Ausstellung Naive Kunst-Vergötterung: Michael Jackson "on the wall" in Bonn

Von Martina Conrad

Am Nimbus von Michael Jackson haben auch Künstler kräftig mitgearbeitet. Die Bundeskunsthalle Bonn zeigt Gemälde, Skulpturen und Videos, die den 2009 an einer Medikamentenvergiftung verstorbenen King of Pop 2009 teils vergöttern. Pädophilie-Vorwürfe gegen Jackson sind kein Grund, Darstellungen der Pop-Ikone nicht zu zeigen. In der Ausstellung „Michael Jackson: on the wall“ fällt eine kritische Einordnung allerdings weitgehend aus.

Bundeskunsthalle Bonn Bilder zur Ausstellung „Michael Jackson: On the Wall“

In memory of Michael Jackson (Foto: Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Yan Pei-Ming / Courtesy of the artist, Galleria Massimo De Carlo and Galerie Thaddaeus Ropac)
Michael Jackson ist eine verblassende Lichtgestalt. Blasser wirken deshalb auch 134 Gemälde, Skulpturen und Videos von 53 Künstlerinnen und Künstlern über die Pop-Ikone. Ist diese Ausstellung also überhaupt noch zeitgemäß?Auf dem Bild: In memory of Michael Jackson, 29.08.1958 - 25.06.2009. 2017 by Yan Pei-Ming. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Yan Pei-Ming / Courtesy of the artist, Galleria Massimo De Carlo and Galerie Thaddaeus Ropac Bild in Detailansicht öffnen
Die Gegenfrage von Intendant Rein Wolfs: „Wollen wir Kulturgeschichte zum Verschwinden bringen, so tun, als ob in den letzten 30 Jahren nichts passiert ist? Nein, das wollen wir als Bundeskunsthalle nicht. Wir sind der Meinung: Wir müssen dazu stehen. Wir müssen die rezeptionsästhetische Ausstellung, die wir hier gemeinsam mit der National Portrait Gallery veranstaltet haben, weiterhin zeigen.“Auf dem Bild: An Illuminating Path, 1998 by David LaChapelle. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: David LaChapelle Bild in Detailansicht öffnen
Entsprechend auch der schriftliche Hinweis, der die Ausstellung eröffnet, Zitat: „Die Vorwürfe, die von den mutmaßlichen Opfern erhoben werden, sind schockierend. Wir sehen es als unsere Verantwortung an, diese Thematik nicht auszuklammern.“ Erst dann geht es hinein in die Popgeschichte.Lorraine O’Grady, The First and Last of the Modernists, Diptych 4 Gray (Charles and Michael), 2010, fujiflex print 1189 x 1894 mm. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Courtesy the artist and Alexander Gray Associates, New York Bild in Detailansicht öffnen
Bei seiner „Dangerous world tour“ trat Michael Jackson 1992 vor 100.000 Menschen in Bukarest auf, drei Jahre nach dem Ende des Kommunismus. Hysterische Teenies werden von Sanitätern abtransportiert.Auf dem Bild: Michael Jackson, 2004 by Maggi Hambling. Öl auf Leinwand, 970 × 900 mm. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Maggi Hambling Bild in Detailansicht öffnen
Die Menge tobt im Video von Dan Mihaltianu.  Wir sehen die berühmten Siebdrucke des King of Pop von Andy Warhol, das Gemälde von Kehine Wiley, die Jackson in Anlehnung an Rubens und Delacroix-Bilder als Herrscher hoch zu Ross und äußerst kitschig inszeniert hat. Candice Breitz hat Fans in ihrem Video eine Hymne singen lassen.Auf dem Bild: Stills from King (A Portrait of Michael Jackson), 2005, by Candice Breitz. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Kaufmann Repetto (Milan) + KOW (Berlin) Bild in Detailansicht öffnen
Ist die Bundeskunsthalle überhaupt der richtige Ort für eine Michael Jackson Ausstellung? Rein Wolfs: „Hommage-Aspekte gehören zur Ausstellung wie auch kritische Positionen. Wir sind kein Haus, das nur schöne Kunstausstellungen macht, sondern auch versucht, auf Zeitgeschichte und Kulturgeschichte zu reagieren. Michael Jackson ist eine Figur, die auch afroamerikanischen Hintergrund mitbringt.“Black Ebony I, 2010 by Lyle Ashton Harris, in Collaboration with Nicholas Wayo. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Lyle Ashton Harris / Courtesy of Lyle Ashton Harris and Maruani Mercier Gallery, Brussels Bild in Detailansicht öffnen
Der Moonwalk, die schillernden Kostüme, der Schönheitswahn und auch der Größenwahn von Michael Jackson werden vorgeführt. Ebenso seine vielen Millionen Fans. Doch selten wird das alles kritisch beleuchtet.Auf dem Bild: David LaChapelle, The Beatification: I'll never let you part for you're always in my heart, 2009. Chromogenic colour print 2438 × 1829 mm. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: David LaChapelle Bild in Detailansicht öffnen
Kann man echte Fans mit Fotografien von David LaChapelle allein lassen, in denen er Michael Jackson als Messias inszeniert? Versteht jeder die Ironie? Und warum wurden die seit Jahren bestehenden Missbrauchsvorwürfe Schutzbefohlener nicht bereits bei der Konzeption der Schau für London thematisiert? Diese Frage müssen sich die Macher jetzt gefallen lassen.Auf dem Bild: The Beatification: I’ll never let you part for you’re always in my heart. 2009 by David LaChapelle. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: David LaChapelle Bild in Detailansicht öffnen
Die Bundeskunsthalle ist um Schadensbegrenzung bemüht: „Wir wollen Gespräche führen“, so Rein Wolfs, „wir machen eine Podiumsdiskussion und haben Kunstvermittlerinnen in der Ausstellung, die auf das Publikum zugehen und mit den Menschen über unterschiedliche Sehweisen und Problematiken sprechen.“Auf dem Bild: Michael and ET, 1985 by Mark Flood. Private Collection. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: Mark Flood / Image courtesy of Maccarone, NY/LA. Stuart Shave/Modern Art, London Bild in Detailansicht öffnen
Keine Frage, Michael Jackson ist, wie es die Bonner Ausstellung signalisiert, ein globales Phänomen, erschaffen durch PR und Medien. Er ist es aber auch dank der bildenden Künstlern geworden, die ihn zuhauf in Szene gesetzt haben. Schade, dass die Schau das nicht kritischer hinterfragt.Auf dem Bild: Archangel Michael: And no message could have been any clearer. 2009 by David LaChapelle. Bundeskunsthalle Bonn - Foto: David LaChapelle Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

„Michael Jackson: on the wall“, Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn vom 22. März bis zum 14. Juli 2019.

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