Hof.

„Ich vermute mal, dass natürlich auch Gehilfen mit dabei waren, die dem Herrn geholfen haben, aus dem Trinkhorn zu trinken.“

Trinkspiele als festes Tafelritual bei Hofe

Berauschend: 1000Jahre Bier und Wein (Foto: Pressestelle, Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch)
Trinkgeschirr in Form eines Segelschiffs, Esaias zur Linden (nachweisbar 1609–1632), Nürnberg, 1630/32, Silber, vergoldet Pressestelle Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch

Mit opulenten Festen wussten auch die württembergischen Herrscher zu beeindrucken: Graf Ulrich "der Vielgeliebte" ließ Wein aus gleich acht Brunnenröhren fließen. Salutschüsse, Trinksprüche und Trinkspiele gehörten zum festen Tafelritual. So konnte zum Beispiel ein kleines, silbervergoldetes und mit Wein gefülltes Schiff über den Tisch geschickt werden.

 Wer trinkt mit wem?

Berauschend: 1000Jahre Bier und Wein (Foto: Pressestelle, Thomas Goldschmidt)
Kylix (Trinkschale) mit Symposionszenen (Symposion, Kottabos, Musik), um 480 v. Chr., Leihgabe des Badischen Landesmuseums, Karlsruhe Pressestelle Thomas Goldschmidt


Wer hat mit wem warum getrunken – meist steckt mehr dahinter als pure Geselligkeit, sagt Ausstellungsleiter Fabian Haack. Das beste Beispiel sei hier das griechische Symposion. Da haben sich nur Männer getroffen und nach ritualisierten Abläufen stark mit Wasser verdünnten Wein getrunken, es gab auch viele politische Themen, die hier verhandelt wurden, weiß Fabian Haack. "Damit zeigt man: ich gehöre dieser Schicht an, die sich das überhaupt leisten kann."

 Was richtet Alkohol in der Gesellschaft an?

Berauschend: 1000Jahre Bier und Wein (Foto: Pressestelle, Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch)
Playmobil-Spielzeugset „Bauarbeiter Baustelle“ von 1974 – die Bierkästen gehörten zur Ausstattung. Pressestelle Landesmuseum Württemberg, Hendrik Zwietasch

Alkohol ist eine gefährliche Droge, die heute im Alltag stets präsent ist. Auch über den Missbrauch von Alkohol und dessen Folgen geht es in der Ausstellung. Kuratorin Janina Rösch verweist auf einen unkontrollierten, dauerhaften Alkoholkonsum und betont: es gehe nicht darum den Alkohol zu verbieten, "sondern eben mit einem gemäßigten Konsum umzugehen.“

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Silke Arning