Weltkulturerbe

Bäder als UNESCO-Welterbe: Die wahre Herausforderung kommt erst jetzt

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Dank der UNESCO und ihrer Sitzung des Welterbekomitees in China konnten am Wochenende auch im Südwesten die Sektkorken knallen: Die Mathildenhöhe in Darmstadt wurde als einzigartiges Jugendstilensemble aufgenommen – und vorher die „Great Spas of Europe“, eine Bewerbung von elf Städten aus 7 Nationen, mit dabei Baden-Baden aus Baden-Württemberg und Bad Ems aus Rheinland-Pfalz.

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Nur die besten „Kurstädte“ durften bei der Bewerbung mitmachen

Ein paar Schwimmzüge und dann war da schon das Ziel. Ohne einen Diskussionspunkt hieß es bei den „Great Spa Towns of Europe“ adopted – angenommen. Und das konnte gelingen, weil die Bewerbung in langen Jahren des Trainings zuvor immer wieder verbessert wurde.

2014 bekamen die europäischen Kurorte von der UNESCO den Zuschlag, sich bewerben zu dürfen. Zunächst wollten sich mehr Orte an den Startblöcken aufstellen. Doch dann hat eine im Bewerbungsprozess durchgeführte Studie ergeben, dass nur diejenigen antreten sollen, bei denen der Stadttypus „Kurstadt“ am besten erhalten geblieben ist.

Am Ende gingen elf Schwimmer aus sieben Staaten in den Wettkampf, eben auch Baden-Baden und Bad Ems. 2019 wurde der Antrag bei der UNESCO in Paris dann gestellt und jetzt sind die Schwimmer endlich am Ziel.

Die Geschichte dieser Orte ist faszinierend

Tatsächlich: die Badehäuser, Trink- und Wandelhallen, die Casinos und Theater, die Villen – das sind wunderschöne Gebäudeensembles, die es zu bewahren gilt und das geht leichter mit UNESCO-Schwimmhilfe.

Doch viel interessanter finde ich, wer in diesen Orten alles badete, Heilwasser trank, lustwandelte. Diese Kurorte waren die Sommerhauptstädte Europas, in denen sich die Regierenden, Adligen, die Industriellen und Intellektuellen des 19. und 20. Jahrhunderts trafen, die Künstlerinnen und Künstler.

Hier wurde Geschichte geschrieben, aber auch komponiert und gemalt, gedichtet und diskutiert – neben dem Baden. Sich über diesen reingeschwommen europäischen Sieg ausgiebig zu freuen ist nach der langen Vorbereitungszeit gut und richtig.

Die großen Herausforderungen kommen erst jetzt

Doch nach dem Wettkampf ist bekanntermaßen vor dem Wettkampf. Und die wirklichen Herausforderungen kommen auf die Kurstädte erst noch zu, die plötzlich hin- und herkraulen müssen, zwischen Bewahren der Welterbe-Architektur und der Modernisierung ihres Angebotes.

Denn der althergebrachte Kurbetrieb kämpft schon länger gegen großen Wellengang - und die Sauna- und Massagelandschaften, die die Wellness-Gäste von heute wollen, passen meist nicht in die historischen Gebäude.

Und dann ist da noch eine Unbekannte: Denn alle „Great Spa towns of Europe“ erhoffen sich natürlich durch die Welterbe-Goldmedaille mehr Tourist*innen – doch wann wir die Corona-Pandemie zu Ende sein und werden die Menschen danach wieder so unterwegs sein, wie vorher?

Wichtig ist, dass die „Great Spa Towns of Europe“ weiterhin ein gutes Team bleiben und keine Scheu haben vor vielen Trainingseinheiten und der Langstrecke.

Welterbe UNESCO Weltkulturerbe: Baden-Baden und Bad Ems gehören dazu!

Der Zusammenschluss von elf europäischen Bäderstädten — unter ihnen die Kurstädte Baden-Baden und Bad Ems im Südwesten — wird von der UNESCO in das Weltkulturerbe aufgenommen. Unter dem Motto „Great Spas of Europe – bedeutende Bäderstädte Europas“ hatten sich die Städte gemeinsam beworben mit Verweis auf die im 18. Jahrhundert begründete europäische Badekultur, die sie bis heute prägen.  mehr...

„Great Spas of Europe“: Drei deutsche Kurstädte neu auf der UNESCO-Welterbeliste

Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen kommen auf die UNESCO-Welterbeliste. Das hat das Welterbe-Komitee am 24. Juli 2021 bei seiner Sitzung im chinesischen Fuzhou beschlossen. Baden-Baden in Baden-Württemberg, Bad Ems in Rheinland-Pfalz und Bad Kissingen in Bayern sind Teil der „Great Spa Towns of Europe“. Mit diesem Titel hatten sich elf Kurstädte aus sieben europäischen Staaten beworben.  mehr...

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