Ausstellung Der Graffiti-Künstler Jeroo in Stuttgart

Von Silke Arning

Angefangen hat er als Sprayer auf der Straße. Mittlerweile hat der Graffiti-Künstler Jeroo aus Stuttgart bei der documenta ausgestellt und findet jetzt auch seinen Weg ins Museum. „Off-concrete“, „weg vom Beton“, heißt die Ausstellung über sein Werk im Stuttgarter StadtPalais - und zeigt eine erstaunliche künstlerische Entwicklung.

StadtPalais Stuttgart Bilder zu "Off-Concrete" mit Werken von Jeroo Ganter

"Off-Concrete" - mit Werken des international bekannten Graffiti-Künstlers Christoph "Jeroo" Ganter. (Foto: SWR, SWR - Foto: Silke Arning)
Seine Kunst fällt auf: leuchtende, intensive Bilder, die Stuttgarts öffentlicher Szenerie einen farbenfrohen Anstrich verleihen. So winden sich Ranken und Blumenornamente einen Treppenaufgang entlang, gigantische Fische umspülen das Geländer. An einer Mauerwand kauert eine ganze Hasengruppe. Vogelgefieder umspannt ein kleines Stromhäuschen. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Blumen, Tiere, geschwungene Elemente sind eindeutig Jeroos Markenzeichen: „Jeroo hat an sich keine besondere Bedeutung“, sagt Christoph Ganter über sich selbst. „Auf die Idee gebracht hat mich ein Rapper aus New York. Der war in den 90ern erfolgreich unter dem Namen Jeroo The damaja.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Das war noch zu jener Zeit, als „Jeroo“ alias Christoph Ganter nachts mit der Sprühdose umhergeschlichen ist, um seine Graffitis illegal an einer Wand auszuprobieren. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Inzwischen hat der Autodidakt seine Street-Art zu einer eigenen Kunstform entwickelt: „Als 12-Jähriger habe ich angefangen, mich dafür zu interessieren, Schriften zu gestalten und sie groß im öffentlichen Raum anzubringen. Darüber habe ich im Laufe der Jahrzehnte den Weg in die klassische Kunst gefunden, zur Studio-Atelierkunst, aber dennoch mit Sprühdose. Man muss gut malen, und die Kunst sollte verständlich, nicht zu elitär sein.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Inzwischen ist er ganz oben angelangt: vor zwei Jahren erhielt Christoph Ganter eine Einladung zur documenta. Für die Stuttgarter StadtPalais-Ausstellung hat „Jeroo“ seine Kasseler Urban Art noch einmal auf ein eigenständiges Gemälde gebannt: eine Kristallkugel, um die sich ein Vogel schlängelt, daneben ein Blütenzweig, der sich künstlerisch am Jugendstil orientiert. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Jeroo: „Auch beim Aufbau und der Komposition habe ich mich an den Jugendstil angelehnt. Das lässt sich sehr gut mit Graffiti verbinden, da der Jugendstil auch auf der Linie basiert, ebenso wie Graffiti. Alfons Mucha ist eines meiner großen Vorbilder. Der Schwung, der Duktus, die Linien – das versuche ich auch in meinem Graffiti aufzunehmen und dadurch eine neue Stilrichtung zu schaffen.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Hinzu kommen besondere Effekte. Wassertropfen, die über ein Bild perlen: „Das ist ein Trick, den mir mal ein Autolackierer vor zehn Jahren erklärt hat. Den benutze ich auf Leinwand, indem ich Wassertropfen auf die Metallplatte mit einem Blumenbestäuber aufbringe und dann von links und rechts mit hell und dunkel annebele. Wenn das Ganze getrocknet ist, setzen sich die Pigmente ab, und das Ganze sieht aus wie realistische Wassertropfen auf der Leinwand.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Die Atelierarbeiten Jeroos haben ihren eigenen Ausdruck, werden aber ebenfalls, wie draußen, mit der Sprühdose gemalt. Den Anfang macht eine Bleistiftskizze. Dann wird der Hintergrund gesprayt, um anschließend jede Form, jede Kontur einzeln mit Kreppband abzukleben. Ein aufwändiges Verfahren, das viele Stunden in Anspruch nimmt. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Dass der Rebell von früher, der mit seiner Streetart dem gängigen Kunstbetrieb eine bewusste Absage erteilte, heute selbst im Museum ausgestellt wird, ist für manche Jeroo-Fans nicht so einfach zu schlucken. SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Christoph Ganter nimmt´s gelassen: „Das muss ich mir zum Teil anhören, ist aber in Ordnung. Ich habe lange genug meine Buchstaben gemalt und da viel Arbeit hineingesteckt. Jetzt, nach 25, 30 Jahren, möchte ich auch mal über den Tellerrand hinausschauen.“ SWR - Foto: Silke Arning Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

"Off-Concrete" mit Werken des Graffiti-Künstlers Christoph "Jeroo" Ganter. Ab dem 7. März 2019 im StadtPalais Stuttgart.

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