Ausstellung Geschichte der unbemannten Flugobjekte: „Game of Drones“ in Friedrichshafen

Von Karin Wehrheim

Schätzungen zufolge sind schon bald über eine Million Drohnen in Deutschland unterwegs. Sie überwachen, transportieren, fotografieren, in der Landwirtschaft, im Katastrophenschutz, militärisch und als Spielzeug. Wie Drohnen unsere Sicht auf die Welt verändern, zeigt die Ausstellung „Game of Drones – von unbemannten Flugobjekten“ im Zeppelin Museum in Friedrichshafen. Ein Schwerpunkt: die Gefahren, die von Drohnen als unbemannten Kriegsgeräten ausgehen. Kunscht! nimmt die unbemannten Flugobjekte ins Visier.

Ausstellung „Game of Drones“ im Zeppelin Museum Friedrichshafen

Ausstellung "Game of Drones" von unbemannten Flugobjekten (Foto: Pressestelle, Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter)
Drohnen im Halbdunkel. Man kann sie auf sich wirken lassen. Überall sind sie im Raum verteilt. Jürgen Bleibler vom Zeppelin Museum: „Wir erzählen die Geschichte des unbemannten Fliegens an ausgewählten Beispielen.“ Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Jürgen Bleibler: „Auf der einen Seite zeigen wir sehr viel Technikgeschichte in den Medienstationen. Und es gibt attraktive dreidimensionale Exponate wie den Drachen der Firma Steiff, den Roloplan, Lenkwaffensysteme oder Aufklärungsdrohnen der Bundeswehr.“Auf dem Bild: Ausstellungsansicht CL-89-Lenkflugkörpersystem. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Eine weitere Attraktion im Zeppelin Musuem: Die HAROP, eine israelische Kampfdrohne, die auch auf Entwicklungen von Dornier in Friedrichshafen zurückgeht (Bild). Jürgen Bleibler: „Wir zeigen auch ,normale‘ Drohnen, also einen Oktokopter.“ Die Drohne verändere den Blick und schaffe völlig neue Möglichkeiten, von oben auf die Welt zu schauen. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Wer den Ausstellungsraum betritt, fühlt sich in die Aufnahme einer Wärmebildkamera versetzt: Wände und Böden sind dunkelblau, daraus ragen – wie Pixel, die Wärme anzeigen – Blöcke in orange, pink und rot heraus. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Die Medienstationen erzählen davon, dass 1889 ein französischer Fotograf als erster eine Kamera unter einen Drachen hängte. Mit Sprengsätzen versehene Heißluftballone kamen noch im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz.Auf dem Bild: Japanische Ballonbomben im Zweiten Weltkrieg Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Bild in Detailansicht öffnen
Die Niederländer richten heute sogar Greifvögel ab zur Abwehr von Drohnen. Erstmals wird bei einer Ausstellung in Deutschland, so die Kuratoren vom Zeppelin Museum, die Geschichte der unbemannten Flugobjekte beleuchtet.Auf dem Bild: James Bridle: Drone Shadow, 2012, Istanbul. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: James Bridle Bild in Detailansicht öffnen
In einem Video werden Interviews eines traumatisierten Drohnenpiloten der US-Air Force mit nächtlichen Luftaufnahmen einer Großstadt montiert.Auf dem Bild: Omer Fast. 5000 feet ist the best, 2011, Video. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Omer Fast Bild in Detailansicht öffnen
„Die Ausstellung versucht, die Widersprüchlichkeit dieser Technologie sichtbar zu machen, dass es verschiedene Einsatzformen gibt, im Krieg, zur Überwachung, im Widerstand. Auch als animistisch beseelte Objekte werden Drohnen gesehen. Und es ist ein Spielzeug, das viele Menschen nutzen.“ Ina Neddermeyer, Leiterin der Abteilung Kunst, Zeppelin Museum Friedrichshafen.Auf dem Bild: Raphaela Vogel, Prophecy, 2016. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Raphaela Vogel Bild in Detailansicht öffnen
Auf großen Monitoren laufen Szenen vom Protest gegen eine Ölpipeline in Dakota in den USA und gegen ein Bergbauprojekt in Nordskandinavien. Verschneite Landschaften, Rentierherden, Demonstranten. Die Widerständler nutzten eine Drohne zur Dokumentation, bis diese von Unbekannten gehackt wurde und verschwand.Auf dem Bild: Ignacio Acosta: Little ja Goabddá (Drones and Drums), 2017, Two-Channel Video Installation. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Die Drohne wird zum beseelten Objekt, zum nahezu menschlichen Gegenüber. Folgerichtig hat das Zeppelin Museum für die Ausstellung eine eigene Drohne angeschafft. „Claire“ (vorn) gehört zum Team, nimmt teil an Besprechungen, beobachtet die Museumsbesucher und teilt ihre Beobachtungen in Sozialen Medien. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Markus Tretter Bild in Detailansicht öffnen
Wie sehr bestimmen Drohnen das Leben jedes Einzelnen in Zukunft? Wie stark schon jetzt? Auf dem Bild: Korakrit Arunanondchai: Painting with history in a room filled with people with funny names 3, 2015, Video. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Korakrit Arunanondchai Bild in Detailansicht öffnen
Ein Musikclip zeigt es drastisch: Der von Naomi Campbell (Bild) inszenierte Song erzählt von einem neunjährigen Mädchen in Afghanistan. Museumsleiterin Claudia Emmert: „Die ganze Familie ist durch eine Drohne umgekommen. Jetzt sitzt das Mädchen da, weint und möchte ebenfalls von einer Drohne getötet werden. Eine popkulturelle Annäherung, aber mit einem gravierenden Hintergrund.“Auf dem Bild: Anohni: Drone bomb me, 2016, Video. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Anohni Bild in Detailansicht öffnen
Es ist keine leicht verdauliche Sommerausstellung, die das Zeppelin Museum hier bietet, aber sie ist in jedem Falle sehenswert.Auf dem Bild: Airbus Do T25IR Lenkwaffe. Pressestelle Zeppelin Museum Friedrichshafen - Foto: Airbus Defence and Space GmbH Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

„Game of Drones. Von unbemannten Flugobjekten“, vom 7. Juni bis zum 3. November im Zeppelin Museum Friedrichshafen.

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