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Mehr als drei Milliarden Fotos werden jeden Tag in den sozialen Medien im Netz geteilt: Wie gehen wir mit diesem gigantischen Über-Fluss an Bildern um, fragt die Ausstellung „Le supermarché des images“ (Der Supermarkt der Bilder) im Pariser Jeu de Paume.
Die Ökonomie der Bilder – ihr Wert, aber auch die Lagerung, Rohstoffe, Arbeit, Mobilität und Austausch werden thematisiert. Ein Bilder-Supermarkt der Kunst, der weit über den Kunstmarkt und die Grenzen des Sichtbaren hinausgeht.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Le supermarché des images

Supermarkt der Bilder im Jeu de Paume, Paris (Foto: Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers © Bilddokumentation Philipp Ottendörfer)
Für die Ausstellung hat die mexikanische Künstlerin Geraldine Juárez die undurchsichtigen Mechanismen und Manipulationen des computergesteuerten Hochfrequenzhandels in Musik verwandelt. Dazu hat sie sich mit sogenannten „Flash Crashes“ beschäftigt, plötzliche, starke Kurseinbrüche, die nur ein paar Minuten dauern und auf die eine sofortige Erholung folgt. — Im Bild: „Gerry Images“ von Geraldine Juárez Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers © Bilddokumentation Philipp Ottendörfer Bild in Detailansicht öffnen
Mit Hilfe einer Software hat sie die Muster der Kursschwankungen in musikalische Wellenformen übertragen und unter dem Titel „Wealth Transfer“ auf eine Vinyl-Schallplatte gepresst. — Im Bild: „Rogue Waves“ von Femke Herregraven Detail der Ausstellung Infosphere / ZKM (DE) Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und der Galerie Future, Berlin © Femke Herregraven Bild in Detailansicht öffnen
Die Sounds der abstrakten Börsengeschäfte begleiten die Ausstellungsbesucher*innen im Treppenhaus zwischen den Etagen des „Supermarkts der Bilder“, den sich der Philosoph Peter Szendy ausgedacht hat. — Im Bild: „Untitled“ von Maurizio Cattelan Antoine van Kaam / Courtesy Maurizio Cattelan's Archive Bild in Detailansicht öffnen
Szendy hat auch gleich einen Begriff kreiert: die „Ikonomie“ – ein Wortgeschöpf, zusammengesetzt aus Ikonografie und Ökonomie – Bildbeschreibung und Wirtschaft. Damit trifft er ziemlich genau, was auch den amerikanischen Konzeptkünstler Kevin Abosch beschäftigt, seit 2016, als eines seiner Bilder auf dem Kunstmarkt für eine Million Dollar verkauft worden war. — Im Bild: „Telefonbilder (Emailkonstruktion 1, 2 und 3)“ von László Moholy-Nagy Mit freundlicher Genehmigung von Almine Rech und dem Weingut László Moholy-Nagy Bild in Detailansicht öffnen
In den Monaten danach habe er bemerkt, so Abosch, wie sich die Aufmerksamkeit plötzlich nicht mehr auf den künstlerischen, sondern auf den monetären Wert seiner Werke richtete. Kevin Abosch wollte die Kontrolle zurückhaben über seine Kunst. — Im Bild: „Since You Were Born“ von Evan Roth Bob Self / The Florida Times-Union / Mit freundlicher Genehmigung von MOCA, Jacksonville, Florida Bild in Detailansicht öffnen
Das gelang ihm digital - mit der Blockchain-Technologie, dem Verfahren, auf dem auch die Kryptowährung Bitcoin basiert. Den Krypto-Token der so geschaffenen virtuellen Werke, druckte er dann mit seinem eigenen Blut auf Papier. — Im Bild: „Degradación (Degradation)“ von Máximo González Máximo González Bild in Detailansicht öffnen
Die feine Papierarbeit von Kevin Abosch – einfach ein Blatt mit in der Mitte einer Reihe rätselhafter bräunlich-roter Buchstaben und Ziffern – ist eines der radikalsten und auch schönsten Werke im „Supermarkt der Bilder“, in dem die ‚Waren‘ nach Themen sortiert sind. — Im Bild: „Die Zukunft stricken“ von Chuyia Chia Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und des Singapore Art Museum © DR - Singapore Art Museum Bild in Detailansicht öffnen
Unter der Überschrift ‚Stocks‘ (Lager) ist eine riesige, vier mal zwei Meter große Fotografie von Andreas Gursky zu sehen: „Amazon“, konstruiert wie eine klassische Meerlandschaft in der Malerei, präsentiert das Bild die scheinbar endlosen Produkt-Fluten in einer Lagerhalle des Online-Händlers. — Im Bild: „Amazon“ von Andreas Gursky Andreas Gursky / Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Sprüth Magers / ADAGP, 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Psychedelisch wirken dagegen – einsortiert bei den „Rohstoffen“ im Ausstellungs-Supermarkt - die Bilder der Serie „Substrat“ von Thomas Ruff, der japanische Manga-Comics so lange manipulierte bis nur noch verschwommene Farbnebel übrigblieben. — Im Bild: „Substrat 8 II“ von Thomas Ruff ADAGP, Paris 2019 / CNAP © Foto Galerie Nelson, Paris Bild in Detailansicht öffnen
Die Werke in dieser klugen und inspirierenden Ausstellung wirken wie Momentaufnahmen im gigantischen Fluss der weltweiten Bildproduktion. Ein Supermarkt, in dem jedes Bild mindestens zwei Seiten hat: Die eine erzählt von der Ökonomisierung des Lebens, die andere von der Ökonomie der Bilder – mit echtem Künstlerblut und philosophischem Scharfsinn. — Im Bild: „Le Mécanisme Répétitif 05“ von Hao li Hao li Bild in Detailansicht öffnen

The Supermarket of Images. Le supermaché des images. Jeu de Paume, Paris, 11.2.-7.6.

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