Ausstellung Exzentrische Skulpturen: Die Triennale der Kleinplastik in Fellbach

Von Silke Arning

Ausgefallene und bedeutende Plastiken wie die rund 40.000 Jahre alten Eiszeitfiguren von der Schwäbischen Alb zeigt die 14. Triennale Kleinplastik in Fellbach. Unter wechselnden Kuratoren geht sie alle drei Jahre der Bedeutung zeitgenössischer Kleinplastiken nach. Für diese Triennale konnte Brigitte Franzen, Vorstand der Peter-und-Irene-Ludwig-Stiftung, gewonnen werden. Zu sehen sind die Exponate in einem beeindruckenden 100-jährigen Fachwerkhaus mit freitragender Dachkonstruktion. Kunscht! hat mit Brigitte Franzen einen Ausstellungsrundgang gemacht.

Dauer

Ausstellung Bilder von der Triennale der Kleinplastik in Fellbach

0531 Ausstellung Fellbach - 40.000 - Ein Museum der Neugier (Foto: SWR, SWR - Foto: Silke Arning)
Den klaren Durchblick gibt es bei dieser Ausstellung nicht. Dafür hat Kuratorin Brigitte Franzen gleich zu Beginn gesorgt. Skelette und Körperteile zappeln von der Decke: mehrere Meter lange, bis zum Boden reichende, transparente Folien, die mit menschlichen Knochen bedruckt sind und den Blick in die große Halle versperren. Arbeiten der Berliner Künstlerin Aleksandra Domanovic, die den 3D-Druck zur skulpturalen Arbeit nutzt und den Körper so mit dem künstlerischen Objekt verbindet. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Eine solche Verbindung schaffen auch die kleinen, aus Knochen gefertigten Eiszeitfiguren, die in den Höhlen der Schwäbischen Alb entdeckt wurden. Brigitte Franzen verweist auf eines der vielen, unterschiedlich langen und hohen Holzpodeste, die sich hinter dem Knochenvorhang durch die alte Kelter schlängeln. Darauf täuschend echte Imitate der jahrtausendealten Kunstwerke. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Kunst als menschliche Grundkonstante ist denn auch das Leitmotiv dieser Triennale. Der Homo Sapiens bemalt seine Höhlenwohnung in Brasilien ebenso wie in Frankreich. Daran erinnern sehr eindrücklich die drei gewaltigen weißen Köpfe der Londoner Künstlerin Marguerite Humeau, die den Schädeln des zwei Millionen Jahre alten Homo Habilis nachempfunden sind. Menschsein – das bedeutet seit Anbeginn der Tage auch auf der Flucht sein: vor wilden Tieren, vor Hunger, vor Krieg. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Fluchtgeschichten schlummern in den Stoffrollen, die der in Paris lebende Palästinenser Taysir Batniji für die Triennale entworfen hat. Brigitte Franzen: „Es könnten Handtücher sein, umwickelt mit rostigem Draht. Das sieht nach Stacheldraht aus. Und Sie haben diese Abdrücke von rostigen Schlüsseln. Das bezieht sich auf die Tragik der Flucht, bei der Fliehende den Schlüssel mitnehmen. Den Schlüssel ihrer Wohnung, ihres Zuhauses, weil sie noch die Hoffnung auf eine Rückkehr haben.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Eine trügerische Hoffnung. Ebenso trügerisch wie beispielsweise die Objekte der türkischen Künstlerin Ayse Erkman. Auf den ersten Blick sind es Designobjekte für den Haushalt, grüne Porzellandosen. Auf den zweiten Blick erweisen sie sich als Nachbildungen von Landminen.Hier auf dem Bild v.l.: Sonia Leimer,_Spardose 2014-16. Und: Haegue Yang, Dry Spell at Villeperdue/Trockenzeit in Villeperdue 2016. Pressestelle VG Bild-Kunst, Bonn 2019 und Courtesy Haegue Yang, Galerie Barbara Wien, Berlin - Foto: links - Markus Wörgötter, rechts - Studio Haegue Yang / Andy Keate Bild in Detailansicht öffnen
Ähnlich trügerisch wirken beispielsweise Arbeiten der Chinesin Mel Chin, schwarze Schneiderpuppen, behängt mit goldenen Ketten und Schmuck. Letztere überdecken Einschusslöcher, tödliche Verletzungen. Eine Anspielung auf eine nicht nur in Deutschland gut florierende Waffenindustrie. Brigitte Franzen: „Die Werke sind bezeichnet nach den Waffen, mit denen die Wunden erzeugt worden sind.“Hier auf dem Bild: Aleksandra Domanovic - untitled 2015 - Von der Decke hängende UV-Prints auf Folie. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Flucht und Migration, Ökonomie und Ökologie – das sind nur einige der Themenfelder, die diese Triennale Kleinplastik in den Blick nimmt. Insgesamt 60 internationale Künstlerinnen und Künstler haben mit ihren rund 150 Objekten Stellung bezogen. Auf skurrile, nachdenkliche und spielerische Weise.Auf dem Bild: Katja Novitskova - "Mamaroos" 2018 - Technoide Ammen. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
So wagt Katja Novitskova, Künstlerin aus Estland, einen Blick in die Zukunft. Ihre „Mamaroos“ sind einfüßige Roboterfiguren mit Kabelfangarmen und toten Augen. Brigitte Franzen: „Das sind Babyschaukeln, wie es sie am Markt gibt. Wir werden die tatsächlich schaukeln. Sie hat daraus Ammen gebaut, Technoide Objekte, vielleicht Intelligenzen, die sich um den Nachwuchs kümmern.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Ein wildes Sammelsurium zum Teil exzentrischer Kunstwerke ist diese Triennale Kleinplastik, denn letztlich ist alle Kunst irgendwie „homo sapiens“. Selbst wenn sie – wie bei dem deutschen Künstlerkollektiv CMUK ebenfalls in der Ausstellung vertreten – aus zwei Menschen und zwei Papageien besteht.Auf dem Bild: Katja Novitskova - "Mamaroos" 2018 - Technoide Ammen. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

14. Triennale Kleinplastik in Fellbach „40.000 – Ein Museum der Neugier“ in der Alten Kelter in Fellbach, vom 1. Juni bis zum 29. September 2019.

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