Ausstellung Tanz ums goldene Auto in Donaueschingen

Von Philine Sauvageot

Die Auseinandersetzung von Künstlern mit dem Auto ist fast so alt wie das Auto selbst. Zeitgenössische Arbeiten, Fotografien, Skulpturen und veredelte Sportwagen sind jetzt im Museum Art.Plus in Donaueschingen zu sehen. Die Ausstellung "Vollgas - Full Speed" übersteigert ironisch den Kult ums Auto und macht deutlich, welche emotionalen Bindungen es nicht mehr geben würde, wenn das Auto eines Tages Geschichte wäre.

Bilder der Ausstellung "Vollgas - Full Speed" in Donaueschingen

Marmorreifen (Foto: SWR, SWR - Foto: Philine Sauvageot)
Was in der Ausstellung als erstes auffällt, ist der Geruch nach Motoröl. Auch wenn man nicht gleich sieht, woher er kommt. Am Boden steht eine Skulptur des Italieners Fabio Viale. „Er sieht aus wie ein normaler Formel1-Reifen, ist aber aus Marmor,“ sagt Sebastian Steinhäußer. Er hat die Exponate ausgewählt. Viele kommen aus der Sammlung des Museums. SWR - Foto: Philine Sauvageot Bild in Detailansicht öffnen
Auch der Ursprung des Motoröl-Geruchs ist bald gefunden: eine Arbeit des amerikanischen Künstlers Rob Pruitt. Auf den ersten Blick ein simpler Reifenhaufen. Aber weit gefehlt.Auf dem Bild: Rob Pruitt: Untitled (Fountain), 2009, Reifen, Pumpe, Altöl, elektrische Ausrüstung. 185 x 180 x 180 cm. Museum Art.Plus - Foto: Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
Sebastian Steinhäußer: „Rob Pruitt hat eine Fontäne gebaut aus Altreifen, aus der Altöl sprudelt. Wie ein Schokoladenbrunnen, nur eben mit Altöl.“ SWR - Foto: Philine Sauvageot Bild in Detailansicht öffnen
Eines der Highlights, wuchtig und schwarz glänzend: Eine Art Batmobil, nur mit BMW-Emblem. Auch etwas anderes stimmt nicht an dem Werk „Z4UTURNAROUNDROTATION“ von Sebastian Kuhn, das man ganz umkreisen muss, um es zu verstehen: „Das Auto sei ein Objekt, das man immer mit einer Vorwärtsbewegung assoziiert. Das habe er aufbrechen wollen“, rezitiert Sebastian Steinhäußer den Künstler. jetzt auf. „Er hat Autoteile von drei BMW Z4 jetzt so arrangiert, dass man nicht mehr erkennen kann, wo vorne und hinten ist, wo das Auto eigentlich hinfährt.“ Museum Art.Plus - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 & Museum Art.Plus Bild in Detailansicht öffnen
Natürlich darf auch Pierre Soulages nicht fehlen. Der Künstler, für den das Schwarze eine Farbe des Lichts ist. Seine Gemälde, die „Outrenoirs“, umrahmen den BMW M1 Turbo von Schnitzer, der in der Mitte des Raums steht. 1981 hat ihn Hans-Joachim Stuck in der deutschen Sportwagenmeisterschaft gefahren. Vermutlich das Highlight für Autoliebhaber. Museum Art.Plus - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 & Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
Ein weiteres Highlight: die entkernte Karosserie eines Porsche 911. Stefan Rohrer hat ihn mit Blattgold überzogen und ein „modernes goldenes Kalb“ erschaffen, wie Steinhäußer es nennt. Über Monate hinweg habe Rohrer den Wagen erst rot lackiert und dann fast meditativ das Blattgold aufgetragen, zusammen mit einem Künstlerkollegen. Rostig-rot schimmert es hinter dem Gold. Rot in Erinnerung an die griechischen Kunst-Ikonen, darum auch der Titel „Helios“. Wie ein Sonnengott könnte dieser goldene Streitwagen über den Himmel ziehen. Museum Art.Plus - Foto: Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
„Man darf nicht reden, man darf nicht atmen“, erzählt Sebastian Steinhäußer über die Entstehung der Skulptur. „Es darf keine Heizungsluft durch den Raum gehen, weil das Blattgold so fein ist, dass es sich sofort verlustieren würde. Eigentlich hatten Stefan Rohrer und sein Künstlerkollege gedacht, sie könnten bei der Arbeit ein paar Wochen über alte Zeit quatschen. Aber sie haben den ganzen Tag nicht ein Wort miteinander gewechselt und sind abends nur noch ins Bett gefallen.“ SWR - Foto: Philine Sauvageot Bild in Detailansicht öffnen
An den Wänden ein riesiges Schachbrett. Es sind verbeulte Motorhauben.Friedemann Flöther: Pole Position, 2005 Automotorhauben je 83,5 x 83,5 cm, Anzahl und Gesamtmaß variabel. Museum Art.Plus - Foto: Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
Auch Autoliebhaber kommen auf ihre Kosten. Zwischen den Kunstwerken stehen private Sportflitzer, zum Beispiel der Alfa Romeo Giulia SS – die italienische Design-Ikone der 60er. SWR - Foto: Philine Sauvageot Bild in Detailansicht öffnen
18 Neonröhren zeigen die Formel 1-Rennstrecken aus der Saison 2002, gestaltet von Chris Nägele. „Die Kurven, die sie für gefährlich hielt, hat sie einfach doppelt gemacht, um die Gefahr herauszustreichen“, so Sebastian Steinhäußer über die Installation. „Aber in erster Linie ist sie einfach Ausdruck der Freude an der Linienführung der Formel1-Rennstrecken.“ SWR - Foto: Philine Sauvageot Bild in Detailansicht öffnen
Und so wird der Kult ums Auto in der ganzen Ausstellung ironisch übersteigert. Da bleibt auch die Motorhaube mit Dürers Zeichnung des Hl. Christophorus unverbeult. Der Schutzpatron der Autofahrer erfüllt seine Aufgabe.Friedemann Flöther: Touring, 2010, Ritzzeichnung auf Automotorhauben 130 x 290 cm. Museum Art.Plus - Foto: Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
So macht die Ausstellung eines deutlich: welche neuen emotionalen Bindungen wir uns suchen müssten, wenn das Auto eines Tages Geschichte wäre...Auf dem Bild: Patrick Gutenberg: Arbeiten aus der Werkserie "Die Blechlawine", 2013-17, Büttenpapier auf Aluminium je 59,4 x 84,1 cm. Museum Art.Plus - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 & Museum Art.Plus/Art.Plus Foundation Bild in Detailansicht öffnen
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