Ausstellung Wie Paris die Karlsruher Maler inspirierte

Von Marie-Dominique Wetzel

Paris war seit Mitte des 19. Jahrhunderts die führende Kunstmetropole und ein Sehnsuchtsort für Künstler. Exemplarisch zeigt die Städtische Galerie Karlsruhe in einem aufwendigen Ausstellungsprojekt, wie Paris das Werk von 40 Karlsruher Künstlern beeinflusst und geprägt hat. Allein von der Kunstakademie Karlsruhe zogen von 1850 bis 1930 rund 120 Studierende, Absolventen und Professoren an die Seine. Manchen blieben nur wenige Wochen, andere dagegen Jahre.

Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe Wie Paris die Karlsruher Maler inspirierte

Auf dem Bild:  Hans Thoma,1839–1924. “Knabe mit totem Reh”, 1868. Öl auf Leinwand, 107,4 × 80,5 cm (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste - Foto: akg-images)
Hans Thoma war im Jahr 1868 nur 16 Tage in Paris, aber dieser kurze Aufenthalt veränderte sein Leben. Er lernte unter anderem das Werk des großen Realisten Gustave Courbet kennen und sogar den Künstler persönlich. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe zeigt nun eine Leihgabe aus dem Städel Museum Frankfurt, „Knabe mit totem Reh“, die nach Thomas Paris-Aufenthalt entstanden ist. Das Bild zeigt einen kleinen Jungen im einfachen, weißen Hemd, der neben dem toten Reh kauert und es andächtig, fast ein bisschen traurig betrachtet.Hans Thoma, „Knabe mit totem Reh”, 1868. Öl auf Leinwand, 107,4 × 80,5 cm. Städel Museum Frankfurt. picture-alliance / Reportdienste - Foto: akg-images Bild in Detailansicht öffnen
Ein erster Schritt weg vom Historismus und einem akademischen Naturalismus, der damals noch in Deutschland vorherrschte, erklärt die Leiterin der Städtischen Galerie Karlsruhe, Brigitte Baumstark: „Am besten sagt es eigentlich Anselm Feuerbach: Weg von dieser deutschen Spitzpinselei, hin zu einer freieren Malweise.“Auf dem Bild: Anselm Feuerbach, Jugendliches Selbstbildnis, Paris im Winter 1851. Venedig, 1880. picture-alliance / Reportdienste - Foto: akg-images Bild in Detailansicht öffnen
In Paris folgte damals in schnellem Wechsel eine neue Kunstströmung auf die andere. Die Karlsruher Künstler sogen alles Neue auf, versuchten, in einer der zahlreichen privaten Kunstschulen unterzukommen. Otto Laible, der 1924 zum ersten Mal als Student nach Paris ging - und dann fast jedes Jahr wiederkam - malte seine Kommilitonen, wie sie dicht gedrängt in der Académie de la Grande Chaumière über ihren Zeichenblöcken sitzen. Von ihm stammen die meisten der rund 200 Bilder in der Karlsruher Ausstellung.Auf dem Bild: Otto Laible, An der Académie de la Grande Chaumière, 1932. Pressestelle Städtische Galerie Karlsruhe - Foto: Heinz Pelz Bild in Detailansicht öffnen
Das Paris von Otto Laible ist nicht nur das der berühmten Sehenswürdigkeiten und der prachtvollen Boulevards. Er unternahm ausgedehnte Streifzüge durch die ganze Stadt, malte die kleinen Leute im Bistro, Straßenköter, die in Mülleimern wühlen, und schmuddelige Seitenstraßen. Aber Otto Laible besuchte auch, genau wie die anderen Karlsruher Künstler, wann immer es ging, die zahlreichen Museen der Stadt, um Anregungen bei den großen Meistern zu finden.Auf dem Bild: Karl Hubbuch, Das Wahrzeichen, 1926. Pressestelle Germanisches Nationalmuseum Nürnberg - Foto: Monika Runge Bild in Detailansicht öffnen
Wie stark die Künstler von ihren Aufenthalten geprägt wurden und wie sie versuchten, zuhause dann das Neue in ihren Werken auszuprobieren, zeigt die Ausstellung an vielen schönen Beispielen. So malte Friedrich Kallmorgen ein großes Gemälde „Regenstimmung am Karlsruher Bahnhof“, das an Gustave Caillebotte und andere Impressionisten erinnert. Oder Emil Rudolf Weiß, der zurück aus Paris, die Stourdza-Kapelle in Baden-Baden im pointillistischen Stil malte.Auf dem Bild: Albert Haueisen, Gesellschaft im Freien, 1909. Pressestelle Städtische Galerie Karlsruhe - Foto: Galerie Bassenge, Berlin aus Privatbesitz NRW Bild in Detailansicht öffnen
Besonders interessant sind auch die Zeichnungen von Karl Hubbuch und Wilhelm Schnarrenberger, die als Vertreter der Neuen Sachlichkeit in den 1920er Jahren wieder einen ganz anderen Blick auf die Großstadt Paris hatten. Unter den Künstlern, die zwischen 1850 und 1930 zu Studienzwecken nach Paris gingen, waren nur wenige Frauen. Martha Kropp war eine von ihnen.Auf dem Bild: Wilhelm Schnarrenberger, Boulevard du Montparnasse, 1931. Pressestelle Nachlass Schnarrenberger - Foto: VG Bildkunst, Bonn Bild in Detailansicht öffnen
Überhaupt ist die Schau in der Städtischen Galerie ein Glücksgriff: Sie bietet die Möglichkeit, viele interessante Werke aus der hauseigenen Sammlung und aus der Kunsthalle Karlsruhe zu zeigen, von denen sonst viele nur im Depot schlummern.Auf dem Bild: Hanns Sprung, Rue Madelaine, Paris, 1928. Pressestelle Städtische Galerie Karlsruhe - Foto: Privatbesitz Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

"Paris, Paris! Karlsruher Künstler an der Seine 1850 - 1930", in der Städtischen Galerie Karlsruhe, ab 23. Februar 2019.

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