Ausstellung Pflanzenfantasien in der Kunst: „Gewächse der Seele“ in Ludwigshafen und Heidelberg

Von Eberhard Reuß

Seelische Zustände in der Darstellung von Blumen und Pflanzen abzubilden - diesem Thema der Kunst widmet sich ein länderübergreifendes Ausstellungsprojekt in Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Bad Dürkheim: „Gewächse der Seele – Pflanzenfantasien zwischen Symbolismus und Outsider Art“ ist eine gewaltige Gesamtschau der Metropolregion Rhein-Neckar unter anderem im Wilhelm-Hack-Museum und der Sammlung Prinzhorn.

Ausstellung Bilder zu „Gewächse der Seele“ in der Region Rhein-Neckar

Gewächse der Seele – Pflanzenfantasien zwischen Symbolismus und Outsider Art (Foto: SWR, SWR - Foto: Eberhard Reuß)
Manche sagen es durch die Blume. Und dichten sogar etwas dazu. Wie Psychiatriepatient Franz Malter anno 1909 in der Heil- und Nervenanstalt Bayreuth – Malter war verliebt in Gattin und Tochter des Ärztlichen Direktors. „La pascha sebola popera la paschma paschal“, zitiert Ausstellungskuratorin Ingrid von Beyme das Blatt „Pria de Pabila“ – eine mit Bleistift festgehaltene babylonische Sprachverwirrung garniert mit der Zeichnung eines Turmes.Auf dem Bild: Kuratorin Ingrid von Beyme und Thomas Röske, Leiter Sammlung Prinzhorn, mit einem Werk von Anna Zemánková (ohne Titel um 1960-1965). SWR - Foto: Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
Ingrid von Beyme, Ausstellungskuratorin der Prinzhorn-Sammlung: „Unten am Boden tut sich eine ganz große, üppig blühende, voluminöse Blüte auf. Das ist sozusagen Blumensprache, wie sie hier auch in anderen Werken auftaucht.“Auf dem Bild: Hanna Hellmann, Ohne Titel, 1939-1942. Pastell auf Transparentapier, 25,3 x 15,7 cm. Pressestelle Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg - Bild in Detailansicht öffnen
 „Gewächse der Seele“ – ist der Titel dieses Ausstellungsprojekts von fünf Kultureinrichtungen rechts und links des Rheins. Die Heidelberger Sammlung Prinzhorn schärft mit ihren Blättern den Blick für die Symbolik in den Blumenmotiven der Anstaltskünstler.Auf dem Bild: Johannes Waldbrunner, Wasserstern, 1988. Ölpastell auf Karton 45 x 76 cm. Pressestelle Sammlung Hassbecker, Museum Haus Cajeth - Bild in Detailansicht öffnen
Else Blankenhorn malt sich als scheues Veilchen. Heinz Mewes vergöttlicht das Vergissmeinnicht – die Anstaltsblume schlechthin, so Ingrid von Beyme: „Sie taucht wirklich sehr oft in Werken auf und appelliert natürlich an die Außenwelt: ‚Vergesst mich hierdrin nicht!‘“Auf dem Bild: František Kupka, Bouillonnement violet, 1920. Öl auf Leinwand, 79 x 72 cm. Pressestelle Wilhelm Hack Museum - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Thomas Röske, der Leiter der Heidelberger Prinzhorn Sammlung, hat den Anstoß zu einem opulenten Ausstellungsreigen gegeben. Das kunsttheoretische Leitmotiv dafür: „Der Symbolismus als Geburtshelfer für das Sehen, das Erkennen der spezifischen Eigenart dieser Werke. Das beeinflusst uns eigentlich bis heute, das ist die eigentliche Botschaft der Ausstellung. Und dass sich das gerade am Symbol der Pflanze zeigt, ist fast unvermeidlich.“Auf dem Bild: Barbara Honywood, Album Page XII, 1864. Aquarellfarbe und Tinte auf Papier, 36,2 x 25,7 cm. Pressestelle Wilhelm Hack Museum - Bethlem Museum of the Mind Bild in Detailansicht öffnen
Das Ludwigshafener Wilhelm Hack-Museum erinnert in großem Stil an die prominentesten Grenzgängerinnen und Grenzgänger der Malerei, die von Künstlern wie Max Ernst, Paul Klee und René Magritte nachhaltig beeinflusst wurden.Auf dem Bild: Max Ernst, Der letzte Wald, 1960. Öl auf Leinwand, 114 x 145,5 cm. Pressestelle Centre Pompidou, Musée d'Art Moderne de Saint - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Am Anfang steht Georgiana Houghton mit ihren abstrakten floralen, wellenförmigen Bildern. Entstanden sind sie bereits ab 1860, nach spiritistischen Sitzungen und lange bevor die Kunstgeschichte den Begriff der abstrakten Malerei kannte.Auf dem Bild: Georgiana Houghton, The Risen Lord, 1864. Wasserfarbe und Gouache auf Papier auf Holz aufgezogen, 23,7 x 32,6 cm. Pressestelle Wilhelm Hack Museum - Victorian Spiritualists‘ Union inc., Melbourne, Australia Bild in Detailansicht öffnen
Kuratorin Julia Nebenführ: „Man hat tatsächlich den Eindruck, dass eine Geisterhand aus einer anderen Realität auf dem Blatt malt, und das kann man auch nur auf dem Original sehen.“Auf dem Bild: René Zechlin, Direktor des Wilhelm-Hack-Museums Ludwigshafen und Julia Nebenführ, Kuratorin des Wilhelm-Hack-Museums. SWR - Foto: Eberhard Reuß Bild in Detailansicht öffnen
Im Rundgang durch das Wilhelm-Hack-Museum verwischen die vom kunsthistorischen Kanon gezogenen Grenzen, da hängen die opulenten Blumen- und Blüten-Öltableaus von Séraphine Louis problemlos neben einem nachtblauen Wald von Max Ernst.Hier auf dem Bild: Peter Pankow - Entdeckung der Landschaft, 2012. Ölkreide auf Papier, 150 cm x 220 cm. Pressestelle Thikwa-Werkstatt für Theater und Kunst, Berlin - Foto: Susanne Bachmann (Galerie Alte Turnhalle) Bild in Detailansicht öffnen
René Zechlin, der Direktor des Wilhelm-Hack-Museums, zeigt die Abteilung der ehemaligen Außenseiterin und inzwischen anerkannten Pionierin der abstrakten Kunst, Hilma Af Klint. Mit stark anthroposophisch angehauchten Blumenaquarellen. „Man sieht auf den ersten Blick eigentlich gar keine Blumen und Bäume, sondern Farbkreise, die wiederum umhüllt sind. Es ist eigentlich eher eine Form von Aura-Malerei. Pflanzen als Sinnesorgane des großen Organismus Welt.“Auf dem Bild: Le voyageur Francais (Fall 470), Ohne Titel, undatiert. Deckfarben und Tinte auf Zeichenpapier, 28,4 x 23,5 cm. Pressestelle Sammlung Prinzhorn, Universitätsklinikum Heidelberg - Bild in Detailansicht öffnen
Flores y Mujeres. Frauen und Blumen: Immer wieder sind es Künstlerinnen, die mit abstrakten Blumendarstellungen ziemlich konkrete sexuelle Fantasien auslösen. Oder ist das am Ende nur der männliche Blick des Reporters? In Zeiten von #MeToo urteilt Kuratorin Astrid Ihle: „Es schwelgt in weiblicher Sinnlichkeit, ist ein Fest der Erotik, der weiblichen Sinnlichkeit, aber vielleicht eben nicht für den männlichen Blick gemacht.“Auf dem Bild: Helena Philomena Klara Katinka Maisch, Ohne Titel, 1919. Bleistift und Wasserfarben auf Papier, 22,3 x 28,9 cm. Pressestelle Universitätsklinikum Heidelberg, Sammlung Prinzhorn - Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

„Gewächse der Seele – Pflanzenfantasien zwischen Symbolismus und Outsider Art“ im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, im Museum Sammlung Prinzhorn und Haus Cajeth in Heidelberg sowie in der Galerie Alte Turnhalle in Bad Dürkheim vom 31. März bis zum 4. August 2019.

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