Ausstellung in Stuttgart: "Faszination Schwert" Waffe, Statussymbol, Kultobjekt

Von Silke Arning

Die minutenlangen Schwertkampfszenen in viele Action-Filme haben mit der historischen Realität oft wenig zu tun. Denn die kiloschweren Schwerter ließen sich weder lange noch mühelos beherrschen. In vielen Fällen waren Schwerter vor allem Prestige- und Kultobjekte, symbolisierten Macht, Männlichkeit und Privilegien. Die Sonderausstellung im Württembergischen Landesmuseum zeigt neben historischen Waffen auch Kunstwerke und Repliken aus Serien und Computerspielen, die die "Faszination Schwert" widerspiegeln.

Anduril, Flamme des Westens – mit diesem mächtigen Schwert zieht Aragorn in Tolkiens Fantasy-Epos „Herr der Ringe“ gegen die Bösewichter zu Felde. Und im Nibelungenlied streckt Siegfried den Drachen mit seiner Klinge Gram nieder. Legendäre Schwerter aus einer sagenumwobenen Schmiede. Die „Ulfberth“-Schwerter müssen einen ähnlichen Ruf gehabt haben. Ab dem 9. Jahrhundert sorgen sie in der kriegerischen Männerwelt für Aufsehen.

Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart "Faszination Schwert"

Illustration aus dem Fechtbuch „Alte Armatur und Ringkunst“. Ausstellung "Faszination Schwert", Landesmus. Württemberg, Stuttgart, Oktober 2018 (Foto: SWR, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Royal Danish Library / Dänische Königliche Bibliothek, Kopenhagen / Dänemark, MS Thott.290 folio)
Illustration aus dem Fechtbuch „Alte Armatur und Ringkunst“ , Blatt 123r, 1459. Hans Talhoffer und Michel Rotwyler, Bayern Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Royal Danish Library / Dänische Königliche Bibliothek, Kopenhagen / Dänemark, MS Thott.290 folio Bild in Detailansicht öffnen
"Star Wars"-Spielzeugfigur „Darth Vader“, 2015 Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Illustration aus dem „Codex Manesse“ um 1300-1340, Zürich / Schweiz Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Universitätsbibliothek Heidelberg, Cod. Pal. germ. 848 Bild in Detailansicht öffnen
Säulensockel aus dem Stabsgebäude des Mainzer Legionslagers mit zwei Legionären mit pilum und gladius, zweite Hälfte 1. Jh. n.Chr. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © GDKE – Direktion Landesmuseum Mainz, Foto: Ursula Rudischer Bild in Detailansicht öffnen
Standbild Eberhards im Bart, 1859. Ludwig Hofer, Innenhof Altes Schloss Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Zwölf Fragmente eines bronzenen Vollgriffschwerts 9. Jahrhundert v.Chr., Blaubeuren-Asch, Alb-Donau-Kreis Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Eisernes Kultschwert 2. Jahrhundert n.Chr., Riegel am Kaiserstuhl, Kreis Emmendingen. Leihgabe des Badischen Landesmuseums, Karlsruhe Landesmuseum Stuttgart - © Badisches Landesmuseum, Karlsruhe; Foto: Thomas Goldschmidt Bild in Detailansicht öffnen
Württembergisches Herzogsschwert 1495, Stahl, geätzt, Silber, Draht. Private Leihgabe S.K.H. Carl Herzog von Württemberg, Altshausen Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Skulptur der Heiligen Katharina von Alexandrien um 1450 Holz. Spätere Farbfassung Werkstatt von Hans Multscher, Ulm Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch Bild in Detailansicht öffnen
Prunkschwert Herzog Friedrich I. von Württemberg um 1594. Stahl, geätzt, Silber, Draht und Silberschwert (re) Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © H. Zwietasch; Landesmuseum Württemberg, Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Skulptur „Schwerter zu Pflugscharen“, 1957 Jewgeni Wutschetitsch (1908 – 1974), vor dem UNO-Hauptquartier in New York City/USA, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Credit: Patti McConville / Alamy Stock Photo Bild in Detailansicht öffnen
Mitmachstation "Excalibur" Silke Arning - Bild in Detailansicht öffnen

Premiumprodukt und Exportschlager: Das Ulfberth-Schwert

Die Ulfberth-Schwerter waren ein Markenzeichen im frühen Mittelalter. Diese Schwerter waren extrem begehrt, weil sie eine herausragende Qualität hatten. Sie wurden wahrscheinlich im östlichen Teil des Frankenreiches hergestellt, genau weiß man es nicht. "Man weiß auch nicht, wer dieser Ulfberth war – ob Schmied oder Werkstattbesitzer, also sehr geheimnisvoll", sagt Kuratorin Nina Willburger vom württembergischen Landesmuseum. "Was wir aber wissen: es waren Premiumprodukte, die so begehrt wurden, dass sie bis nach Osteuropa bis nach Skandinavien verhandelt wurden. Rüstungsexporte gab es also schon vor über 1000 Jahren."

Breites Kurzschwert der römischen Legionäre

Breit, schmal, flach, lang – das Schwert verändert sich je nach Anforderung. Die römischen Legionäre führen ein breites Kurzschwert hinter ihrem Schild, während die sogenannten Panzerstecher schon mal 1,5 Meter lang werden konnten, um die schweren Ritterrüstungen aufzuknacken. Schwerter sind Symbol von Macht und Männlichkeit, sie schmücken Fürsten und Könige und sie sind Kult. Wie, das zeigt eine aufwändig inszenierte Moorlandschaft in der Ausstellung.

Schwerter als Grabbeilage

Zwölf Fragmente eines bronzenen Vollgriffschwerts 9. Jahrhundert v.Chr. Ausstellung "Faszination Schwert", Landesmus. Württemberg, Stuttgart, Oktober 2018 (Foto: SWR, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch)
Fragmente eines bronzenen Vollgriffschwerts aus dem 9. Jahrhundert v.Chr. Landesmuseum Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart; Foto: Hendrik Zwietasch

Ein frühes Keltisches Schwert aus Trochtelfingen hängt verbogen in einer Vitrine. Es wurde unbrauchbar gemacht, um es dem toten Besitzer mit ins Grab zu geben. Ganz zentral in der Ausstellungen Inszenierung sind Schwerter als Grabbeilage, die man zum Beispiel in Mooren gefunden wurden. Nina Willburger: "Man hat die Schwerter den Göttern geschenkt in der Hoffnung auf Gegenleistung. Man hat sich ja immer etwas vom Opfer versprochen."

Das Schwert als Symbol in Politik und Religion

„Bismarck, Schmied der deutschen Einheit, überreicht Germania das Reichsschwert“ spätes 19. Jahrhundert. Ausstellung "Faszination Schwert", Landesmus. Württemberg, Stuttgart, Oktober 2018 (Foto: SWR, Landesmusem Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Bildarchiv)
„Bismarck, Schmied der deutschen Einheit, überreicht Germania das Reichsschwert“, spätes 19. Jahrh. Holzschnitt nach einem Gemälde von Guido Schmitt (1834–1922) Landesmusem Württemberg, Stuttgart - © Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Bildarchiv

Aber Schwerter sind mehr als eine reine Kriegswaffe: Beim jüngsten Gericht sieht man Christus mit zweischneidigem Schwert im Mund, die heilige Katharina stützt sich auf ein Schwert, das den Kampf für die christliche Botschaft symbolisiert. Mit dem Richtschwert werden Menschen enthauptet, in der Propaganda wird das Schwert zu politischen Zwecken überhöht.

So wird zum Beispiel in einem Holzschnitt aus dem späten 19. Jahrhundert Otto von Bismarck gezeigt, der ein frisch geschmiedetes Schwert als Symbol der Einheit an die Göttin Germania überreicht.

An Mitmachstationen können Kämpfe simuliert werden

Von der Herstellung über Gebrauch und Bedeutung bis in die Gegenwart führt die Ausstellung im Württembergischen Landesmuseum durch die Welt der Schwerter. Es gibt Mitmachstationen, bei denen man Kampffolgen simulieren oder sich zum Ritter schlagen kann. Und mit dem Laserschwert aus Star Wars gehen die Stuttgarter dem aktuellen Hype in Film, aber auch in den historisch nachgestellten Kampfspielen nach. Es ist eine faszinierende Welt. Sicher. Aber auch eine grausame, was die Ausstellung nicht verschweigt.

STAND