Ausstellung "Grey is the new Pink" in Frankfurt Die rosa Brille für das Alter

Von Sina Weinhold

Die Sonne genießen, auf dem Rücksitz eines rosaroten Cadillacs. Auch so kann Alter aussehen. Die Ausstellung „Grey is the new Pink“ im Weltkulturen-Museum Frankfurt forscht nach spannenden Momentaufnahmen des Alterns - und zeigt dazu 160 Fotos und Videos von Teilnehmern und Künstlern aus aller Welt.

350 Beispiele für das Älterwerden in Rosatönen

Auf dem Rücksitz eines rosaroten Cadillacs, in den Händen eine saftige Ananas, auf den Lippen ein zufriedenes Lächeln. So sieht Älterwerden in Kuba aus - manchmal jedenfalls. Nur eine Momentaufnahme von insgesamt 350 Einsendungen aus aller Welt, die das Weltkulturen-Museum in Frankfurt gesammelt hat.

"Grey is the new pink"

Anja Müller: No title, Germany. Submission of the Call for Content (Foto: Weltkulturen Museum, Main - Anja Müller)
Anja Müller: No Title Weltkulturen Museum, Main - Anja Müller Bild in Detailansicht öffnen
Old woman with child, 1930, Flores, Indonesien. Weltkulturen Museum, Frankfurt/M. - xxx Bild in Detailansicht öffnen
Big Man Simbu Province, New Guinea, Oceania. 1950-1955, Collection Weltkulturen Museum. Weltkulturen Museum, Frankfurt/M. - Petrus Beltjens Bild in Detailansicht öffnen
Old woman with folded hands, Ecuador, Südamerika. Weltkulturen Museum, Mainz - Mark Münzel und Prof. Dr. Christine Münzel, 1975 Bild in Detailansicht öffnen
Jake Verzosa: The Last Tattooed Woman of Kalinga, 2009-13., Philippines Weltkulturen Museum, Frankfurt/M. - Courtesy of the artist Bild in Detailansicht öffnen

Lockenwickler aus grünem Plastik

Ob Fotos aus dem Familienalbum, Handyvideos vom Spaziergang mit den Großeltern oder zeichnerische Studien von Falten und Altersflecken. Wie fühlt es sich an, wenn man eigentlich bereit ist zu sterben, aber es einfach noch nicht soweit ist?

Behutsam porträtiert Ninette Niemeyer in ihrer Fotoserie den Alltag einer 97jährigen, die sagt: „Der liebe Gott will mich noch nicht“. Altmodisches Mobiliar, eine Leselupe neben der Zeitung, das schwarz-weiß Foto des verstorbenen Mannes und die weißen Haare der alten Dame, aufgedreht auf Lockenwickler aus grünem Plastik.

„Je oller, je doller“, das war gestern

Die Frisur muss sitzen. Egal wie alt man ist. „Je oller, je doller“, das war gestern. Heute bloggen sich die „bestagers“, die sogenannten „oldbutgold“ oder der „Hipstergrandpa“ durchs Alter.

Die Oldies mit den meisten Likes haben es bis in die Frankfurter Ausstellung geschafft: (die märchenlesende Marmeladenoma mit eigenem YouTube-Kanal oder die computerspielenden „Silver-Gamers“.) Mit dabei sind auch Britt Kanja und Günther Krabbenhöft aus Berlin, beide um die 70, beide Social-Media-Stars.

Das gealterte Aktmodell „Inge“

In seiner Porträtreihe dokumentiert der philippinische Künstler Jake Verzosa die schwindende Tattoo-Tradition der Frauen aus der Bergregion der Kalinga. Eigentlich erfunden als altersloser Ausdruck von Schönheit und Mut.

Dass Alter kein Tabu kennen sollte, dazu ermuntert der Film von Hartmut Jahn, der Nacktaufnahmen des gealterten Aktmodells „Inge“ zeigt. Eine absolut sehenswerte Ausstellung, die man am besten mehrfach besucht, denn sie bespielt das komplette Haus.

Am Ende gibt es immer noch keine Antwort auf die Frage: Was ist das Alter? Dafür aber jede Menge Ideen und praktische Anregungen, was das Alter sein kann. Von grau bis pink ist alles dabei.

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