Historisches Museum der Pfalz in Speyer zeigt die Blütezeit der Region „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“

Von Max Knieriemen

Mit der Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“ rückt das Historische Museum der Pfalz einen Zeitabschnitt in den Fokus, der in der Region viele Spuren hinterlassen hat.

Während die Spätantike oft als Zeit des Niedergangs wahrgenommen wird, zeichnen die archäologischen Zeugnisse in der Pfalz ein komplexeres Bild. Aktuelle Forschungsergebnisse bezeugen eine dicht besiedelte Landschaft mit zahlreichen größeren und kleineren Städten, befestigten Siedlungen und eindrucksvollen landwirtschaftlichen Betrieben. Die Pfalz erlebte für kurze Zeit eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte.

Valentinian I., Kaiser von 364 bis 375 nach Christus, residierte zwar in Trier, war aber so oft wie kein zweiter Kaiser in der Pfalz unterwegs. Die Ausstellung mit Valentinian I. und der Pfalz im Mittelpunkt will einen Einblick in diese spannende Epoche geben.

Auf 150 Quadratmetern sind rund 65 herausragende Fundkomplexe und Einzelexponate der Spätantike zu sehen. Ein Highlight ist eine herausragende Marmorbüste, die vermutlich Valentinian darstellt.

Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Speyer "Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike"

Goldmünze Solidus Valentinians I.: Ausstellung "Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike"; Speyer 2018 (Foto: Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim; Foto: Daniel Franz)
Eine Solidus-Goldmünze mit dem Bild des Kaisers Valentinians I. Im Jahr 364 wird Flavius Valentinianus zum Kaiser des Römischen Reiches erhoben und wählt Trier zu seiner bevorzugten Residenz. Von dort aus besucht er mehrfach die Pfalz. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim; Foto: Daniel Franz Bild in Detailansicht öffnen
Im späten 4. Jahrhundert nach Christus hieß Speyer Civitas Nemetum und war eine der Provinzhaupstädte im Reich des Kaisers Valentinians I. Für die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz wurde zum ersten Mal skizziert, wie die Stadt damals ausgesehen haben könnte. Auf einer großen Schautafel ist die Zeichnung des antiken Speyer ausgestellt. Die Siedlung war so groß wie etwa zehn Fußballfelder, fünf- bis zehntausend Menschen lebten dort. Um den Ort herum führte eine zwei Meter dicke Mauer. Das antike Speyer besaß auch ein Theater. Abbildung: Das spätantike Speyer, Blick auf den Hafen und die Stadtmauer. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Generaldirektion Kulturelles Erbe RP, Landesarchäologie Speyer; Zeichnung Wolfgang Himmelmann Bild in Detailansicht öffnen
Das spätantike Speyer, Treiben auf dem Markt, Zeichnung von Wolfgang Himmelmann Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Generaldirektion Kulturelles Erbe RP, Landesarchäologie Speyer; Zeichnung Wolfgang Himmelmann Bild in Detailansicht öffnen
Im vierten Jahrhundert ließ es sich in der Pfalz offenbar durchaus gut leben. Das vielleicht prunkvollste Stück der Ausstellung ist ein Glaspokal, der in der Nähe von Bad Dürkheim in einem Sarkopharg gefunden wurde. Der Steinsarg in dem der Pokal mit dem Toten bestattet wurde, hatte sich im Lauf der Zeit mit Sediment gefüllt, was den Glaspokal in der Erde schützte. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Generaldirektion Kulturelles Erbe RP, Landesarchäologie Speyer; Zeichnung Wolfgang Himmelmann Bild in Detailansicht öffnen
Bronzene Öllampe in Form einer Taube, gefunden 1860 in Altrip. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Historisches Museum der Pfalz, Speyer; Foto: Carolin Breckle Bild in Detailansicht öffnen
Der Silberlöffel aus Essweiler (Lkr. Kusel) ist verziert mit einem Segenswunsch, vegetablem Dekor und zwei kleinen Tauben Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Historisches Museum der Pfalz, Speyer; Foto: Carolin Breckle Bild in Detailansicht öffnen
Frühchristlicher Brotstempel mit Christogramm und der Inschrift "ad pane(m) pingere utere felix" (auf das Brot zu drücken - gebrauche es glücklich), gefunden 1919 bei Ausgrabungen im Bereich des spätrömischen Burgus von Eisenberg. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Foto: Peter Haag-Kirchner Bild in Detailansicht öffnen
Kaiser Valentinian I. war ein Soldatenkaiser. Neben Exponaten wie die hier abgebildeten Nachbildungen von Grabbeigaben eines spätrömischen Offiziers ist auch Modell eines antiken römischen Heerlagers bei Altrip zu sehen sowie so genannte Zwiebelknopffibeln, die einerseits als Klammer für antike Gewänder dienten, andererseits als militärische Rangabzeichen. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, Landesarchäologie Speyer; Foto: Carolin Breckle Bild in Detailansicht öffnen
Bei Grabungen 2010 wurde in Speyer am Diakonissenkrankenhaus die Bestattung eines spätrömischen Offiziers freigelegt. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Foto: Generaldirektion Kulturelles Bild in Detailansicht öffnen
Ein Highlight der Ausstellung: Die Marmorbüste eines Kaisers, stellt vermutlich Valentinian I. dar. Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Pressestelle - Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen, Foto: O. Haupt Bild in Detailansicht öffnen

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