Ausstellung Ziemlich beste Freunde: Bilder aus dem „Centre Pompidou“ im „Museum Frieder Burda“

Von Kathrin Hondl

„Ensemble“ lautet der schlichte Titel der neuen Ausstellung im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Denn das Haus begeht seinen 15. Geburtstag „gemeinsam“ mit einem großen französischen Freund: Das Centre Pompidou in Paris zeigt Werke aus seiner Sammlung zusammen mit der Kunst des Hauses Frieder Burda. Ein Zusammenspiel ziemlich bester Freunde, bei dem allerdings nicht alles zusammen passt.

Museum Frieder Burda Bilder zur Ausstellung „Ensemble“ in Baden-Baden

Georg Baselitz, Die Mädchen von Olmo II, 1981 (Foto: Museum Frieder Burda - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Bertrand Prévost/Dist. RMN-GP / Georg Baselitz)
Die berühmte verglaste Rolltreppen-Röhre des Centre Pompidou verbreitet Paris-Flair – auf den Plakaten, die für die Baden-Badener Ausstellung werben. Doch im Museum Frieder Burda, im großen hohen Saal des Erdgeschosses, begrüßen erst einmal alte deutsche Bekannte die Besucherinnen und Besucher dieser Geburtstagsausstellung: Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Gerhard Richter, Anselm Kiefer – Künstler, die in der Sammlung von Frieder Burda prominent vertreten sind.Bild: Georg Baselitz, Die Mädchen von Olmo II, 1981. Collection Centre Pompidou, Paris. Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Ankauf 1982. Museum Frieder Burda - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Bertrand Prévost/Dist. RMN-GP / Georg Baselitz Bild in Detailansicht öffnen
Natürlich sei die Jubiläumsschau vor allem eine Hommage an diese Sammlung, sagt Brigitte Léal, stellvertretende Leiterin des französischen Nationalmuseums für moderne Kunst im Centre Pompidou und Kuratorin der Baden-Badener Ausstellung.Bild: Pablo Picasso, Le couple, 1969, Öl auf Leinwand, 108,5 x 140,5 cm. Museum Frieder Burda, Baden-Baden. Museum Frieder Burda - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Man sei froh darüber, diese Geburtstagsfeier unterstützen zu können, so Brigtte Léal. „Frieder Burda war der einzige Deutsche in der Ankaufskommission des Centre Pompidou. Er hat uns auch bedeutende Werke geschenkt. Die deutsch-französische Freundschaft ist sehr wichtig für ihn. Diese Gegenüberstellung unserer Sammlungen war ihm eine Herzensangelegenheit.“Bild: Marc Chagall, Dimanche, 1952 – 1954, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Geschenk 1988. Museum Frieder Burda - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
So steuerten die Pariser also, sozusagen als Reimport, viel deutsche Kunst zur gemeinsamen Ausstellung bei. Zum Beispiel gleich im ersten Saal ein monumentales Gemälde von Markus Lüpertz aus dem Jahr 1992: Exekution. Ein Erschießungskommando, drei gesichtslose, behelmte Soldaten, richten ihre Waffen auf ihr ebenso gesichtsloses Opfer. Eine Allegorie des Tötens. picture alliance / dpa - Foto: Eventpress Herrmann Bild in Detailansicht öffnen
Sehr effektvoll hängen gegenüber drei nahezu identische Lüpertz-Bilder aus der Sammlung Burda: Gespenstische „Zyklopen“ in Uniform mit eigenartigen, überdimensional großen, gesichtslosen Köpfen, halb Soldatenhelm, halb Polizeimütze. Schön ist auch das Gegenüber zweier Landschaftsgemälde von Gerhard Richter: „Chinon“ aus der Sammlung des Centre Pompidou korrespondiert da mit der „Bühler Höhe“ von Frieder Burda.Hier auf dem Bild: Gerhard Richter, Juni n° 527, 1983, Collection Centre Pompidou, Paris, Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Ankauf 1984. Museum Frieder Burda - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP / Gerhard Richter Bild in Detailansicht öffnen
In der oberen Etage des Museums hat die Kuratorin Werke von Sigmar Polke und Andreas Gursky zusammengebracht. Zum Beispiel einen blau leuchtenden Polke „Ohne Titel“, den Frieder Burda einst dem Centre Pompidou schenkte, und eine monumentale Ocean-Fotografie von Gursky aus der Sammlung Burda.Bild: Sigmar Polke, Ohne Titel, 1999. Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne. Centre de création industrielle, Geschenk von Frieder Burda, 2000. Museum Frieder Burda / The Estate of Sigmar Polke, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP / Bild in Detailansicht öffnen
Weniger unmittelbar überzeugend ist das Zusammenspiel bei den Werken der klassischen Moderne. Das Centre Pompidou hat da zwar hochkarätige Bilder nach Baden-Baden gebracht. Doch es bleibt einigermaßen rätselhaft, was zum Beispiel zwei wunderbare Gemälde von Pierre Bonnard aus den 30er Jahren – ein weiblicher Akt im Badezimmer und ein Selbstporträt des Künstlers im Badezimmerspiegel – mit den expressionistischen Meisterwerken der Sammlung Burda zu tun haben, mit Mackes Bild „Kleiner Zoologischer Garten in Braun und Gelb“ von 1912 und Ernst Ludwig Kirchners „Frauenkopf vor Sonnenblumen“ aus dem Jahr 1906.Bild: August Macke, Kleiner Zoologischer Garten in Braun und Gelb, 1912, Öl auf Leinwand 47 x 67,3 cm, Museum Frieder Burda. Museum Frieder Burda - Bild in Detailansicht öffnen
Aber unter dem summarischen Ausstellungstitel „Ensemble“ können natürlich auch der Blaue Reiter und der späte Bonnard eine gewisse deutsch-französische Verbundenheit repräsentieren. „Diese Künstler hatten denselben Ursprung“, sagt Brigitte Léal, „alle bezogen sich auf Van Gogh und die Impressionisten. Das waren „transnationale Referenzen“.Bild: Pablo Picasso, Le Rocking-chair, 9 août 1943, Collection Centre Pompidou, Paris Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Geschenk des Künstlers, 1947. Museum Frieder Burda / Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2019 - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP Bild in Detailansicht öffnen
Zuletzt hatte das Centre Pompidou 1998 im New Yorker Guggenheim Museum so ein museales Doppelspiel veranstaltet. Dass die größte öffentliche Sammlung Europas jetzt mit dem vergleichsweise kleinen Privatmuseum in Baden-Baden gemeinsame Sache macht, verdeutlicht eine enge Partnerschaft mit dem Sammler Frieder Burda.Sigmar Polke, Kinderspiele, 1988. Collection Centre Pompidou, Paris. Musée national d’art moderne - Centre de création industrielle, Geschenk der Société des Amis du Musée national d’art modern, 1989. Museum Frieder Burda / The Estate of Sigmar Polke, Köln / VG Bild-Kunst, Bonn 2019 - Foto: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Philippe Migeat/Dist. RMN-GP Bild in Detailansicht öffnen
Das „Ensemble“ in Baden-Baden erinnert einmal mehr daran, dass in Zeiten knapper Kassen öffentliche Museen schon lange nicht mehr ohne die Grosszügigkeit privater Sammler auskommen.Bild: Jean Olivier Hucleux, Porträt Frieder Burda, 2000, Bleistift auf Zeichenpapier, aufgezogen auf Leinwand, 178,8 x 154 cm, Museum Frieder Burda. Museum Frieder Burda - Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2019 Bild in Detailansicht öffnen
Dauer

„Ensemble. Centre Pompidou - Museum Frieder Burda“ zum 15. Geburtstag des Museums, vom 6. April bis zum 29. September.

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