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"Gold & Wein. Georgiens älteste Schätze" im Archäologischen Museum Frankfurt Der goldene Löwe von Georgien

Von Gaby Böhne

Eine Ausstellung im Archäologischen Museum in Frankfurt am Main wirft einen Blick auf die Geschichte und Schätze Georgiens, Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Besonders beeindruckend: die frühen kunsthandwerklichen Zeugnisse.

Frühe georgische Hochkultur

Warmes Klima in den Ebenen, umgeben von schneebedeckten Bergen. Georgien war schon für Menschen in der Jungsteinzeit ein attraktiver Siedlungsort. Bereits vor 7.000 Jahren experimentierten Menschen mit frühen Getreidesorten wie Emmer und Einkorn, züchteten Schafe und bändigten Wildpferde.

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"Gold und Wein. Älteste Schätze Georgiens"

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Halskette mit Anhängern. Die Halskette besteht hauptsächlich aus einem 43g schweren, größeren Anhänger, welcher aus reinem Gold gegossen wurde. Ananauri Hügelgrab 2. Kreis Lagodechi, Kacheti Region. 2400 v. Chr., Martqopi-Period. Gold. L-40 cm, Anhänger- 5,6 x 5,8 cm, Gw-132,8 g.

Halskette mit Anhängern. Die Halskette besteht hauptsächlich aus einem 43g schweren, größeren Anhänger, welcher aus reinem Gold gegossen wurde. Ananauri Hügelgrab 2. Kreis Lagodechi, Kacheti Region. 2400 v. Chr., Martqopi-Period. Gold. L-40 cm, Anhänger- 5,6 x 5,8 cm, Gw-132,8 g.

Phallus aus Aruchlo 5800–5500 v. Chr. Stabaufsätze aus Geweih in phallischer Form finden sich nur in den neolithischen Dörfern im Südkaukasus.

Der vierrädrige Wagen ist aus massivem Holz hergestellt. Hauptteile des Wagens sind der Rahmen und die darauf mit Holzkeilen befestigten Bretter für den Boden, vier Räder, Achse und Deichsel. Alle Teile des Wagens sind sehr gut gearbeitet. Der Wagen war zerstört und deformiert. Ananauri Hügelgrab 3. Kreis Lagodechi, Kacheti Region
2400 v. Chr., Bedeni-Periode. Holz. L-2,8 m., B-1,1-1,2 m, DM-der Räder 143–154 cm

Bei dem goldenen Schläfenring aus Satschkhere handelt es sich um das älteste Goldobjekt Georgiens überhaupt. Er datiert in die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.

Stilisierte anthropomorphe Figurinen aus Khramis Didi Gora (Kvemo Kartli Region). Teilweise mit deutlich ausgearbeiteter Brust. 6000–5200 v. Chr. Ton. H-5,0 cm, D-2,5 cm, Gw-16g

Erz mit Goldader. Sakdrissi. Kreis Bolnissi, Kvemo Kartli Region. 2. Hälfte des 4. Jahrtausends v. Chr.

Der über 80 cm hohe Pithos aus Ton stammt aus Kwazchelebi (Ostgeorgien) und diente zur Aufbewahrung von Wein, 3400–2500 Jahre v. Chr.

Das Modell eines zweirädrigen Wagens aus Badaani stellt den bislang ältesten sicheren Nachweis des Wagens in Georgien dar.

Die goldene Löwenfigur aus einem Hügelgrab in Tsnori (Kachetien, Ostgeorgien) wird in die 2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert und gehört zu den wichtigsten Funden Georgiens.

Ältestes Goldbergwerk der Menschheit

Außerdem betrieben die frühen Georgier Goldbergbau. Metertief gruben sie sich in die Erde und hinterließen das archäologisch älteste nachweisbare Goldbergwerk der Menschheit. Es lieferte auch das Prachtstück der Ausstellung: einen etwa fünf Zentimeter großen goldenen Löwen.

Die goldene Löwenfigur aus einem Hügelgrab in Tsnori. Ausstellung "Gold & Wein - Georgiens älteste Schätze" Archäologisches Museum Frankfurt ( Ausstellungsort: Karmeliterkloster, Münzgasse 9, Ffm.)

Die goldene Löwenfigur aus einem Hügelgrab in Tsnori (Kachetien, Ostgeorgien) wird in die 2. Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. datiert und gehört zu den wichtigsten Funden Georgiens.

Der goldene Löwe - ein georgisches Nationalsymbol

Der Löwe ist über 4.000 Jahre alt. Jeder Georgier kennt ihn, zum Beispiel als Motiv auf heutigen Geldscheinen. Liane Giemsch, Prähistorikerin am Archäologischen Museum Frankfurt: „Er hat kleine Löcher in den Pfoten. Da war er wahrscheinlich aufgesteckt. Er repräsentierte die Macht des Verstorbenen."

Luxusgegenstände wie Halsketten, kleine Schläfenringe oder Herrschaftssymbole aus Gold sprechen für eine früh differenzierte Gesellschaft. Ebenso die hölzernen Scheibenräder eines großen Wagens, auf dem ein Herrscher unter einem Grabhügel bestattet wurde.

Wagen: Ausstellung "Gold & Wein - Georgiens älteste Schätze" Archäologisches Museum Frankfurt ( Ausstellungsort: Karmeliterkloster, Münzgasse 9, Ffm.)

Der vierrädrige Wagen ist aus massivem Holz hergestellt. Hauptteile des Wagens sind der Rahmen und die darauf mit Holzkeilen befestigten Bretter für den Boden, vier Räder, Achse und Deichsel. Alle Teile des Wagens sind sehr gut gearbeitet. Der Wagen war zerstört und deformiert. Ananauri Hügelgrab 3. Kreis Lagodechi, Kacheti Region2400 v. Chr., Bedeni-Periode. Holz. L-2,8 m., B-1,1-1,2 m, DM-der Räder 143–154 cm


Die Räder sind mannshoch, größer und älter als ähnliche Funde aus Süddeutschland und Österreich. Die Ursprünge des Bestattungskults sind laut Prähistorikerin Liane Giemsch allerdings unklar.

Georgien eine der ersten Weinanbau-Landschaften

Schließlich belegen chemische Untersuchungen, dass Georgien neben dem Iran auch eine der ersten Weinbau-Landschaften ist. Man habe wilden Wein in Georgien kultiviert, so Liane Giemsch.

Das Archäologische Museum Frankfurt bietet im Rahmen der Begleitveranstaltungen vom Festmahl bis zur Lesung und Filmvorführung auch die Gelegenheit, georgische Weine zu probieren und eine unbekannte Kultur näher kennenzulernen.


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