Gespräch

Ausstellung „VolksWagner“ zeigt den Komponisten Wagner als Popkultur-Phänomen: „Auch Hitler hat zum Marketing beigetragen“

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INTERVIEW
Frauke Oppenberg

Als „Welt-Kultur-Phänomen“ sieht der Direktor des Richard-Wagner-Museums den umstrittenen Komponisten. Zur Eröffnung der Ausstellung „VolksWagner. Popularisierung – Aneignung – Kitsch“ in Bayreuth sagt Sven Friedrich im Gespräch mit SWR2 über Richard Wagners Einzug in die Populär-Kultur: „Wagner ist ein Symbol und ein Stereotyp, das hergenommen werden kann, um verschiedenste Dinge zu transportieren.“

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Bereits zu Lebzeiten dienten Richard Wagner und sein Werk im Ausland als lächerliches Klischee des Deutschen Kaiserreichs. Karikatur von Henri Meyer in „Le Sifflet“, August 1876.Sonderausstellung „VolksWagner. Popularisierung – Aneignung – Kitsch“  (Foto: Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreut)
Bereits zu Lebzeiten dienten Richard Wagner und sein Werk im Ausland als lächerliches Klischee des Deutschen Kaiserreichs. Karikatur von Henri Meyer in „Le Sifflet“, August 1876. Foto: Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung Bayreut Bild in Detailansicht öffnen
Im 1. Weltkrieg diente diese Karikatur als Emblem französischer Versorgungszüge. Damals lachte, in Anlehnung an Richard Wagner, „La Wachkyrie“ über deutsche Soldaten. Einige Jahre später wurde daraus „La vache qui rit“, die seither Packungen französischen Schmelzkäses ziert und zu einem weltweiten Markenzeichen wurde. Richard Wagner Museum, Foto: Privatbesitz Bild in Detailansicht öffnen
Der Komponist und Produzent Jim Steinman sah sein Werk eng verbunden mit dem Richard Wagners und prägte den Begriff „Wagnerian Rock“. Vor allem in seiner Zusammenarbeit mit dem Sänger Meat Loaf entstanden Alben dieses Musikstils. Das bekannteste ist die 1977 erschiene LP „Bat out of Hell“. Richard Wagner Museum, Foto: Privatbesitz Bild in Detailansicht öffnen
Die meisten Zuseher des Münster Tatorts aus kennen die Namen Boerne (Jan Josef Liefers) und Thiel (Axel Prahl). Kaum jemand kennt jedoch den Namen der Rolle von Christine Urspruch: Silke Haller. Die wird aufgrund ihres Wuchses und der Wagneraffinität ihres Chefs von diesem nur „Alberich“ genannt wird. In der Folge „Krumme Hunde“ wird das Team bei seinen Ermittlungen von der Dogge „Wotan“ unterstützt. Foto: Guido Engels/ARSonderausstellung „VolksWagner. Popularisierung – Aneignung – Kitsch“ ard-foto s1 Foto: Guido Engels/ARD Bild in Detailansicht öffnen
Plakatmotiv der Sonderausstellung „VolksWagner. Popularisierung – Aneignung – Kitsch“ Richard Wagner Museum Bild in Detailansicht öffnen

Deshalb fänden sich in Filmen wie „Apocalypse Now“ oder in Bierwerbung musikalische Zitate Wagners. Auch die Tatsache, dass Adolf Hitler Fan der Musik gewesen sei, spiele eine Rolle: „Hitler hat auch schon zum Marketing beigetragen.“ Im Prinzip gelte: Das Merchandising sei grenzenlos.

Kitsch und Riesen-Ernst: Wagner ist „Karikatur-fähig“

Die Ursache dafür sieht der Wagner-Experte in den vielfältigen Angeboten, die Wagner mache: „Diese Musik mit diesem Riesen-Ernst und dem hohen Anspruch – das ist Karikatur-fähig, aber auch ideologisch anschlussfähig.“ Die Ausstellung bemühe sich, so Sven Friedrich, die Ambivalenz dieser Wagner-Rezeption zu zeigen. „Wir haben nicht so gern einen moralisch belehrenden Anspruch“, bilanziert Friedrich.

Wagner-Zitate oft sinnentstellt

Dazu komme, dass manche Übernahme im Lauf der Zeit nicht mehr dem ursprünglichen Sinn entspreche. Ein Beispiel sei das „Treulich geführt“ aus „Lohengrin“ – bis heute oft bei Hochzeiten benutzt. Friedrich sagt dazu: „Viele wissen ja gar nicht, dass das in der Oper der Auftakt ist zu einer Beziehungskatastrophe.“

Sven Friedrich hat in München Theaterwissenschaft studiert. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit Richard Wagners Theaterästhetik. Friedrich ist seit 1993 Direktor des Richard-Wagner-Museums in Bayreuth; angeschlossen sind hier auch das Nationalarchiv und die Forschungsstätte der Richard-Wagner-Stiftung.

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