Ausstellung Schätze der Medienkunst aus 30 Jahren ZKM

Von Marie-Dominique Wetzel

Noch nie hat das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien, ZKM, in Karlsruhe eine reine Sammlungsausstellung präsentiert. Dabei besitzt das ZKM eine der größten Medienkunstsammlungen der Welt. Anlässlich des 30. Jubiläums ist es jetzt so weit. Die Schau mit dem Titel „Writing the history of the future“ zeigt beispielhaft, wie sich Kunst durch neue Medien und Technologien verändert hat, vom Buchstaben zum Bewegtbild, von der Buchseite zur Website, vom Tafelbild zum Bildschirm.

Ausstellung Schätze der Medienkunst aus 30 Jahren ZKM

30 Jahre ZKM Karlsruhe (Foto: Pressestelle, ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Tom Hahn)
Schon der Computer-Pionier Alan Turing hatte erklärt, er sehe nicht, warum Maschinen nicht auch Sonette schreiben sollten. Wahrscheinlich könnten solche Gedichte aber fairerweise „besser von einer anderen Maschine gewürdigt werden“. Zu sehen sind hier die ersten Experimente des Mathematikers Theo Lutz von 1959, von Kurd Alsleben und des japanischen Künstler-Philosophen Hiroshi Kawano, von Computern Kunst produzieren zu lassen.Auf dem Bild: Hiroshi Kawano. Der Philosoph am Computer, simuliertes Farbmosaik von 1970. Rekonstruktion von 2011. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Tom Hahn Bild in Detailansicht öffnen
Ein solches Experiment hat jetzt auch der Londoner Künstler Jake Elwes unternommen: er lässt zwei Künstliche Intelligenz-Systeme miteinander kommunizieren. Das eine schreibt auf, was es auf einem Bildschirm sieht und das andere erzeugt nach dieser Beschreibung Bilder, die das erste Programm dann wieder beschreibt. „Closed Loop“ heißt das Werk. Pressestelle ZKM Karlsruhe - Foto: Jake Elwes Bild in Detailansicht öffnen
Die Debatte um das künstlerische Potential künstlicher Intelligenz ist dabei keineswegs neu, so die Kuratorin der ZKM-Ausstellung, Margit Rosen: „Interessant ist zu zeigen, dass bestimmte Diskussionen, die jetzt im Hinblick auf die Künstliche Intelligenz geführt werden – ist die Maschine kreativ, können Maschinen denken? – dass diese Diskussionen fast wortgleich bereits in den 60er Jahren geführt wurden.Auf dem Bild: Nanni Balestrini, Emiliano Russo, Gabriele Zaverio, Vittorio Bellanich: "Tape Mark I", 1962/2018, computerbasiertes Werk, ZKM. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Tobias Wootton Bild in Detailansicht öffnen
Auch sie darf deshalb bei einer Ausstellung über Geschichte und Zukunft der Medienkunst nicht fehlen, die ZUSE 22. Dieser riesige Computer wurde 1957 gebaut, ist inzwischen Kulturdenkmal und Teil der Sammlung des ZKM Karlsruhe. Schon diese frühen Computer haben Künstler herausgefordert, die versucht haben, mit diesen Maschinen zum Beispiel Graphiken zu zeichnen und Gedichte zu schreiben. picture-alliance / Reportdienste - Foto: Soeren Stache Bild in Detailansicht öffnen
Doch nicht erst die Computer haben die Kunst, deren Produktion und deren Wahrnehmung grundlegend verändert. Im 20. und 21. Jahrhundert haben in rasantem Tempo viele neue Technologien den Künstlern immer neue Mittel an die Hand gegeben.Auf dem Bild: Christian Boltanski, "Réliquaire", 1990, Installation, 300 x 215 x 94 cm, Sammlung ZKM. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: 2014 VG Bild-Kunst, Bonn - ONUK Bild in Detailansicht öffnen
Über 300 Kunstwerke zeigt das ZKM jetzt aus der hauseigenen Sammlung. Dabei ist man nicht nur staunender Betrachter, sondern auch als aktiv Mitwirkender gefordert, erklärt ZKM-Vorstand Peter Weibel. Denn auch die Rolle des Betrachters hat sich mit dem Aufkommen der Medienkunst verändert: „Der visuelle Betrachter, der passive Beobachter hat ursprünglich keine Rolle gespielt. Jetzt ist es umgekehrt: Ohne den Betrachter gibt es das Kunstwerk nicht.“Auf dem Bild: Frank Fietzek, „Die Tafel“ von 1993. Interaktive Installation, Sammlung ZKM. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: ONUK Bild in Detailansicht öffnen
Doch es gibt in der Ausstellung nicht nur interaktive Kunstwerke, sondern auch althergebrachte Medien wie Gemälde und Zeichnungen. Auch diese großangelegte Überblicksschau beweist einmal mehr: Kein Medium verdrängt ein anderes, älteres vollständig.Auf dem Bild: Lily Greenham, "cercles programmés en mouvement", 1966. Dispersionsfarbe, Holz, Glühbirne, 55 x 55 x 26 cm, Sammlung ZKM. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Jonas Zilius Bild in Detailansicht öffnen
Mit diesem Gedanken spielt auch das poetische Kunstwerk von Fujihata Masaki von 1997, "Beyond Pages": Man kann auf einem in einen Schreibtisch eingelassenen Tablet in einem virtuellen Buch blättern. Mit Hilfe eines digitalen Stifts lassen sich die darin abgebildeten Dinge quasi zum Leben erwecken: Die Blätter eines Baumes beginnen zu rascheln, und wenn man den Lichtschalter im Buch bedient, geht plötzlich auf dem Schreibtisch eine kleine Leselampe an. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Masaki Fujihata Bild in Detailansicht öffnen
Obwohl heute so viele computer- und netzbasierte Werke entstehen, gibt es immer noch relativ wenige Museen, die sie zeigen und sammeln. Und so wird der Ausstellungsrundgang im ZKM zu einer wahren Entdeckungsreise - von den faszinierenden und oft visionären Anfängen der Medienkunst bis hin zu spannenden, aktuellen künstlerischen Positionen.Auf dem Bild: Nam June Paik, Arche Noah. Pressestelle ZKM Karlsruhe - Foto: Nam June Paik / EnBW Bild in Detailansicht öffnen
Diese Jubiläums-Ausstellung gibt Einblicke in eine einzigartige Sammlung, die immer ganz nah an den jeweils neusten Entwicklungen war und ist. Was natürlich immer auch ein Wagnis bleibt. ZKM-Vorstand Peter Weibel jedenfalls möchte das letzte Urteil gerne dem Besucher überlassen.Auf dem Bild: Hans Richter, "Stalingrad (Sieg im Osten)", 1943–1946. Rollenbild, Tempera, Collage auf Papier über Leinwand, 95,5 x 522,1 x 7 cm, Sammlung ZKM. Pressestelle ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe - Foto: Jonas Zilius Bild in Detailansicht öffnen
Dauer
STAND