Ausstellung im Städel Frankfurt Tizian und die Renaissance in Venedig

Von Martina Conrad

Das Städel in Frankfurt zeigt erstmals in Deutschland eine große Überblicksausstellung zur Renaissance in Venedig. 106 Meisterwerke von Giovanni Bellini, Jacopo Tintoretto und Paolo Veronese sind dort jetzt zu sehen, davon alleine 20 Bilder von Tizian.

Städel Museum Frankfurt Tizian und die Renaissance in Venedig

Bildnis des Dogen Francesco Venier (Foto: Städel Museum Frankfurt - Foto: Museo Thyssen- Bornemisza)
Es ist eine Schau der Superlative – nicht nur, weil absolute Meisterwerke wie das Selbstbildnis von Tintoretto, die Flora von Bartolomeo Veneto oder das Bildnis des Dogen Francesco Venier von Tizian erstmals an einem Ort versammelt sind.Auf dem Bild: Tizian (1488/90–1576), Bildnis des Dogen Francesco Venier, 1554. Öl auf Leinwand, 113 x 99 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: Museo Thyssen- Bornemisza Bild in Detailansicht öffnen
Es ist auch deswegen eine grandiose und wichtige Ausstellung, weil Kurator Bastian Eclercy über die einzelnen Bilder hinaus ein Gesamtbild der Renaissance in Venedig zeigt: „Es handelt sich nicht um eine Ausstellung, die biografisch am Werk nur eines Künstlers entlang geht, sondern sie nimmt Tizian als roten Faden. Er kommt in jedem Kapitel der Ausstellung vor, die nach den Bildthemen, die die Venezianer bevorzugt haben, gegliedert ist.“Auf dem Bild: Tizian (um 1488/90–1576) Bildnis der Clarice Strozzi, 1542 Öl auf Leinwand, 121,7 x 104,6 cm . Berlin, Staatliche Museen, Gemäldegalerie - Foto: Christoph Schmidt Bild in Detailansicht öffnen
Kurator Bastian Eclercy: „Man sieht außerdem, wie Tizian im Austausch steht mit seinen großen Zeitgenossen, die eben keine Tiziannachfolger oder -Imitatoren sind, sondern alles Künstler von ganz eigener Statur, die sich zum Teil auf Tizian beziehen, sich zum Teil radikal abgrenzen. Und dieses künstlerische Ping-Pong-Spiel ist was im Zentrum dieser Ausstellung steht.“Auf dem Bild: Paolo Veronese (1528–1588) Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, um 1572 Öl auf Leinwand, 236,2 x 161,3 cm. Collection of The John and Mable Ringling Museum of Art, Sarasota, FL, the State Art Museum of Florida, Florida State University. - Bild in Detailansicht öffnen
Neben Themen wie Madonnen, Porträt und dem männlichen Akt ist es vor allem die Erfindung der Landschaft, die Tizian unsterblich gemacht hat.Auf dem Bild: Tizians Bildnis eines jungen Mannes, ca. 1510, Öl auf Pappelholz, 20 x 17 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: Walter Adler / Artothek Bild in Detailansicht öffnen
Hat noch Bellini seine Madonna vor einen blauen Himmel gesetzt, so stellt Tizian sein „Noli me tangere“ des auferstandenen Christus in eine üppige Landschaft mit Schafen, Häusern und Bäumen. Zwar ist das noch nicht die Erfindung einer eigenen Gattung, weil die Landschaft noch immer an Figuren gebunden bleibt, aber sie führt bereits ein Eigenleben. Sie erzählt vom Licht, vom Wetter und umgibt die Szene mit einer spezifischen Atmosphäre.Auf dem Bild: Tizian, Noli me tangere (Christus erscheint Maria Magdalena), um 1514, Öl auf Leinwand, 110,5 x 91,9 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: The National Gallery Photography Bild in Detailansicht öffnen
Gleichzeitig erfinden die venezianischen Maler im 16.Jahrhundert noch etwas anders: die Belle Donne, die schönen Frauen. Auf dem Bild: Jacopo Palma il Vecchio, Junge Frau in blauem Kleid mit Fächer, um 1512–14. Öl auf Pappelholz, 63,5 x 51 cm. Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie - Foto: KHM-Museumsverband Bild in Detailansicht öffnen
Allerdings sind diese makellosen jungen Damen selten wirkliche Personen, sondern Idealbilder, gemalt von Bartolomeo Veneto, Lorenzo Lotto und Tizian. Auf dem Bild: Bartolomeo Veneto, Idealbildnis einer jungen Frau als Flora, um 1520. Öl auf Pappelholz, 43,6 x 34,6 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: Ursula Edelmann - Artothek Bild in Detailansicht öffnen
Neuere Forschungen ergaben sogar eine Neuzuschreibung, so Kurator Bastian Eclery: „Sebastiano Piombos „Dame in Blau“ aus der National Gallery of Art in Washington galt bislang als Damenbildnis in Gestalt einer der klugen Jungfrauen des Mattäus-Evangeliums. Sie hält jedoch einen Parfumbrenner in den Händen, ein neues Attribut, das wir jetzt bestimmen konnten. Und so zeigt sich, dass auch sie in diese Gattung der Belle Donne gehört und ein besonders frühes Beispiel der Gattung darstellt.“Auf dem Bild: Sebastiano del Piombo, Dame in Blau mit Parfümbrenner, um 1510/11. Öl auf Holz, übertragen auf Hartfaserplatte, 54,7 x 47,5 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: Washington National Gallery of Art / Samuel Kress Collection Bild in Detailansicht öffnen
Sowohl diese Frauenbildnisse als auch die neue Landschaftsmalerei werden für ganz Europa wegweisend. Außerdem erschaffen die Künstler der Renaissance in Venedig eine neue Maltechnik zur Hervorhebung von Licht und Farbe: der Pinsel liegt nicht mehr flach auf, gibt der Farbe so mehr Struktur, die dadurch das Licht einfangen kann. Auf dem Bild: Tizian, Madonna mit Kind, der heiligen Katharina sowie einem Hirten (Die Madonna mit dem Kaninchen), um 1530. Öl auf Leinwand, 71 x 87 cm. Paris, Musée du Louvre, Département des Peintures - Foto: RMN - Grand Palais / Michèle Bellot. Bild in Detailansicht öffnen
Tizian und Kollegen beeinflussen El Greco, Rubens und ja selbst einen Thomas Struth – die großformartigen Museumsfotografien mit Bildern der Renaissance sind der Schlusspunkt dieser sehenswerten Ausstellung.Auf dem Bild: Palma Vecchio (Jacopo Negretti),1480-1528: Jupiter in der Gestalt Dianas wirbt um Kallisto. Pappelholz, 98 x 152 cm. Städel Museum Frankfurt - Bild in Detailansicht öffnen
Für Bastian Eclercy steht einer immer im Mittelpunkt: „Tizian ist der Größte unter Vielen. Ein Bezugspunkt, an dem sich alle zu orientieren haben. Er wird früh zur dominierenden Figur in der venezianischen Kunstszene, an der keiner vorbeikommt.“ Tizian war auch der erste Künstler, der weit über Italien hinaus, auch für den deutschen Kaiser und den spanischen König, gearbeitet hat. Nach dem Besuch der Frankfurter Ausstellung weiß man weshalb.Auf dem Bild: Tizian, Studie für den heiligen Sebastian, ca. 1520. Feder in Braun, braun laviert, weiß gehöht, auf graublauem Büttenpapier, 18,2 × 11,5 cm. Städel Museum Frankfurt - Foto: Artothek Bild in Detailansicht öffnen
Dauer
STAND