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In der Bundeskunsthalle Bonn eröffnet die große Ausstellung „Von Mossul nach Palmyra“. Sie zeigt in großartigen und bedrückenden, echten und virtuellen Bildern das architektonische und historische Kulturerbe, das in den Kriegen im Irak und in Syrien teilweise bereits zerstört worden ist, sich vielleicht aber noch retten lässt: ein unvergleichliches Erlebnis.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Ausstellung Von Mossul nach Palmyra - Virtuelle Reise durch das Weltkulturerbe

Ausstellung "Von Mossul nach Palmyra: Eine virtuelle Reise durch das Weltkulturerbe" (Foto: Bundeskunsthalle Bonn / AKTC/Michel Ecochard)
Bab al-Faraj 1937, Aleppo, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / AKTC/Michel Ecochard Bild in Detailansicht öffnen
Zerstörte Moschee in Aleppo, April 2017, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
Zerstörte Moschee in Aleppo, April 2017, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung des Innenhofes der Umayyaden-Moschee von Aleppo, Syrien, April 2017 Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung des Souk al-Zarb in Aleppo, Syrien, April 2017 Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
3D-Rekonstruktion des Minaretts der Umayyaden-Moschee in Aleppo, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
3D-Rekonstruktion des Minaretts der Umayyaden-Moschee in Aleppo, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
Das Theater von Leptis Magna, Februar 2018, Libyen Bundeskunsthalle Bonn / FDD ICONEM / MAFL / DOA Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme des Marktes von Leptis Magna, Februar 2018, Libyen Bundeskunsthalle Bonn / FDD ICONEM / MAFL / DOA Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme des Theaters von Leptis Magna, Februar 2018, Libyen Bundeskunsthalle Bonn / FDD ICONEM / MAFL / DOA Bild in Detailansicht öffnen
Die Bühne des Theaters mit der Statue eines der Dioskuren, 2001, Leptis Magna, Libyen Bundeskunsthalle Bonn / IMA / MEUNIER Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung des Theaters von Leptis Magna, Libyen, Februar 2018 Bundeskunsthalle Bonn / FDD ICONEM / MAFL / DOA Bild in Detailansicht öffnen
Virtuelle Reise durch die Basilika von Leptis Magna (Ausschnitt), Libyen Bundeskunsthalle Bonn / Ubisoft Bild in Detailansicht öffnen
Virtuelle Reise durch die Kirche Unserer Lieben Frau von der Stunde in Mossul, Irak Bundeskunsthalle Bonn / Ubisoft Bild in Detailansicht öffnen
Innenansicht der Kirche Unserer Lieben Frau von der Stunde, Mossul, Irak, Februar 2018 Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme von Mossul, Irak, Februar 2018 Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO Bild in Detailansicht öffnen
Ansicht von Mossul, Irak, Februar 2018 Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO Bild in Detailansicht öffnen
Kinder vor der Nabi-Yunus-Moschee, Juli 1983, Mossul, Irak Bundeskunsthalle Bonn / Yasser Tabbaa Archive, courtesy of Aga Khan Documentation Center at MIT Bild in Detailansicht öffnen
Der Tigris und die Stadt Mossul, um 1880, Irak Bundeskunsthalle Bonn / APDF–Fonds Mossoul Bild in Detailansicht öffnen
Blick auf West-Mossul von der Kirche Unserer Lieben Frau von der Stunde aus, 1972, Irak Bundeskunsthalle Bonn / APDF–Fonds Mossoul Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung des Mausoleums Imam 'Awn al-Din in Mossul, Irak Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO / IMA Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung des Mausoleums Imam 'Awn al-Din in Mossul, Irak Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO / IMA Bild in Detailansicht öffnen
3D-Darstellung der Al-Nouri-Moschee in Mossul, Irak Bundeskunsthalle Bonn / UNESCO / IMA Bild in Detailansicht öffnen
Tempel des Baalshamin, Ausgrabung der Säulenhallem, C3 mit Feldbahnwagen, 1954–1956, Palmyra, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / Paul Collart, IASA-Unil Bild in Detailansicht öffnen
Tempel des Baalshamin, Innenansicht der Cella (Hauptraum des Tempels), 2010, Palmyra, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / Louise Rubeli, IASA – UNIL Bild in Detailansicht öffnen
Tribüne des Theaters, Palmyra, Syrien 1969 Bundeskunsthalle Bonn / Pierre Ducrey, IASA – UNIL Bild in Detailansicht öffnen
Der Tempel des Baalshamin nach der Zerstörung durch den IS April 2016, Palmyra, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen
Luftaufnahme des Bogens von Palmyra nach der Zerstörung, April 2016, Palmyra, Syrien Bundeskunsthalle Bonn / ICONEM / DGAM Bild in Detailansicht öffnen

Reiseroute vom antiken Ninive bis Palmyra, der Perle des Orients

Die Reiseroute der Ausstellung verläuft vom antiken Ninive, das heute innerhalb der umkämpften Stadt Mossul liegt, nach Aleppo in Syrien. Hier haben muslimische Reiche von den Umayyaden bis zu den Osmanen großartige Architekturen hinterlassen.

Weitere Stationen sind Leptis Magna in Libyen, das von den Phöniziern gegründete „antike Rom“, das aufgrund der ungeklärten politischen Verhältnisse sich selbst überlassen ist und langsam verrottet. Schließlich geht die Reise ins syrische Palmyra, die legendäre griechisch-römische „Perle des Orients“.

Über die antiken Stätten hinwegfliegen

All diese Stätten werden in großen Video-Projektionen vorgestellt, so dass der Zuschauer in die architektonischen Landschaften quasi hineingezogen wird.

Der Museumsbesucher kann in Bonn über die Stätten hinwegfliegen, über antike Tempel und Amphitheater, über Kultstätten und mittelalterliche Moscheen. Schon das ist leicht unwirklich und der pure Wahnsinn.

Alte Kultstätten als 3D-Modelle kartographiert

Manchmal wachsen dann per Video-Animation die bereits zerstörten Bauwerke wieder hoch und machen anschaulich, dass man sie, eventuell, wieder aufbauen könnte: etwa den Tempel des Baalschamin in Palmyra oder die Umayyaden-Moschee in Aleppo.

Die Bonner Ausstellung zielt auf Überwältigung: der Architekt und Kulturwissenschaftler Yves Ubelmann hat eigens ein Unternehmen gegründet, um mit Drohnen über die alten Kulturstätten hinwegzufliegen und sie als 3-D-Modelle zu kartographieren. Daraus sind nun großformatige Filmprojektionen entstanden.

Jetzt geht es um „political action“

Rein Wolfs, der Direktor der Bundeskunsthalle, glaubt an die politische Wirkung solcher Veranstaltungen. Man wolle Besucherinnen und Besuchern klarmachen, dass es jetzt auch um „political action“ gehen müsse.

Aber wie? Das Absurde ist: gerade weil die gezeigten Stätten zum Weltkulturerbe erklärt wurden, stehen sie auf der Zerstörungsliste der Ikonoklasten, der Bilderstürmer vom IS.

Eine Ausstellung, die man einfach sehen muss

Diese Ausstellung muss man einfach sehen, weil derzeit kein Normalsterblicher zu diesen gefährlichen Orten reisen kann, wo nicht nur die antike Architektur, sondern – in den heutigen Metropolen - auch das soziale Leben, die Gesellschaft rekonstruiert und wiederaufgebaut werden müsste. Es ist ein unvergleichliches Erlebnis.

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