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Ausstellung Der Aufbruch der Kunst nach dem Krieg: „Stunde Null“ in Zürich

Von Dietrich Karl Mäurer

Wie Künstler auf die Zäsuren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs reagiert haben, zeigt das Kunsthaus Zürich unter dem Titel „Stunde Null“. 70 Werke aus dem Zeitraum zwischen 1933 und 1955 sollen die Überwindung mentaler Kriegsfolgen und die Entwicklung einer neuen Freiheit des Ausdrucks veranschaulichen.

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Ausstellung

Kunsthaus Zürich - Stunde Null

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„Stunde Null“ ist der Moment der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, des Zusammenbruchs des NS-Staates. „Stunde Null“ hat das Kunsthaus Zürich gewählt als plakativen Titel für eine Ausstellung, die sich jedoch nicht auf Kunstwerke dieser kurzen Zeitspanne beschränkt.

Auf dem Bild: Käthe Kollwitz, Die Pflüger. Blatt 1 aus der Folge „Bauernkrieg“, vor 16.1.1907. Strichätzung u. a. 30,5 x 44,6 cm.

„Stunde Null“ ist der Moment der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, des Zusammenbruchs des NS-Staates. „Stunde Null“ hat das Kunsthaus Zürich gewählt als plakativen Titel für eine Ausstellung, die sich jedoch nicht auf Kunstwerke dieser kurzen Zeitspanne beschränkt.

Auf dem Bild: Käthe Kollwitz, Die Pflüger. Blatt 1 aus der Folge „Bauernkrieg“, vor 16.1.1907. Strichätzung u. a. 30,5 x 44,6 cm.

Bewusst wurde der Zeitraum größer gewählt. So soll gezeigt werden, wie die Künstler auf die massiven Zäsuren von Faschismus und Zweiten Weltkrieg reagiert haben, erklärt der Kurator der Schau, Philippe Büttner.

Auf dem Bild: Sophie Taeuber-Arp, Douze espaces, 1939. Öl auf Leinwand, 80,5 x 116 cm.

„Ich wollte unbedingt die Entwicklung bis 1955 aufgreifen“, so Philippe Büttner. „In Frankreich und den USA zeigt das Informel, in Amerika der abstrakte Expressionismus wieder eine ganz neue Kunst. Sie erst überwindet auch die mentalen Kriegsfolgen und weist auf eine neue Freiheit des Ausdrucks.“

Auf dem Bild: Fernand Léger, La fleur jaune, 1944. Öl auf Leinwand, 74 x 91,5 cm.

Gezeigt werden rund 70 Gemälde und Skulpturen unterschiedlichster Künstler aus der Schweiz, anderen europäischen Ländern und den USA. Alle stammen sie aus der umfangreichen Sammlung des Kunsthauses Zürich. Teilweise sind die Werke seit Jahrzehnten nicht mehr gezeigt worden.

Auf dem Bild: Isabelle Waldberg, Construction en bois, 1945. Holz, 44 x 56 x 54 cm.

„Am Anfang“, so Kurator Philippe Büttner, „steht ein wunderbares kleines Bild von Joachim Ringelnatz, dem Dichter. Man sieht einen Ballon, der über eine Felsmauer hinweg in die Freiheit schwebt. Am Schluss steht eine Arbeit von Jean Tinguely, der mit ganz neuen Gegenständen Geräuschkunst macht. Zwischen diesen beiden Polen entspannt sich die Ausstellung.“

Auf dem Bild: Joachim Ringelnatz, Fernes Grab, 1933. Öl auf Leinwand, 35 x 45,5 cm.

Die Werke spiegeln in ihren Unterschieden die Zerrissenheit, die Suche nach Orientierung in einer schwierigen Zeit. Die Ausstellung ist voller Kontraste.

Auf dem Bild: Alberto Giacometti und Paul Nelson: Projet pour le monument Gabriel Pétri. Fragment, 1946 Bronze, 46 x 16 x 25,4 cm.

Zum einen sind traditionell gegenständliche Gemälde zu sehen, beispielsweise das „Spinnende Mädchen“ des Schweizer Malers Hermann Huber - oder sein Bild „Vorlesende und Knabe“.

Auf dem Bild: Hermann Huber, Vorlesende und Knabe, 1940/1941. Öl auf Leinwand, 100 x 81 cm.

Zum anderen wird eine neue künstlerische Sprache in der Nachkriegszeit immer bestimmender. Dazu gehören auch abstrakte Werke von Hilla von Rebay und des US-Expressionisten Jackson Pollock.

Auf dem Bild: Hilla von Rebay, With Tenderness, 1946. Öl auf Leinwand, 84 x 77 cm.

Zu sehen sind auch Bilder von Salvador Dali, Pablo Picasso, Paul Klee, Max Bill, Oskar Kokoschka und Lovis Corinth. Was nicht zusammenzugehören scheine, so Kurator Philippe Büttner, folge dennoch einer Linie. „Ich muss ehrlich sagen, ich finde die Ausstellung passt fast ein bisschen zu gut in unsere Zeit.“

Auf dem Bild: Lovis Corinth, Der Teich, 1886. Graphitstift auf Maschinenbüttenpapier, 30,4 x 47/47,5 cm.

Zur Begründung erläutert der Kurator: „Auch damals war es eine Zeit, in der der Nationalismus eine wichtige Rolle spielte und extreme Wechsel auf politischer Ebene stattfanden. Etwas davon ist heute auch wieder spürbar.“

Auf dem Bild: Otto Baumberger, Masse, 1936. Öl auf Leinwand, 117,5 x 100 cm. Leihgabe des Kantons Zürich, 1949.

Unter dem Titel „Provenienz im Fokus“ zeigt das Kunsthaus Zürich eine kleine Begleitausstellung, die unmittelbar mit dem in „Stunde Null“ betrachteten Zeitraum verknüpft ist, die NS-Raubkunst.

Aus der Provenienzforschung der Grafischen Sammlung: Werke erworben zwischen 1933 und 1950. Auf dem Bild: Edvard Munch, Kopf bei Kopf, 1905. Holzschnitt auf Papier, 39,5 x 54 cm.

Diese Ausstellung dokumentiert die Ergebnisse eines Forschungsprojekts, in dem fast 4.000 Werke der grafischen Sammlung des Kunsthauses untersucht wurden, Werke, die in den Jahren 1933 bis 1950 in die Sammlung gelangt sind – darunter solche von Otto Dix, Käthe Kollwitz und Edvard Munch.

Aus der Provenienzforschung der Grafischen Sammlung: Werke erworben zwischen 1933 und 1950. Auf dem Bild: Otto Dix, Selbstbildnis (mit Zigarette), 1922. Kaltnadelradierung auf Büttenpapier, 38,8 x 28 cm.

3:02 min | Fr, 7.6.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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Der Aufbruch der Kunst nach dem Krieg: „Stunde Null“ in Zürich

Dietrich Karl Mäurer

Wie Künstler auf die Zäsuren des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs reagiert haben, zeigt das Kunsthaus Zürich unter dem Titel „Stunde Null“. 70 Werke aus dem Zeitraum zwischen 1933 und 1955 sollen die Überwindung mentaler Kriegsfolgen und die Entwicklung einer neuen Freiheit des Ausdrucks veranschaulichen.


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