„Stühle der Macht“ im Vitra Design-Museum in Weil am Rhein So sitzen die Bosse

Von Florian Rappaport

Stühle sind Ausdruck von Macht. Je höher die Rückenlehne des Bürostuhls, je fetter die Polsterung, desto mächtiger will der Chef wirken, der darauf sitzt. So ähnlich war es schon in der Antike. Das zeigt das Vitra Design Museum in der Ausstellung „Stühle der Macht“, vom Thron der ägyptischen Pharaonen bis zum Gartenstuhl aus Plastik.

Herrschaftliche Sitzmöbel bitte gründlich entstauben

Letzte Vorbereitungen in der Werkstatt des Vitra Design Museums. Restaurator Julian Tschech saugt über die Stühle und streicht die Staubkörner mit einer Ziegenhaarbürste in die Düse seines Staubsaugers.

So wird die Oberfläche des Objekts geschont, schließlich handelt es sich um ein besonderes Sitzmöbel für eine ganz besondere Person.

Getarnter Bürostuhl als Papstthron

„Das ist ein Papstthron, der angefertigt wurde für einen Papstbesuch in Kroatien. Ziemlich gewaltig. Aus massivem Holz. Und mitunter ist ein Vitra-Bürostuhl Teil dieser Objektcollage“, erklärt Julian Tschech.

Der Bürostuhl ist gut versteckt. Links und rechts große Armlehnen, dahinter eine Holzplatte wie eine überdimensionale Rückenlehne.

Früher nahm nur die Oberschicht Platz

„Für lange Zeit war das Sitzen auf einem Stuhl für die Oberschicht vorbehalten. Und erst seit der Industrialisierung hat das Sitzen auf einem Stuhl sich demokratisiert, auch für die breite Masse“, sagt die Kuratorin der Ausstellung, Heng Zhi.

Video: "Stühle der Macht". Fernsehbeitrag aus Kunscht!

Als allererster saß der Pharao

„Der Stuhl, wie wir ihn heute kennen, kommt aus dem alten Ägypten“, so die Kuratorin. „Der erste Stuhl entstand als der Sitz des ägyptischen Pharaos. Das erhöhte Sitzen stand seit jeher in engem Zusammenhang mit Privilegien, Status und Macht. Erst im 19. Jahrhundert begann sich die Mode zu ändern: Menschen wollten zeigen, dass sie sich Freizeit leisten konnten. Und nahmen Platz auf bequem, gepolsterten Stühlen.“

Erst im 20. Jahrhundert wird der Stuhl zum Möbel für alle

Im 20. Jahrhundert entwarfen Designer Stühle, die sich mehr Menschen leisten konnten. Stühle mit weniger aufwendiger Polsterung, die bequem sein sollten. Auch der Architekt Mies van der Rohe widmete sich dem Sitzmöbel. Für den deutschen Pavillon der Weltausstellung 1929 schuf er den Barcelona-Stuhl.

Das US-amerikanische Ehepaar Ray und Charles Eames entwickelten die Aluminium Group, ein einfaches Aluminiumgestell, auf das sie Leder- oder Stoffstücke spannten. Heute stehen diese Stühle in vielen Parlamenten, auch im Bundestag, auch im Büro von Kanzlerin Merkel.

xxxDer politische Stuhl der Gegenwart: bunt zusammengesetzt

Die Ausstellung zeigt auch den East-River-Chair der holländischen Designerin Hella Jongerius. Eine unspektakuläre Sitzschale, die 2013 für das UN-Hauptquartier in New York entworfen wurde. Kuratorin Heng Zhi: „Man sieht, die Symbolik der politischen Sitzmöbel hat sich hier schon wieder weiterentwickelt. Alles ist relativ bunt zusammengesetzt.“

East-River-Chair für Ivanka Trump, Christine Lagarde und Angela Merkel

Im Jahr 2017 hatte der East-River-Chair seinen großen Durchbruch auf der Weltbühne. Da nahmen beim W20-Frauengipfel in Berlin Kanzlerin Merkel, IWF-Chefin Lagarde und die Tochter des US-Präsidenten Ivanka Trump darauf Platz. Während deren Vater im Weißen Haus weiter auf einem dick gepolsterten Ledersessel mit breiter Sitzfläche und hoher Rückenlehne sitzt...

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