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Ausstellung in Waldenbuch: Mehr Raum für Erfahrungen von Migrant*innen im Museum

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,,Wir erzählen meistens die Geschichte der Mehrheitsgesellschaft, sagt Markus Speidel, Leiter des Museums für Alltagskultur Schloss Waldenbuch, in SWR2. Die in Kooperation mit dem SWR entstandene Ausstellung „Meine kleinen Schätze“ zeige jedoch, dass unsere Gesellschaft weitaus vielfältiger sei. Menschen mit Migrationshintergrund in zweiter oder dritter Generation trügen eben ein doppeltes kulturelles Erbe, betont Speidel. Just das versuche dies Ausstellung zu veranschaulichen.

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Präsentiert werden Geschichten von Menschen mit Migrationshintergrund, die jeweils zwei Alltagsgegenstände in den Händen tragen: Einen für ihr Herkunftsland und einen für die neue Heimat Deutschland.

Für die Realisierung der Schau im Museum der Alltagskultur im Schloss Waldenbuch sei es wichtig gewesen, so Speidel, dass der SWR mit seiner Online-Ausstellung sozusagen die Grundlage geschaffen habe. ,,Weil viele Geschichten schon erzählt waren und wir nur über die Transferierung ins Museum nachdenken mussten."

Mehr Raum für Erfahrungen von Migrant*innen im Museum

Nach der Erfahrung mit dieser Ausstellung und angesichts der Bedeutung von Migranten und Migrant*innen in der deutschen Gesellschaft werde das Thema Migration auch in seinem Museum in Zukunft definitiv eine größere Rolle spielen, kündigte Markus Speidel an.

,,Wenn wir so einen großen Teil der Bevölkerung in unseren Museen ausblenden, dann wird irgendwann zurecht die Frage gestellt, für wen seid Ihr da und für was gibt es Euch eigentlich", so Speidel selbstkritisch. ,,Es ist die Aufgabe eines Museums, die gesamte gesellschaftliche Breite darzustellen."

Meine kleinen Schätze — Geschichten von Migration Muhterem Aras: Vollkornbrot und Honig

Muhterem Aras, wurde 1966 in der Türkei geboren und kam mit ihren Eltern und Geschwistern 1978 nach Deutschland. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften und hat in Stuttgart ein Steuerberatungsbüro. In die Politik ging sie 1999, zunächst als Gemeinderätin, seit 2011 als Landtagsabgeordnete (für Bündnis90/Die Grünen). Seit 2016 ist Muhterem Aras Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, als erste Frau in dessen Geschichte und als erste mit Migrationshintergrund bundesweit.  mehr...

Meine kleinen Schätze — Geschichten von Migration Viktoriia Vitrenko: Kaffeebohnen und ein Buch zur Geschichte der Ukraine

Viktoriia Vitrenko ist eine vielseitige Sängerin, Dirigentin und Kulturaktivistin. Nachdem sie Dirigieren an der National Musikakademie der Ukraine studiert hatte, zog sie 2015 nach Stuttgart, um hier ihre Ausbildung in Chordirigieren und Gesang zu vertiefen. Ihre „kleinen Schätze“ sind ein historisches Buch über die Ukraine sowie Kaffeebohnen, deren Duft sie an ihre Verbindung mit Deutschland erinnert.  mehr...

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Meine kleinen Schätze - Geschichten von Migration Maria Tramountani: Schlüsselbund und Oregano

Maria Tramountani ist Referentin beim Landesjugendring Baden-Württemberg in Stuttgart. Ihre Großeltern kamen in den sechziger Jahren von Griechenland nach Deutschland. Der Schlüsselbund ist für sie ein Symbol der Zugehörigkeit, jeder Schlüssel daran steht für eine „kleine Heimat“. Beim Geruch von Oregano denkt sie immer an die Insel Samothraki, wo sie viele Sommer mit der Familie wilden Oregano gepflückt hat.  mehr...

Meine kleinen Schätze — Geschichten von Migration Cem Özdemir: Schneiderschere und Mantel aus Schurwolle

Der „anatolische Schwabe“ und Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir kam am 21. Dezember 1965  in Bad Urach zur Welt. Seine Eltern waren Anfang der 1960er Jahre aus der Türkei eingewandert und haben sich erst hier kennen gelernt. Zwei Erinnerungsstücke an seinen Eltern sind Özdemirs „kleine Schätze“: Der Wintermantel seines Vaters und die Schneiderschere seiner Mutter.  mehr...

Meine kleinen Schätze – Geschichten von Migration Merve Uslu: Familien-Fotoalben und Wanduhr

Merve Uslu studiert Ethnologie und Soziologie in Heidelberg. Sie wurde 1996 in Mannheim geboren. Ihre Großeltern kamen in den 1960er Jahren als türkische Gastarbeiter nach Deutschland. 2020 reiste sie für einen Dokumentarfilm in die Heimat der Großeltern, um herauszufinden, welche Veränderungen Auswanderung mit sich bringt. Die Fotoalben stehen für die Vergangenheit und Herkunft ihrer Großeltern, die Wanduhr für die Zeit, die sie länger in Deutschland verbringen als geplant.  mehr...

Digitale Ausstellung Meine kleinen Schätze – Geschichten von Migration

Schlüsselbund und Oregano, Weinberge und türkischer Tee, Goethe und Nazim Hikmet: zwei Gegenstände, die Menschen mit ihrer Herkunft verbinden und mit ihrem Leben in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. In der digitalen Ausstellung erzählen sie anhand ihrer „kleinen Schätze“ ihre Geschichte und die ihrer Eltern oder Großeltern. Viele von ihnen sind vor rund 60 Jahren im Zuge der Anwerbeabkommen aus Ländern wie Italien, Spanien und der Türkei nach Deutschland gekommen.  mehr...

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